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In Wäldern nicht aufräumen

Negative Einwirkungen auf die biologische Vielfalt vermeiden


Abgebrannter Eukalyptus-Urwald in Australien
Abgebrannter Eukalyptus-Urwald in Australien. Nach solchen Waldschäden sei es für die Biodiversität besser, nicht aufzuräumen, sagen Würzburger Wissenschaftler. Foto: Simon Thorn

 

(8.10.2020) Bitte nicht stören: Nach Waldbränden, Borkenkäferbefall oder anderen Schädigungen sollte in den betroffenen Wäldern nicht aufgeräumt werden. Das schreibt ein Forschungsteam in „Nature Communications“.

 

Stürme, Brände, Borkenkäfer: Weltweit sind viele Wälder zunehmend von solchen und anderen natürlichen Störungen betroffen. Gängige Praxis ist es, die Folgen dieser Störungen zu beseitigen – also beschädigte Bäume schnellstmöglich zu ernten. Vom Borkenkäfer befallene Fichten werden ebenso aus dem Wald geholt wie verdorrte Buchen oder von Stürmen zu Boden geworfene Bäume.

„Diese Praxis ist aber eine zusätzliche Störung, die sich negativ auf die biologische Vielfalt auswirkt“, sagt Dr. Simon Thorn, Waldökologe von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Bei Aufräumaktionen entstehen Bodenverletzungen, Totholz wird zum Großteil entfernt und Strukturen wie hochgeklappte Wurzelteller gehen verloren. „Darum sollte ein gewisser Teil solcher Störungsflächen von Aufräumaktionen ausgeschlossen werden“, so Thorn weiter.

 

Erstmals belastbare Zahlen erarbeitet

 

Wälder, in denen natürliche Störungen ohne menschliche Eingriffe erhalten bleiben, gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Welt. „Bislang gab es keine belastbaren Zahlen dafür, welcher Flächenanteil in einem natürlich gestörten Wald unaufgeräumt bleiben sollte, um die Artenvielfalt an Pflanzen, Vögeln, Insekten und Pilzen so gut wie möglich zu fördern“, sagt der JMU-Wissenschaftler.

Um diese Lücke zu schließen, hat ein internationales Forschungsteam um Simon Thorn weltweite Daten zu natürlichen Störungen in Wäldern analysiert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen im Journal Nature Communications zu dem Fazit: Werden rund 75 Prozent eines natürlich gestörten Waldgebietes nicht aufgeräumt, bleiben 90 Prozent des dortigen Artenreichtums erhalten. Lässt man nur die Hälfte eines gestörten Waldes unangetastet, geht rund ein Viertel der Arten verloren. „Diese Zahlen können als einfache Faustregel für das Belassen von Störungswäldern dienen“, sagt Thorn.
(Robert Emmerich, JMU)


Originalpublikation:
„Estimating retention benchmarks for salvage logging to protect biodiversity“, Simon Thorn et al., Nature Communications, 21. September 2020, Open Access, doi.org/10.1038/s41467-020-18612-4

 

Link
Julius-Maximilians-Universität Würzburg


 

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