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Kleine Laus aus dem Kaukasus

Großes Risiko für die Tanne?


Massenbefall mit Tannen-Blattläusen. Foto: H. Lemme, LWF

Massenbefall mit Tannen-Blattläusen. Foto: H. Lemme, LWF


(17.8.2022) Die Weißtanne ist eine Schlüsselbaumart im Klimawandel für den Aufbau ökologisch wertvoller Wälder. Doch Massenvermehrungen wärmeliebender Insekten, die durch den Klimawandel begünstigt werden, können dieses Ziel gefährden. Ein Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) befasst sich insbesondere mit der Gefährdung dieser Baumart durch zwei kaukasische Tannen-Blattläuse. Zur Information und Unterstützung der Waldbewirtschaftenden haben die Forscher der LWF ein Faltblatt erstellt.

 

Wissenschaft und Praxis sind sich selten so einig: Die Weißtanne ist in vielen Regionen Bayerns ein Baum mit Zukunft. Ihr Holz ist genauso vielseitig verwendbar wie das der Fichte. Eine tiefreichende Pfahlwurzel gibt Stabilität bei Sturm und reicht auch in Dürrephasen noch an Wasservorräte in tieferen Bodenschichten. Obendrein bietet die Tanne Lebensraum für hochspezialisierte Tiere und Pilze. Die Forstwirtschaft hat in den vergangenen Jahren deswegen große Anstrengungen unternommen, den Flächenanteil der Weißtanne in Bayerns Wäldern deutlich zu erhöhen. Doch auch der Hoffnungsträgerin im Klimawandel mit der bezeichnenden weiß-grauen Borke und den dunkelgrün schimmernden Nadeln machen verschiedene Schadorganismen zu schaffen: Übermäßiger Mistelbefall lässt Wasserverluste in Trockenphasen in die Höhe schnellen. Und auch Insekten wie Weißtannenrüssler und Tannen-Blattläuse nagen, bohren und saugen an den Zukunftsaussichten der Weißtanne. Klimawandeleffekte wie längere Dürrephasen und wärmere Witterung begünstigen eben auch bei der Tanne viele Schadorganismen, während ihre natürlichen Abwehrkräfte gleichzeitig reduziert werden.


Forschende der forstlichen Landesanstalt in Freising widmen sich deshalb speziell den Tannen-Blattläusen. „Die Vorkommen eines nur millimetergroßen Insekts auf der Gesamtfläche Bayerns zu erfassen ist alles andere als einfach.“ erläutert Dr. Andreas Hahn, Leiter der Abteilung Waldschutz an der LWF. Neben speziell geschulten Inventurteams und einer guten wissenschaftlichen Methodik sei hierfür vor allem die Hilfe örtlicher Waldbewirtschaftender entscheidend. „Bei unserer Inventur kooperieren wir eng mit den Bayerischen Staatsforsten. Deren Försterinnen und Förster haben uns wertvolle Hinweise gegeben, wo wir mit unserer Suche ansetzen müssen.“ Aktuell läuft die Auswertung der Stichprobenaufnahmen aus Bayerns Wäldern.

 

Mit der Untersuchung will die LWF folgende Schlüsselfragen beantworten:
- Wie groß ist die Gefährdung, die von zwei aus dem Kaukasus eingeschleppten Trieblaus-Arten ausgeht?
- Unter welchen Bedingungen kommen besonders viele Blattläuse vor?
- Wo sind besonders ernste Schäden zu verzeichnen? Und vor allem:
- Was kann bei der Waldbewirtschaftung getan werden, um der Weißtanne zu helfen?

 

Erste Antworten aus dem Projekt sollen um die Jahreswende vorliegen. „Praxisorientierte Forschung und rascher Wissenstransfer zu den Akteuren und Praktikerinnen der Waldbewirtschaftung sind unsere zentralen Aufgaben.“, so Dr. Hahn. „Wenn wir die Waldbewirtschaftenden in die Lage versetzen, schnell auf neu auftretende Probleme zu reagieren, können wir die Chancen unserer heimischen Baumarten im Klimawandel verbessern!“
Für die Waldbesitzenden hat die Bayerische Landesanstalt daher ein Faltblatt erstellt, in dem Biologie und Schadbild der heimischen und fremdländischen Tannenläuse vorgestellt werden und mögliche Gegenmaßnahmen beschrieben werden. Das Faltblatt steht online zum kostenlosen Download↗ zur Verfügung.
(LWF)




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