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Stadtbäume im Klimawandel

Wenn Schattenseiten zum Vorteil werden

Straßenbäume im Frankfurter Nordend. Foto: Lynn Anders / BUND Hessen
Straßenbäume im Frankfurter Nordend. Foto: Lynn Anders / BUND Hessen

 


(15.5.2022) Aufgrund der auch bei uns deutlich spürbaren Folgen des Klimawandels sind Stadtbäume in den aufgeheizten Städten gleichzeitig Leidtragende und Helfer. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen wollen ins Bewusstsein rücken, wie wichtig der Schutz und das neue Pflanzen von Stadtbäumen als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel und für das Wohlbefinden der Menschen ist.

 

In Städten ist die zunehmende Sommerhitze stärker zu spüren als in weniger bebauten Bereichen, da die dichte Bebauung den Luftdurchzug erschwert und sich die dunklen Oberflächen der Häuser, Plätze und Straßen stark aufheizen. Bäume können die Folgen der Klimaerhitzung in der Stadt abfedern und dadurch Hitzeperioden und sogenannte Tropennächte für Menschen erträglicher machen. Sie spenden Schatten und kühlen die Umgebung durch Verdunstung über die Blätter um einige Grad.

 

Allerdings leiden auch die Bäume unter der zunehmenden Hitzebelastung und Trockenheit. Bei Neupflanzungen sollte daher unbedingt darauf geachtet werden, dass Arten gewählt werden, die unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen auch im urbanen Raum noch wachsen können. Das HLNUG arbeitet derzeit im Rahmen des Projektes KLIMPRAX (KLIMawandel in der PRAXis) Stadtgrün an einem Online-Tool für die Planung und Pflanzung klimaresilienter Begrünung. Ein zentrales Element des Online-Tools wird eine übersichtliche, filterbare Baumartenauswahl sein. „Wir wollen damit besonders kleine und mittlere Kommunen unterstützen, ohne viel Zeitaufwand zu einer standortgerechten und vor allem klimaresilienten Baumartenauswahl zu kommen“, betont Prof. Dr. Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

 

Neben den zunehmenden Hitze- und Trockenheitsperioden muss man bedingt durch den Klimawandel mit häufigeren Starkregenereignissen rechnen. Auch hier können Bäume Abhilfe schaffen. Niederschlagswasser wird in der Regel schnell in den Kanal abgeführt. Es kann jedoch auch in Baumscheiben geleitet werden, versickern und die Bäume versorgen. Bei Neupflanzungen können sogar Baumrigolen vorgesehen werden, damit die Bäume länger mit Wasser versorgt bleiben und Trockenphasen besser überstehen. „Der schlaue Umgang mit Regenwasser entlastet nicht nur die Kanalisation und spart wertvolles Trinkwasser, sondern führt auch zu einer besseren Versorgung der Bäume und dient der örtlichen Speisung des Grundwassers. Regenwasser muss zukünftig also mehr als eine wertvolle Ressource angesehen werden, anstatt als Belastung und, wo möglich, nicht im Kanal landen“, fordert Prof. Dr. Thomas Schmid.

 

Die außergewöhnlich trocken-heißen Sommer 2018 und 2019 zeigen einen akuten Handlungsbedarf auf. „Kommunen müssen umdenken und den Schutz der Stadtbäume als wichtige Maßnahme für den Gesundheitsschutz verstehen. Gegen die Aufheizung der Siedlungsbereiche werden künftig mehr Bäume in der Stadt erforderlich. Neben hitze- und dürreresistenten Neupflanzungen spielt der Erhalt bestehender, großer Stadtbäume eine zentrale Rolle! Schließlich benötigen neu gepflanzte Bäume in der Regel 20 bis 30 Jahre bis sie ihre vielseitigen Wohlfahrtswirkungen im städtischen Raum voll entfalten können. Hierfür muss ein nachhaltiges Bewässerungsmanagement gefunden werden. Je länger wir warten, desto mehr Menschen und Bäume werden sterben“, erklärt Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen.

 

Hintergrund

Hitzebelastung kann die menschliche Gesundheit gefährden. Besonders anfällig auf diese Belastungen reagieren ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder. Die Gesundheitsbelastung durch Hitze – in Verbindung mit dem demographischen Wandel – stellt das Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen. Das Robert Koch Institut schätzt, dass 2018 in Hessen etwa 740 Menschen hitzebedingt verstorben sind. Hitzebedingte Erkrankungen sind beispielsweise Hitzeschlag, Hitzekollaps, Sonnenstich und Herz-Kreislauf-Probleme.

 

Städtisches Grün, insbesondere Stadtbäume, dienen als „natürliche Klimaanlagen“. Grüne Strukturen zu erhalten und an Hitze und Trockenheit angepasste Stadtbäume anzupflanzen ist eine wichtige Maßnahme für die Anpassung an den Klimawandel. Stadtbäume filtern Staub aus der Luft, kühlen die Umgebung durch Verdunstung und spenden großflächig Schatten. Gleichzeitig wachsen sie im städtischen Bereich unter erschwerten Bedingungen, denn ihre Wurzeln müssen sich den wenigen Platz unter der Asphaltschicht mit Rohren und Leitungen teilen. Zudem bekommen sie weniger Wasser, da ihre Wurzeln keinen freien Zugang zum Grundwasser haben und nicht dieselbe Menge Wasser um den Stamm in den Boden versickern kann wie an Bäumen in ländlichen Regionen. Stadtbäume prägen je nach Baumart 70 bis zu mehrere hundert Jahre das Stadtbild. Im Vergleich zu Bäumen haben Gebäude zum Teil heute nur noch eine Nutzungs- und „Lebensdauer“ von 20 – 30 Jahren.

 

Das HLNUG-Projekt KLIMPRAX Stadtgrün stellt eine Auswahl von rund 180 klimaresilienten Baumarten zusammen, die aus namhaften Quellen ausgewählt wurden und passend zum geplanten Standort im Tool gefiltert werden können. Neben der Baumartenauswahl sind auch noch eine filterbare Auswahl an Gebäudebegrünungsformen sowie eine Informationsseite zum Thema geplant. Das Online-Angebot richtet sich natürlich auch an Bürgerinnen und Bürger, die selbst etwas zur Klimaanpassung beitragen möchten und können sowie an Betriebe, die ihr Arbeitsumfeld verbessern wollen.

 

Das Projekt KLIMPRAX Stadtgrün wird auch auf der Landesgartenschau Fulda 2023 vertreten sein: Bereits im vergangenen Jahr 2021 wurde durch das HLNUG ein Klimabaumpfad auf dem Gelände der Landesgartenschau gepflanzt, der 11 verschiedene klimaresiliente Baumarten vorstellt. Ein Themengarten zur Gebäudebegrünung als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel ist derzeit in Vorbereitung.
(HLNUG)




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