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Wildbienen brauchen Totholz im Wald

Freiburger Forschende führten ein Restaurationsexperiment durch

Liegenges Totholz im Wald
Foto: Manfred Antranias Zimmer, Pixabay



(28.6.2021) Wie viele Baumarten gibt es im Wald? Wie sind die Bäume verteilt? Wie hoch sind die einzel-

nen Baumkronen? Gibt es umgestürzte Bäume oder ausgehöhlte Baumstämme? Forstwissenschaftler-

innen und Forstwissenschaftler charakterisieren Wälder nach strukturellen Faktoren. „Strukturreichtum ist sehr wichtig für die Biodiversität in Wäldern. Aber forstlich genutzte Wälder sind im Allgemeinen strukturarm“, sagt Tristan Eckerter von der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie der Universität Freiburg.

 

Daher untersuchte er gemeinsam mit Forschungsteams der Professur für Waldbau und des Nationalpark Schwarzwalds, ob Strukturen wie stehendes Holz in Wäldern dabei helfen, die Vielfalt von Wildbienen zu fördern. Darüber hinaus analysierten die Forschenden, welche weiteren natürlichen Gegebenheiten des fichtendominierten Waldes Wildbienen beim Überleben unterstützen. Dabei zeigte sich, dass die Schaffung von Totholz in Nadelwäldern eine vielversprechende Wiederherstellungsmaßnahme darstellt, um das Vorkommen von oberirdisch nistenden Bienen zu fördern. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Zeitschrift Forest Ecology and Management veröffentlicht.

 

Restaurationsexperiment soll Biodiversität stärken

 

Im Rahmen dieses langfristig angelegten Restaurationsexperiments wurde der Strukturreichtum bereits im Jahr 2016 auf mehreren Probeflächen im Nationalpark Schwarzwald künstlich erzeugt: Forschende fällten und entwurzelten 20 Fichten pro Fläche und schufen so Totholz und kleine Lücken in sechs 50 mal 50 Meter großen Parzellen. Sechs weitere Parzellen wurden als Kontrollgruppe in ihrem natürlichen Zustand belassen. „Die Restaurations-Maßnahmen haben die sogenannte strukturelle Komplexität der Waldbestände erhöht. Das heißt, diese Flächen bieten einen vielfältigeren, abwechslungsreicheren Lebensraum. Dass wir daraufhin so viele verschiedene Wildbienen finden, hätten wir nicht gedacht“, erklärt Eckerter.

 

Totholz mit Käferbohrlöchern, welche vermutlich von Wildbienen genutzt werden. Foto: Tristan Eckerter
Totholz mit Käferbohrlöchern, welche vermutlich von Wildbienen genutzt werden. Foto: Tristan Eckerter

 

Stehendes Totholz fördert Bienenpopulation

 

Die Forschenden haben verglichen, wie viele Wildbienen im Juni 2018 und 2019 in den unterschiedlichen Parzellen vorkamen. Ihre Ergebnisse zeigen: Totholz erhöht die Häufigkeit und den Artenreichtum der Wildbienen. Dabei fördert stehendes Totholz insbesondere oberirdisch nistenden Bienen wie beispielsweise Maskenbienen. „Wir vermuten, dass einige der Bienen Totholz als Nistplatz benutzen“, sagt Eckerter und empfiehlt daher: „Wenn der Borkenkäfer schon ausgeflogen und der Baum bereits tot ist, ist es wichtig, den stehenden abgestorbenen Baum für die Bienen stehen zu lassen.“

 

Lichte Waldflächen fördern den Wuchs der Heidelbeere, von deren Nektar sich Wildbienen gerne ernähren. Foto: Tristan Eckerter
Lichte Waldflächen fördern den Wuchs der Heidelbeere, von deren Nektar sich Wildbienen gerne ernähren.
Foto: Tristan Eckerter

 

Erhöhter Heidelbeerwuchs

 

Darüber hinaus erweisen sich die lichteren Waldflächen für die Bienen als vorteilhaft, denn durch das Licht wird das Wachstum von Blütenpflanzen wieder angeregt. Der vermehrte Heidelbeerbewuchs bietet den Bienen mehr Nektar und steigert so die Häufigkeit und den Reichtum der Bienenlebensgemeinschaft. Prof. Dr. Alexandra Klein, Leiterin der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie betont mit Blick auf die Zukunft: „Waldflächen werden im Zuge des Klimawandels vermehrt durch Totholz und lichten Flächen geprägt sein, die durch Stürme, Dürren oder Borkenkäfer entstehen. Dadurch wird der Lebensraum Wald an Bedeutung für Wildbienen zunehmen.“
(Rimma Gerenstein, Uni Freiburg)

 

Originalpublikation:
Eckerter, T., Buse, J., Bauhus, J., Förschler, M. I., Klein, A. M. (2021): Wild bees benefit from structural complexity enhancement in a forest restoration experiment. In: Forest Ecology and Management. DOI: 10.1016/j.foreco.2021.119412


 

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