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Offener Brief


Eine Glosse von Karl-Josef Prüm in „Die frivole Blutbuche“ 1. Auflage 2019


Im Spätsommer 2018 habe ich innerhalb weniger Wochen zweimal das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben gelesen. Zwar bin ich selbst durchaus nicht als Lobhudler der deutschen Forstwirtschaft bekannt, was ich aber an Absurditäten in diesem Buch lesen musste, hat mich doch ein wenig fassungslos gemacht. Da werden Jungbuchen von ihren Müttern gesäugt, was für eine megacoole Kakofonie! Solitärbäume in der Landschaft deklariert er zu Schwächlingen und droht ihnen mit sozialverträglichem Frühableben. Und was bringt der gute Mann aufs Titelbild seines Buches: Eine prächtige alte Soltärbuche in freier Landschaft! Wahrscheinlich hat die gute Buche das Buch des großen Meisters nicht gelesen oder sie hat glatt seine Vorgaben ignoriert. Ich lach mich kaputt. Was für ein köstlicher Quatsch!


Ein wenig lebensgefährlich wird es allerdings, wenn der Meister behauptet, Bäume dürften so hohl sein wie ein Ofenrohr. Das würde ihre Stabilität in keiner Weise beeinträchtigen. Mann, hat der Mann Nerven! Was sagt er wohl der älteren Dame, deren Gatte eines Tages tot unter einem versagten Ofenrohrbaum liegt? Herzliches Beileid doch etwa nicht? Aber vielleicht: Sorry, war nur so eine Idee von mir?
Alles in allem kam ich am Ende der Lektüre nicht umhin, nachfolgende Glosse zu schreiben:

 

 

Offener Brief an Peter Wohlleben (2019)

 

Sehr geehrter Herr Wohlleben,

 

endlich habe ich ihr alles in den Schatten stellende Baumbuch gelesen und ich muss sagen: Ich bin geplättet! Ja geradezu geblättet! Weil Sie der gesamten versammelten Försterschar des Landes einmal so richtig zeigen, wo der Hammer hängt und Ihr sagen: Ihr seid alle Hohlköppe! Wenn Ihr Millionär werden wollt, so müsst Ihr es machen wie ich.

 

Ja, danke dafür, dass Sie die alte Försterweissheit mal wieder auf den Schild gehoben haben, die da lautet: Schön hat es die Forstpartie, denn der Wald wächst auch ohne sie. Durchforstungen? Dummes Zeugs! Holzeinschlag? Verzichtbar! Sägewerke? Sollen sie doch Luft sägen! Und für Ihre Millionenauflagen wurde bestimmt kein einziger Baum geschlagen, nein, die Bücher wurden alle im 3-D-Drucker direkt aus der Cloud gezogen. Und bei Ihren Kamingesprächen, bei denen man sich für ein kleines Entgelt Ihre tollen Weissheiten sozusagen aus erstem Munde ins Ohr flüstern lassen kann, lodert kein Brennholz. Nein, nein, das machen Sie alles mit heißer Luft, direkt aus dem Elektro-Laubbläser, hahaha. Wäre doch gelacht!

 

Schön, dass Sie sich auch zu Dingen äußern, von denen Sie offenbar auch gar keine blassen Schimmer haben. Dass Sie Ihren Leser anvertrauen, eine alte Eiche dürfe so weit ausgefault sein wie ein Ofenrohr, da sei sie immer noch stabil und man müsse sich keine Sorgen machen, werte ich einmal als Zeugnis eines überbordenden Selbstvertrauens. Nun, Ihnen mag es ja auch nichts ausmachen, wenn Ihnen ein Baum auf den Kopf fällt, Sie tragen ja stets einen Schutzhelm. Aber der Bürger Jedermann? Helmpflicht auf der Gartenterrasse? Prima Idee! So kann´s was werden mit dem Wohlleben für alle. Womöglich besitzen Sie ja Aktien von Helmfabrikanten.

 

Da wir gerade beim Geschäftlichen sind. Was ich neben Ihren Buchumsätzen und der Waldakademie vermisse, sind die einschlägigen Assessoires auf der Basis Ihrer überragenden Waldweisheiten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Jutesäckechen als Verhüterli für dauerkopulierende Stieleichen, das Wohlleben-Kondom „Erste Sahne“ für Bäume. Oder Wohllebens Zitzenschoner für endlos säugende Rotbuchenmamis, gerne auch in der Mehrwegpackung. Auch vermisse ich die biologisch abbaubare Ginsterpeitsche für schwer erziehbare Jungbäume. Und erst recht die Anti-Stress-Pastillen für allein erziehende Linden-und Erlenmuttis. Auch die armen, eigenbrötlerischen Solitärbäume warten doch sehnlichst auf die Wohlleben´schen klimaneutralen Psychopastillen auf Kernseifenbasis. Ganz zu schweigen vom ganz großen Wurf: Die geheime Sturmabwehrkanone der Bäume, auch Wohllebens Dicke Berta genannt.

 

Falls die oben aufgeführten Innovationen bislang aus rein logistischen Gründen noch nicht auf den Markt geworfen werden konnten, so erkläre ich hiermit meine Bereitschaft, ab sofort den Europavertrieb für das gesamte oben aufgeführte Sortiment an Qualitätsprodukten zu übernehmen.

 

Beste Grüße
Karl-Josef Prüm

 

 

Die frivole Blutbuche 2. Auflage 2020 (das verrückteste Baumbuch der Welt)


 

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