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Regenwasserbecken mit klugem Pflanzen-Mix

Sinnvolles und sinnliches Duett

Eine wasserorientierte Stadtplanung in Kopenhagen mit Überflutungspotential und der Anmutung einer Hartholzaue aus Spechts Erle, Traubenkirsche, Stiel-Eiche, Eberesche, Pflaumeblättriger Apfelbeere und Ovalblättrigem Liguster. Ergänzt durch Wasserdost, Schlangenkof, Frauenmantel und Wald-Erdbeere. Foto: Prof. Dr. Swantje Duthweiler
Eine wasserorientierte Stadtplanung in Kopenhagen mit Überflutungspotential und der Anmutung einer Hartholzaue aus Spechts Erle, Traubenkirsche, Stiel-Eiche, Eberesche, Pflaumeblättriger Apfelbeere und Ovalblättrigem Liguster. Ergänzt durch Wasserdost, Schlangenkof, Frauenmantel und Wald-Erdbeere. Foto: Prof. Dr. Swantje Duthweiler

 

 

(23.7.2022) Einerseits Hitze und Trockenheit, andererseits Starkregen mit Überflutungen – unsere Städte müssen zukünftig besser für diese Ereignisse gewappnet sein. Wasser als kostbares, immer knapper wer-

dendes Gut spielt dabei eine zentrale Rolle. Umso wichtiger ist die Nutzung von Regenwasser.

 

Diesen Niederschlag ökologisch sinnvoll zu verwerten, ihn für Stadtbäume bereitzustellen und ihn mit Pflanzengemeinschaften zu kombinieren, ist das Anliegen von Dr. Swantje Duthweiler. Die Professorin an der bayerischen Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist als Expertin für Pflanzenverwendung bekannt. Vor allem ein verstärkter Einsatz von heimischen Arten mit Kulturstauden liegt ihr am Herzen. Für das „Mehr grüne Städte für Europa“ Projekt sprach sie mit dem Bund deutscher Baumschulen.


Frau Duthweiler, wie kann man Regenwasserbecken mit Pflanzen verbinden?

 

Durch eine kluge, wassersensible Siedlungsgestaltung, zum Beispiel mit bepflanzten Versickerungsmulden als dezentrale Versickerungsanlagen im innerstädtischen Raum. Diese können die Funktion regulierter Entwässerung übernehmen von Regenwasserabflüssen versiegelter Flächen wie Straßen und Dächer, aber auch den Rückhalt von Schadstoffen zum Schutz des Grundwassers. Als dezentrale Anlagen sind sie eine vielversprechende Lösung für das langsame Abfließen von Niederschlägen. Zusätzlich bilden sie durch temporären Wasseranstau nach Regenfällen angenehme kleinklimatische Kühlungen des Stadtraums, mindern also den Wärmeinsel-Effekt. Obendrein lassen sich durch bandartige Versickerungsanlagen Grünsysteme vernetzen und tierökologische Bewegungsräume ermöglichen. Diese Versickerungsanlagen müssen allerdings immer Extreme wie lange Trockenperioden oder kurze Ereignisse wie Starkregen verkraften. Das bedeutet eine große Herausforderung für die Verwendung der Pflanzen.

 

Eine Versickerungsmulde für Regenwasser mit Großem Wasserdost zwischen Garten-Reitgras, Waldschmiele und Frauenmantel – ökologische Stadtkühlung durch temporären Wasseranstau. Foto: Prof. Dr. Swantje Duthweiler
Eine Versickerungsmulde für Regenwasser mit Großem Wasserdost zwischen Garten-Reitgras, Waldschmiele und Frauenmantel – ökologische Stadtkühlung durch temporären Wasseranstau. Foto: Prof. Dr. Swantje Duthweiler

 

Es müssen besondere Überlebenskünstler sein, welche Pflanzen eignen sich da?

 

Es gibt bereits zahlreiche erfolgreiche Beispiele vor allem in Nordeuropa. Im schwedischen Malmö wurde auf einem ehemaligen Werftgelände eine nachhaltige Siedlung gebaut, in der Oberflächenwasser in Versickerungsbecken gesammelt wird, die mit Seggen, Schild und Blutweiderich bepflanzt sind. In einem niederländischen Projekt gedeihen in den hausnahen Versickerungsbecken zusätzlich noch Blattschmuckstauden, wie Kerzen-Greiskraut oder Morgensternsegge. Und nicht nur in neuen Siedlungsgebieten, auch in vorhandenen lassen sich oberirdische Regenwasserversickerungssysteme nachträglich einbauen: In einem Pionierprojekt im dänischen Kopenhagen wurde es bei der Sanierungsmaßnahme eines Stadtviertels aus der Gründerzeit ebenso nachhaltig wie gestaltungssicher integriert. In den oberirdischen Versickerungsflächen – bei denen auch das Wasser aller Dächer genutzt wird – gedeiht ein vielfältiges Biotop aus Gehölzen und Stauden: Auwaldarten wie Silberweiden, Stil-Eichen, Traubenkirschen, Purpur-Erlen und Ebereschen, dazu Frauenmantel und Wasserdost, Blutweiderich und Schlangenkopf, eingebettet in eine Gräsermatrix aus Chinaschilf, Garten-Reitgras und Waldschmiele. Ökologische Vielfalt, die sehr ästhetisch ist, aber gleichzeitig Extremen wie großer Trockenheit und dann wieder Überschwemmungen ausgesetzt ist.

