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Dichten Fruchtbehang rechtzeitig ausdünnen

Bei Obstbäumen mit zu vielen Früchten Behang verringern

Fruchtbehang
Foto: Marek Studzinski / Unsplash

 

 

(11.6.2022) Wenn Obstbäume ins Ertragsstadium kommen, blühen sie sehr reich. Aber nur ein geringer Teil der Blüten wird für einen guten Ertrag benötigt.


Die Voraussetzung für den Fruchtansatz ist zunächst die Bestäubung und Befruchtung der Blüten. Die geschieht bei Obstbäumen meist über Bienen oder andere Insekten. Wenn das Wetter zur Blütezeit sehr kalt und regnerisch ist oder aus anderen Gründen zu wenig Bestäuberinsekten unterwegs sind, kann es allerdings passieren, dass viele Blüten unbefruchtet bleiben und später abfallen. Außerdem können die Blüten der Obstbäume vor oder nach ihrer Befruchtung durch Nachtfröste geschädigt werden. Je nach Zustand erfrieren die Blüten bei Temperaturen von etwa minus 0,5 bis minus 3 Grad Celsius.

 

Kernobst

 

Wenn die Witterung günstig ist und viele Insekten fliegen, kann es aber auch dazu kommen, dass ein sehr großer Teil der Blüten befruchtet wird und sich mehr Früchte entwickeln, als der Baum tragen kann. Sie geraten dann in Konkurrenz zueinander, und besonders die schlechter befruchteten können vom Baum abgestoßen werden. Das ist der Hauptgrund für den sogenannten "Junifall", bei dem eine große Anzahl noch sehr kleiner Früchte vom Baum rieselt.

 

Apfelbaum vor (links) und nach (rechts) dem sehr späten Ausdünnen. Foto: Victor M. Vicente Selvas, Wikimedia Commons, CC0 1.0
Apfelbaum vor (links) und nach (rechts) dem sehr späten Ausdünnen.
Foto: Victor M. Vicente Selvas, Wikimedia Commons, CC0 1.0

 

Damit am Baum nicht zu viele Äpfel hängen und sie sich später zu großen, leckeren Früchten entwickeln, reicht dieser "Junifall" allerdings meist nicht aus. Daher wird im Erwerbsobstbau, wenn die Äpfel etwa die Größe einer Walnuss erreicht haben, geprüft, wie viele junge Früchte am Baum hängen und diese dann gegebenenfalls ausgedünnt. Die überflüssigen, jungen Früchte werden dazu mit dem Fingernagel oder einer Schere am Stiel vom Baum getrennt. Dabei werden vorrangig Früchte entfernt, die etwas kleiner als die übrigen sind, die an einer ungünstigen, schattigen Stelle hängen und/oder die von Insekten wie Wanzen oder Raupen beschädigt wurden. Nur die größten und schönsten Exemplare bleiben verschont. Beim Apfelbaum werden bei dichtem Behang ein oder zwei der häufig bis zu fünf Früchte an jedem Blütenstand belassen. Pro Meter Astlänge sollten sechs bis sieben Früchte übrig bleiben, mit etwa einer Handbreit Platz zueinander. Denn jede Frucht braucht etwa zehn bis 20 Blätter (im Juni gezählt) zu ihrer Ernährung.

 

Am besten geht das Ausdünnen bei Spindelbäumen und anderen kleinen Baumformen, die gut zu erreichen sind. Je größer der Baum wird, desto schwieriger wird das Ausdünnen. Bei sehr großen Bäumen wird meist völlig darauf verzichtet und in Kauf genommen, dass die Früchte klein bleiben und etwas weniger Aroma bilden. Im Juli und August können gegebenenfalls weitere Durchgänge des Ausdünnens folgen. Wenn die Bäume zu stark wachsen und zu dicht werden, entfernt man im Sommer auch Zweige, damit die Früchte besser von der Sonne bestrahlt werden. Auch bei Birnbäumen kann der Fruchtbehang ausgedünnt werden, hier ist es aber weniger wichtig als bei Apfelbäumen.

 

Elstar, linker Baum mit einem durch Alternanz geringen Blütenansatz. Foto:  Markus Hagenlocher, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Elstar, linker Baum mit einem durch Alternanz geringen Blütenansatz.
Foto: Markus Hagenlocher, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Alternanz

 

Durch das Ausdünnen wird übrigens auch die Alternanz vermindert. Denn wenn zur Zeit des Blütenknospenansatzes im Spätsommer zu viele Äpfel am Baum mit dessen Blütenbildung konkurrieren, kann das dazu führen, dass keine oder nur sehr wenig Blütenknospen entstehen und der Baum im Jahr darauf kaum oder gar nicht trägt. Mangels Konkurrenz zu Früchten kann er dann wieder stark Blüten ansetzen und reichlich Früchte bilden, wenn keine Nachtfröste oder andere Wetterkapriolen stören. So kann es dazu kommen, dass Apfelbäume nur in jedem zweiten Jahr tragen, was in Fachkreisen als Alternanz bezeichnet wird. Säulenäpfel neigen besonders stark zur Alternanz, hier sollte daher besonders auf das Ausdünnen geachtet werden, selbst wenn ein dichter Fruchtansatz auf den ersten Blick sehr attraktiv aussieht.

 

Steinobst

 

Eine weitere Gruppe von Obstbäumen, bei denen die Ausdünnung besonders wichtig ist, sind Zwergpfirsiche und -nektarinen. Sie setzen von Natur aus so dicht Früchte an, dass diese klein bleiben, wenig Aroma bilden und vor allem, dass der Neutrieb dieser ja sowieso schon zwergig wachsenden Pflanzen so kurz bleibt, dass er im nächsten Jahr zu wenig Blüten bildet. Auch Zwergpfirsiche und -nektarinen werden daher ausgedünnt, wenn die Früchte etwa so groß wie Walnüsse sind, die verbleibenden Exemplare sollten in etwa 10 Zentimeter Abstand voneinander hängen. Bei stark wachsenden Pfirsichbäumen ist das Ausdünnen weniger wichtig. Wenn der Behang sehr dicht ist, kann er aber ähnlich wie bei Apfelbäumen ausgedünnt werden. Bei Zwetschgen wird bei Bedarf auf 20 30 Früchte pro Meter Fruchtholz ausgedünnt.

(Quelle: IVA-Magazin / iva.de)



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