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Baumschnitt

Pflege, Herumschnippeln oder Zerstörung?

Baumschnitt: Pflege, Herumschnippeln oder Zerstörung?
Foto: Peter Klug

 

(15.2.2021) Bäume sind schön, sie erfreuen uns Menschen, sie können sehr alt werden, im Sommer bringen sie uns Abkühlung, ... und vieles mehr. Pflanzen und damit Bäume tun etwas, das als Voraussetzung für das Leben auf der Erde bezeichnet wird: Sie sind fähig zur Photosynthese. Mit Hilfe von Sonnenlicht als Energiequelle werden Wasser und Kohlendioxid in energiereiche Kohlenhydrate als primäre Baustoffe und Sauerstoff umgewandelt.

 

Gesunder Baum
Foto: Peter Klug

Ganz klar: Bäume sind wichtig für uns Menschen. Ohne Pflanzen gäbe es auf der Erde kein Leben ...
Wir pflegen unsere Bäume, um langfristig in unserem Siedlungsbereich schöne, vitale und verkehrssichere Bäume zu erhalten. Doch was ist Pflege - oder auch was könnten wir als „Herumschnippeln '' bleiben lassen und was sollten wir absolut nicht zulassen, da es eher als Baumzerstörung zu bezeichnen ist?


Das was wir als fachgerechte Pflege bezeichnen, ist unter anderem in Regelwerken festgelegt. Beim Schneiden von Bäumen gibt es die ZTV-Baumpflege (FLL 2017). Darin wird beschrieben, was als "anerkannte Regeln der Technik" gilt.

Bei heranwachsenden Bäumen gibt es z.B. als Leistung die „Kronenpflege". Diese beinhaltet u. a. die Entfernung von Totholz und von unerwünschten, also langfristig instabilen Entwicklungen wie z. B. sich reibenden oder zu dicht aneinander wachsenden Ästen. Ziel ist, den Baum so zu pflegen, dass er in den Folgejahren stabil heranwachsen kann, langfristig eine typische Kronenform hat, vital und stabil bleibt.


Kappung

Unterschied Pflege - Herumschnippeln - Zerstören
(Definitionen ↗www.duden.de)


Pflege: Behandlung mit den erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung eines guten Zustands


Herumschnippeln: [unfachmännisch] (an jemandem, an etwas) herumschneiden


Zerstören: 1. sehr stark beschädigen und dadurch unbrauchbar, unbenutzbar o. ä. machen
2. zunichtemachen, zugrunde richten; ruinieren

Baum zerstört. Foto: Peter Klug

 

Eingriffsstärke bei Bäumen


Ob ein an Bäumen durchgeführter Schnitt eher als Pflege oder als Schädigung zu beurteilen ist, hat auch mit der Stärke des Eingriffs zu tun. Die Schnittmaßnahmen bzw. die Eingriffe in das Kronengerüst sollten angemessen sein. Eine angemessene Pflege hat das Ziel, den Baum in seiner Entwicklung zu fördern. Zu geringe Eingriffe kann man als „Herum schnippeln" bezeichnen, sie schaden dem Baum nicht. Es handelt sich aber um unnötige Tätigkeiten ohne Sinn und Zweck, es ist eine Verschwendung von Geldern.
Aus zu starken Eingriffen hingegen resultieren beispielsweise nachteilige Entwicklungen wie eine zu starke Bildung von Neuaustrieben oder aber unmittelbare Schäden als Folge von zu großen Verletzungen. Im schlimmsten Fall wird der Baum damit zerstört.


Praxisbeispiele


Im Folgenden werden einzelne Beispiele zum Kronenschnitt an Bäumen gezeigt. Der Zweck der Beispiele und Erklärungen ist in keiner Weise, irgendjemanden in Verruf zu bringen. Die negativen Beispiele werden einzig und allein deshalb benutzt, um Gesichtspunkte der Kronenschnittmaßnahmen besser zu erklären. Der Zweck ist, allen ein besseres Verständnis zu geben, die sich nicht ausführlich mit dem Thema beschäftigt oder sich damit auseinander gesetzt haben. Durch Herumschnippeln wird Bäumen in keiner Weise geholfen. Durch zu starke Eingriffe werden Bäume zerstört.


Empfehlungen


Die Konsequenz ist klar: die Pflege von Bäumen sollte nur ausgebildeten Fachkräften überlassen werden. Bei einer größeren Anzahl von Pflegemaßnahmen an Bäumen empfehlen wir eine förmliche Abnahme der Schnittmaßnahmen. Die sorgfältige Abnahme ist die beste Unterstützung von Baumpflegefirmen, die fachlich hervorragende Baumpflegearbeiten erledigen. Baumkontrollen und Baumpflegemaßnahmen sollten durch unterschiedliche Firmen erledigt werden.

 

Beispiel Ahorn
Ca. 35 Jahre alt, Erwachsener Baum, Standort zwischen Straße und Wohnhaus; Abstand ausreichend.

 

Kronen Ahorn

Im Frühjahr 2019 wurde die stabile Krone gestummelt (Foto links). Es gab keinerlei Notwendigkeit dazu. Das stabile Kronengerüst wurde reduziert. Ergebnis 2020 (Foto rechts): Zahlreiche Neuaustriebe und eine instabile Krone. Es wird notwendig sein, hier nachzuschneiden, will man langfristig einen stabilen Baum. Fotos: Peter Klug


Beurteilung:
Das Ganze ist als Herumschnippeln und eher als Schädigung und Geldverschwendung zu bewerten. Die Maßnahme ist weder sinnvoll noch unterstützt sie den Baum in seiner Entwicklung, eine stabile Krone aufzubauen. Es entstehen hohe Folgekosten.

