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Bedrohte Vielfalt

BUND fordert besseren Schutz für alte Buchenwälder

 

Artenvielfalt: Dickes Totholz im Steigerwald. Foto: Nicola Uhde
Artenvielfalt: Dickes Totholz im Steigerwald. Foto: Nicola Uhde

 

(29.6.2020) Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sorgt sich zum Tag der Buchen-

wälder am 25. Juni um diese bedrohten, für Deutschland jedoch typischen Lebensräume.


„Bund und Länder müssen endlich ihre internationale Verantwortung für diese wertvollen Lebensräume ernst nehmen und besonders alte Buchenwälder besser schützen“, fordert der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. „In Deutschland stünden von Natur aus besonders viele Rotbuchenwälder, damit haben wir eine internationale Verantwortung für den Erhalt dieser vielfältigen Lebensräume – gerade in Zeiten des Artensterbens und des Klimawandels.“ Die unterschiedlichen Buchenwälder beherbergen eine enorme biologische Vielfalt – bis zu 11.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. „Alte, naturnahe Buchenwälder von über 180 Jahren zählen zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde“, erklärt Bandt weiter. „Dabei sind sie wahre Hotspots der Artenvielfalt, die wir dringend erhalten müssen.“

 

Der Verantwortung für die Buchenwälder werden Bund und Länder bislang jedoch nicht gerecht – seit Jahren werden vielerorts zu viele Bäume in zu kurzen Zeitabständen gefällt. „Wir fordern von der öffentlichen Hand einen verantwortungsvolleren Umgang mit den ihnen anvertrauten Buchenwäldern“, so der BUND-Vorsitzende. Infolge jahrzehntelanger intensiver Forstwirtschaft sind viele Buchenwälder so stark aufgelichtet worden, dass sie besonders anfällig für die Folgen der Klimakrise sind. Bandt weiter: „Das Waldsterben ist von Menschenhand gemacht. Sei es der Trockenstress in Folge der Klimakrise oder die Stickstoffemissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft, den Wäldern geht es so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht. In Dürrezeiten verdursten die Bäume regelrecht.“ Nur jede sechste Buche ist laut aktuellem Waldzustandsbericht noch gesund. Die Bundesregierung muss jetzt schnell effektive Klimaschutzmaßnahmen ergreifen sowie Schadstoffemissionen wirksam reduzieren. Ein schonenderer Umgang mit den Wäldern ist längst überfällig, fügt Bandt an: „Bund, Länder und Kommunen müssen einer verkehrten Forstwirtschaft, die die Wälder durch zu starke Eingriffe schwächt und alte Waldbestände systematisch vernichtet, ein Ende bereiten. Die ökologische Waldwende ist überfällig. Wer in Zeiten der Klimakrise Buchenwälder, die über 100 Jahre gewachsen sind, massiv auflichtet, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, diese Wälder zu zerstören.“

 

Alte Rotbuche im Urwald Sababurg. Foto: Nicola Uhde
Alte Rotbuche im Urwald Sababurg. Foto: Nicola Uhde

 

Nach Auffassung des BUND müssen mindestens 10 Prozent der Wälder dauerhaft ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Denn eine intakte Waldwildnis ist ein essentieller Baustein für den Schutz der biologischen Vielfalt. Mit Blick auf den Anteil von Naturwäldern in Deutschland ergänzt Bandt: „Nur 2,8 Prozent Naturwälder ist ein absolutes Armutszeugnis. Deutschland kann sich im globalen Kontext nur dann glaubwürdig für den Erhalt von Regenwäldern einsetzen, wenn es seine Verantwortung für den Schutz der heimischen Buchenwälder ernst nimmt und Waldwildnis eine echte Chance gibt.“

Gerade bei der Ausweisung von Naturwäldern und dem Schutz von alten Buchenwäldern kommt den Bundesländern eine besondere Aufgabe zu. Der BUND-Vorsitzende fordert: „Insbesondere die Länder müssen in den wenigen noch verbliebenen großflächigen Laubmischwäldern endlich dauerhaft auch größere Wälder unter Schutz stellen, vor allem in Bayern durch einen Nationalpark Steigerwald und Teile des Hochspessarts. Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Programm zur Sicherung von Naturwäldern auf den Weg zu bringen, in das Bund, Länder und Kommunen einbezogen werden. Wildnisfonds und Waldklimafonds bieten hier Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung.“

 

Gerade vor dem Hintergrund der Klimakrise fordert der BUND eine sofortige Abkehr von der Nadelholz-Wirtschaft. Der Umbau der Wälder hin zu Laubmischwäldern kann nur gelingen, wenn die natürliche Verjüngung von Laubbäumen eine Chance hat und kleine Buchen aufwachsen können, ohne vom Wild abgefressen zu werden. Dazu Olaf Bandt abschließend: „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel beim Wildtiermanagement und ein waldfreundliches Bundesjagdgesetz. Nur so ist eine Verjüngung aller standortheimischen Baumarten ohne Schutzmaßnahmen möglich.“

 

Zum Erhalt der Buchenwälder und ihrer Artenvielfalt fordert der BUND im Rahmen einer Ökologischen Waldwende konkret:

 

○ Klima schützen und Stickstoffemissionen reduzieren
○ Schonender Umgang und ökologisch verträgliche Waldbewirtschaftung
○ Schutz von Naturwäldern und Waldwildnis
○ Waldumbau durch Naturverjüngung unterstützen, Jagdgesetz waldfreundlich gestalten

 

Erläuterungen: Buchenwälder - deutsche Verantwortungsart Rotbuche
Deutschland ist von Natur aus ein Land der Buchen- und Buchenmischwälder und trägt mit einem Viertel des natürlichen Verbreitungsgebietes weltweit die größte Verantwortung aller Länder für den Erhalt der Europäischen Rotbuche (lat. Fagus sylvatica).
Von Natur aus wären 67 Prozent der Landfläche Deutschlands von Buchenwäldern bedeckt, tatsächlich sind sie jedoch nur noch auf rund acht Prozent des ursprünglichen Verbreitungsareals zu finden (rund 1.680.000 Hektar, etwa 15,2 Prozent der hiesigen Waldfläche). Mit 54 Prozent dominieren Nadelholzbäume die deutschen Wälder, obgleich diese von Natur aus zu über 83 Prozent aus Laubmischwäldern bestehen würden. Für die biologische Vielfalt wichtige Waldentwicklungsphasen wie die Alters- und Zerfallsphasen kommen in den Wäldern hierzulande kaum vor. So liegt der Anteil von Wäldern mit einem Alter von über 160 Jahren bei drei Prozent, 14 Prozent sind älter als 120 Jahre. Bei den ökologisch besonders bedeutsamen Buchenwäldern sind in Deutschland lediglich acht Prozent 160 Jahre oder mehr Jahre alt.
(BUND)


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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

 


 

 

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