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Lebendige Archive liefern Pflanzgut für den Klimawandel

Forschung zu anpassungsfähigem Forstvermehrungsgut

Ausgetriebene Eichen-Pfropflinge. Foto: NW-FVA
Ausgetriebene Eichen-Pfropflinge. Foto: NW-FVA

 


(1.8.2022) Waldbesitzern soll zukünftig eine ökonomische und ökologische Alternative zu herkömmli-

chem Saat- und Pflanzgut zur Verfügung stehen, um auf klimawandelbedingte Änderungen angepasst reagieren zu können. Innerhalb derProjekte „AdaptForClim“ und „FitForClim“ wurden dafür die Grundlagen und Strategien zur Bereitstellung von anpassungsfähigem und hochwertigem forstlichem Vermehrungsgut erarbeitet. Die von den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) über den geförderten Projekte setzen dabei auf eine breite genetische Diversität sowie auf hochwertige Erbanlagen.

 

Die Verbundvorhaben der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), des Bayerischen Amtes für Waldgenetik (AWG), des Staatsbetriebs Sachsenforst (SBS) und des Thünen-Institutes für bilden die Grundlage für eine langfristig angelegte Züchtungsstrategie. Deren Ziel ist die Bereitstellung von hochwertigem und anpassungsfähigem Saat- und Pflanzgut der Baumarten Fichte, Kiefer, Lärche, Douglasie, Stieleiche, Traubeneiche und Bergahorn. Der Schwerpunkt der Projekte lag neben der Sicherung einer breiten genetischen Diversität auf den Erbanlagen des künftigen Saatgutes. Das Erbgut soll ein überdurchschnittliches Wachstum, gute qualitative Eigenschaften und eine hohe Widerstandskraft der Bäume garantieren. Die gesteigerte Wuchsleistung trägt zur erhöhten CO2-Bindung bei, während die Qualitätsverbesserung die Chancen auf mehrmalige stoffliche Nutzung des Holzes (Kaskadennutzung) erhöht.

 

Die Hauptaufgabe des Projektes „AdaptForClim“ lag in der Errichtung so genannter Klon-Archive für die im Projektverlauf gezogenen Pfropflinge der Plusbaumarten Douglasie, Fichte, Kiefer, Lärche, Eiche und Bergahorn. Der Projektverbund sichert den Großteil der 5.300 Plusbaumklone aus dem „FitForClim“-Projekt in Klon-Archiven in ganz Deutschland. Weiteren Züchtungs- und Forschungsaktivitäten steht dadurch ein enormes genetisches Potenzial zur Verfügung.

 

Während Plusbäume zur Saatgutproduktion zuvor in örtlich begrenzten Regionen aufgrund ihres besonders geeigneten Phänotyps (Erscheinungsbildes) ausgewählt wurden, erfolgte im Verbundprojekt eine bundesweite Auswahl auf unterschiedlichen Standorten. Hierdurch konnten auf trockeneren Standorten Plusbäume mit einer besseren Trockenheitsanpassung selektiert werden. Eine gezielte Auswahl auf älteren Versuchsflächen ermöglichte neben der Berücksichtigung phänotypischer Kriterien auch statistische Auswertungen anhand langjähriger Messreihen. Alle ausgewählten Plusbäume verfügen über Standorts- und Klimadaten und wurden im Labor genetisch charakterisiert. Zusätzliche physiologische Untersuchungen dienten der Identifizierung unterschiedlicher Trockenstress-Reaktionen einzelner Genotypen.

 

Aus länderübergreifenden Auswertungen zahlreicher Versuchsserien wurden sogenannte Verwendungszonen nach klimatischen Größen abgeleitet. Für diese Verwendungszonen mit ihrer klimatischen Charakterisierung können nun gezielt Plusbäume ausgewählt und spezifische Samenplantagen aufgebaut werden.

Durch Optimierung der Nachbarschaftsverhältnisse auf neu anzulegenden Samenplantagen lässt sich zudem die genetische Qualität des Saatgutes deutlich verbessern.

 

Genetische Untersuchungen an Saatguterntebeständen der Douglasie lieferten Hinweise auf die Mindestanforderungen an Erntebestände. Die gewonnenen Informationen fließen in die Empfehlungen zur Zulassung und Bewirtschaftung von Saatguterntebeständen ein. Am Beispiel einer älteren Fichtenversuchsfläche wurde die Umwandlung in einen Saatguterntebestand erprobt. Dabei zeigte sich, dass alte Versuchsflächen ein enormes Potenzial zum Umbau in Saatguterntebestände aufweisen. Für die Stiel- und Trauben-Eiche wurde ein Beerntungs- und Behandlungskonzept für Saatguterntebestände erarbeitet. Die Ergebnisse belegen, dass durch Einzelbaumbeerntung von phänotypisch gewünschten Zieltypen die genetische Qualität des Saatgutes deutlich verbessert werden kann.

 

Hintergrund

 

Die stetig steigende Holznachfrage, der Nutzungsverzicht auf Teilen der bislang bewirtschafteten Waldfläche und die Unsicherheiten des Klimawandels stellen Waldbesitzer vor umfangreiche Herausforderungen. Die Forstwirtschaft steht vor der Aufgabe, die Bereitstellung von Holz auf gleichbleibender oder geringer werdender Fläche zu sichern und dabei den Klimawandel und anthropogene Ansprüche zu berücksichtigen. Kalamitätsflächen in Folge von Stürmen, Dürren oder Insektengradationen betreffen insbesondere die Hauptbaumarten Fichte, Kiefer und Buche. Daher steigt der Bedarf an Vermehrungsgut klimastabiler Baumarten widerstandsfähiger Herkünfte, der durch die Forstpflanzenzüchtung bedient werden muss.
(Juliane Dabels / FNR)

 

Link
Projekt „FitForClim"





 

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