 

Herumschnippeln statt Pflege

Herumschnippeln statt Pflege Herumschnippel Ast ausgerissen

Es ist besser, einzelne Äste unter 5 cm Durchmesser ganz zu entfernen als derartige unnötige Schnitte zu machen.

Der Ast ist ausgerissen. Hier ist mit einem Blick zu erkennen, dass der Sägebesitzer sein Handwerk nicht beherrscht und deshalb auch nicht an Bäumen herumschneiden sollte. Fotos: Peter Klug

 

Baumerhaltende Pflegemaßnahmen

 

Baumerhaltend:
Einkürzungen auf Versorgungsast

Baumerhaltend:
Schnitte unter 5-10 cm

Baumerhaltende Pflegemaßnahmen

Einkürzungen werden auf einen Zug- bzw. Versorgungsast geschnitten, um die Versorgung des Astes zu gewährleisten. Die Wunde kann abgeschottet und überwallt werden.

Schnittflächen von 5-10 cm Durchmesser können vom Baum abgeschottet und überwallt werden. Größere Schnitte sind nur in Ausnahmefällen mit berechtigten Gründen zulässig. Fotos: Peter Klug

 

Fördern des stabilen Kronenaufbaus beim heranwachsenden Baum

Einkürzungen unter bestmöglicher Berücksichtigung der äußeren Erscheinungsform

Förderung Kronenaufbau

Das Ziel der Baumpflegemaßnahmen an heranwachsenden Bäumen ist, sie an begrenzte Raumverhältnisse wie r: B. Straßen anzupassen. Des Weiteren werden statisch ungünstige Entwicklungen beseitigt, um den Baum darin zu fördern, eine stabile Krone aufzubauen. (Fachbegriff „Kronenpflege").

Kroneneinkürzungen sind zu begründen. Bäume haben auch danach noch einen zur Art passenden Habitus ( und sehen aus wie Bäume). Auch bei Einkürzungen wird auf Versorgungsast geschnitten (im Foto eine leichte Kroneneinkürzung).
Fotos: Peter Klug

 

Baumzerstörend: Kappungen

 

Baumzerstörend: Kappungen
Foto: Peter Klug

 

„Eine Kappung ist ein umfangreiches, baumzerstörendes Absetzen der Krone ohne Schneiden auf Zugast und ohne Rücksicht auf Habitus und physiologische Erfordernisse. Anmerkung: Keine fachgerechte Maßnahme, entspricht nicht dem Stand der Technik" (Zitat ZTV-Baumpflege, 2017)

 

Baumzerstörend: Kappungen

Kappungen

Kappungen haben zahlreiche nachteilige Folgen: dem Baum wird eine hohe Blattmasse entnommen, Kappstellen sterben oft ab, seitlich entstehen instabile, nach oben wachsende Triebe (sogenannte Ständer).

Große Schnittstellen werden von holzzersetzenden Pilzen befallen, die das Holz und damit die Stabilität zerstören.

Kappungen

Die neben den Kappungsstellen entstehenden Triebe (Ständer) werden zunehmend zu einem Risiko und können ausbrechen.

Kappungen bringen das natürliche Gleichgewicht des Baumes durcheinander. Dies verursacht aufwändige Pflegemaßnahmen, die oft das Mehrfache der normalen Pflegekosten übersteigen. Fotos: Peter Klug

 

Baumzerstörende Schnitte

 

Stummelschnitte
Foto: Peter Klug

 

Baumzerstörend: Stummelschnitte
Bei Stummelschnitten oder Kappungen (s. u.) haben Äste keine Knospen oder Blätter mehr und sind deshalb in „Gefahr«. Um bestehen zu können, müssen sie sofort neue Triebe bilden, die meist statisch ungünstig wachsen.

 

Baumzerstörend: Starkastschnitte

Starkastschnitte

(links) Bei Starkastschnitten (Schnittflächen> 10 cm Durchmesser) ist das Risiko langfristiger Fäule äußerst hoch. Die Bäume sind dadurch meist erheblich geschädigt. (rechts) Die Folge von Starkastschnitten ist, dass holzzersetzende Pilze eindringen, die das Holz zerstören und damit nach einigen Jahren die Bruchfestigkeit und damit den Baum gefährden. Fotos: Peter Klug

 

 

Peter Klug, 2021
Diplom-Forstwirt, v. RP FR ö.b.v. Sachverständiger für Baumpflege - Verkehrssicherheit von Bäumen - Gehölzwertermittlung

 

Texte z.T. aus:
KLUG, P. (2021): Praxis Baumpflege - Kronenschnitt an Bäumen. Arbus Verlag, Gammelshausen. 4. Auflage, 236 S.

Weitere Informationen
FLL (2017): ZTV-Baumpflege - Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege.
Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V., Bonn
KLUG, P. (Hrsg.) (2020): Arbolex Web-App - Baumpflege-Lexikon. Arbus Verlag, Gammelshausen. www.arbolex.de

 

Link
Arbus Sachverständigenbüro Peter Klug

 

 

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