 

Eine bepflanzte Versickerungsmulde für Regenwasser an einem Altersheim in Kopenhagen mit Traubenkirschen und Beeren-Äpfeln. Foto: Prof. Dr. Swantje Duthweiler
Eine bepflanzte Versickerungsmulde für Regenwasser an einem Altersheim in Kopenhagen mit Traubenkirschen und Beeren-Äpfeln. Foto: Prof. Dr. Swantje Duthweiler

 

Wie sieht es mit derart artenreicher Gestaltung in Deutschland aus?

 

Bisher werden Regenwassermulden regelkonform mit einfachem Kurzrasen begrünt. Aber es ändert sich gerade etwas, die Regelwerke werden erweitert und positive Erfahrungen aus anderen Ländern einbezogen. Ab diesem Jahr wird es auch in Deutschland möglich sein, Versickerungsanlagen mit Gräsern und Staudenpflanzungen, Sträuchern und Gehölzen zu bepflanzen.

 

Sie plädieren dabei auch für die Verwendung heimischer Pflanzen – warum?

 

Trotz schwieriger Standortverhältnisse sollte vermehrt das vielfältige Potenzial regional typischer und charakteristischer Staudenpflanzungen getestet werden. Hier lohnt es sich, das Potenzial regional typischer Mischpflanzungen aus Kulturarten und heimischen Arten zu entwickeln. Grundsätzlich finde ich es spannend, mehr heimische Arten in unsere Pflanzenverwendung aufzunehmen und regionalere Pflanzsysteme zu entwickeln. Doch führt das derzeit oft zu einer pauschalen Ablehnung von nicht heimischen Kulturpflanzen, was ich auf gar keinen Fall fördern möchte. Auch nicht heimische Stauden sind für Insekten wichtig, können oft mit einer späten Blüte das Nährstoffangebot an Nektar deutlich verlängern und die heimischen Arten ergänzen. Viele heimische Arten haben derzeit große Schwierigkeiten in unseren hochverdichteten Städten, deshalb müssen wir Pflanzen aus trockenheitsverträglichen Regionen mit einbeziehen.

 

Ein weiterer innovativer Aspekt bepflanzter Regenwasserbecken ist die Schadstoffreinigung, was forschen Sie dazu gerade an Ihrer Hochschule?

 

Dabei geht es um den gezielten Einsatz von Pflanzenarten bei der Reinigung schadstoffbelasteter Böden und Gewässer. Der Fachbegriff ist „Phytomediation“. Niederschläge, gerade von Straßen und Verkehrsflächen, aber auch von Fassaden und Dächern, sind oft mit organischen und anorganischen Schadstoffen belastet. Mit der richtigen Artenauswahl können in den Pflanzen und auch im Bodensubstrat Schadstoffe aufgenommen und später entsorgt werden. Dadurch wird ein effektiver Beitrag zur Umweltreinigung geleistet. Um die vielen Potenziale bepflanzter Versickerungsmulden – Filterwirkung, Schadstoffreinigung, Gestaltungskraft, Insektennährwert – exakter zu untersuchen, führen wir an unserer Hochschule gemeinsam mit der TU München seit November 2020 das Forschungsprojekt „Multifunktionale Versickerungsmulden im Siedlungsraum“ durch.

Wir testen diverse Kombinationen von Pflanzen in Bezug auf ihre Verträglichkeit gegenüber Trockenheit, Überflutung und Salzung. Schließlich soll der passende Pflanzenmix eine überzeugende Aufnahme, Speicherung, Reinigung und Versickerung von Niederschlägen gewährleisten. Zusätzlich soll die Kombination der Pflanzenarten einen attraktiven Lebensraum und Futterquelle für eine Vielzahl von Insekten bieten. So haben beispielsweise Schafgarbe, Wegwarte, Skabiosen-Flockenblume, Wiesensalbei und Wiesen-Margerite laut Experten eine besondere Bedeutung als Pollenquelle für teilweise über 30 Wildbienenarten. Wir blicken gespannt auf erste Ergebnisse unseres Forschungsprojektes.
(BdB)



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