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Biodiversität und mentale Gesundheit

In Regionen mit mehr Pflanzen- und Vogelarten geht es den Menschen besser


Je höher die Anzahl der Pflanzen- und Vogelarten in einer Region ist, desto gesünder sind die Menschen, die dort leben. Forscher zeigten auch einen positiven Zusammenhang von nahegelegenen Parks und Grünflächen und der psychischen Gesundheit. Foto: Stefan Bernhardt / iDiv
Je höher die Anzahl der Pflanzen- und Vogelarten in einer Region ist, desto gesünder sind die Menschen, die dort leben. Forscher zeigten auch einen positiven Zusammenhang von nahegelegenen Parks und Grünflächen und der psychischen Gesundheit. Foto: Stefan Bernhardt / iDiv

 

(2.4.2021) In Regionen mit einer höheren Vielfalt an Pflanzen- und Vogelarten geht es den Menschen, die dort leben, besser. So lassen sich die Ergebnisse einer Studie unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (SBiK-F) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zusammenfassen, die im Fachmagazin Landscape and Urban Planning veröffentlicht wurde. Den Forschenden zufolge profitiert insbesondere die mentale Gesundheit von einem größeren Artenreichtum, ein direkter Einfluss auf die physische Gesundheit lässt sich hingegen nicht nachweisen.

 

Die Studie, die von Forschenden von iDiv, SBiK-F und der Universität Kiel geleitet wurde, analysierte den Zusammenhang zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit in Deutschland. Die Forschenden unterschieden zwischen der mentalen und der physischen Gesundheit und griffen auf Daten zu fast 15.000 Haushalten und 30.000 Personen zurück, die durch das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) gesammelt wurden. Als Indikatoren für die Biodiversität nutzten sie Daten zur Artenvielfalt von Pflanzen und Vögeln sowie die Populationsdichte von Vögeln.

 

In Landkreisen mit mehr Pflanzen- und Vogelarten geht es den Menschen besser

 

Die Ergebnisse zeigen eine höhere mentale Gesundheit der Menschen in Landkreisen mit einer größeren Vielfalt an Pflanzen- und Vogelarten. „Wenn also eine Person in einem Kreis mit vielen verschiedenen Pflanzen und Vögeln lebt, dann geht es dieser Person im Durchschnitt mental besser als Menschen in Kreisen mit niedrigerer Artenvielfalt“, sagt Erstautor Joel Methorst, der die Studie im Rahmen seiner Promotion bei iDiv, SBiK-F und der Goethe-Universität Frankfurt leitete und nun an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg forscht. Darüber hinaus ließ sich feststellen, dass sich die Nähe zu öffentlichen Parks und Grünflächen positiv auf die Gesundheit auswirkt. Je näher der Park, desto besser geht es auch den Menschen.

Entgegen der Erwartung der Forschenden scheint die Populationsdichte von Vögeln jedoch nicht relevant für die mentale Gesundheit zu sein. „Das könnte daran liegen, dass manche Arten mit hoher Populationszahl wie Tauben, Möwen oder Krähen nicht immer so beliebt in der Bevölkerung sind“, erklärt Joel Methorst.

 

Biodiversität wirkt sich auch indirekt auf die Gesundheit aus

 

Nicht nachweisen ließ sich ein Zusammenhang zwischen der Artenvielfalt und der physischen Gesundheit. Die Forschenden gehen dennoch davon aus, dass es einen indirekten Zusammenhang gibt: Wer gerne in der Natur aktiv ist, um Tiere und Pflanzen zu erleben, kann mit dieser körperlichen Aktivität auch seinen Gesundheitszustand verbessern.

Positive Effekte lassen sich jedoch nicht nur durch ein direktes Erleben der Biodiversität – also ein Ausflug in die Natur oder in den Garten – generieren. Eine Umgebung mit einer höheren Zahl an Pflanzen- und Vogelarten kann sich auch indirekt positiv auf die Gesundheit auswirken, da eine größere Artenvielfalt oft mit besseren Umweltbedingungen korreliert.

 

Naturschutz als Maßnahme der Gesundheitsförderung

 

Einen kausalen Zusammenhang zwischen der Zahl der Arten und der mentalen oder physischen Gesundheit konnten die Forschenden nicht ermitteln. Dazu müssten beispielsweise Daten für verschiedene Zeitpunkte vorhanden sein. Zeitreihen zur Biodiversität in Deutschland sind derzeit jedoch noch nicht verfügbar.

Dennoch lassen sich aus den Untersuchungen wertvolle Schlüsse ziehen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass man Naturschutz durchaus auch als Maßnahme zur Gesundheitsförderung verstehen kann“, sagt Letztautorin Prof. Katrin Rehdanz von der Universität Kiel. „Vor allem Stadtplanung und Grünflächenämter sollten in Biodiversität investieren, um so die Gesundheit der städtischen Bevölkerung zu fördern.“
(Kati Kietzmann, iDiv)

 

Originalpublikation:
Joel Methorst, Aletta Bonn, Melissa Marselle, Katrin Böhning-Gaese, Katrin Rehdanz (2021). Species richness is positively related to mental health – A study for Germany. Landscape and Urban Planning, DOI: 10.1016/j.landurbplan.2021.104084 doi.org/10.1016/j.landurbplan.2021.104084

 

Link
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)





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