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Die Folgen der Sommerdürre 2018

Forschungsteam untersucht Auswirkungen auf Pflanzen, Wälder und Grasland

 

Die Folgen der Sommerdürre 2018

Foto: adege, Pixabay

 

(5.10.2020) Die Sommerdürre, die 2018 Mittel- und Nordeuropa heimsuchte, hatte schwerwiegende Auswirkungen auf Nutzpflanzen, Wälder und Grasland. Forscherinnen und Forscher der Europäischen Forschungsinfrastruktur Integrated Carbon Observation System (ICOS), darunter auch von der Universität Göttingen, zeigen, welche Auswirkungen dies hatte und welche Lehren daraus zu ziehen sind. Die Ergebnisse von 16 Teilstudien sind als Sonderausgabe in der Fachzeitschrift Philosophical Transactions erschienen.

 

Die interdisziplinären Teams beleuchten in den Studien verschiedene Aspekte. Unter anderem fanden sie heraus, dass die Pflanzen zunächst von den warmen und sonnigen Bedingungen im Frühling profitierten, aber zu wenig Wasser für ihre Wurzeln zur Verfügung hatten, als die sommerliche Hitzewelle einsetzte. Als Folge begannen Graslandflächen zu vertrocknen und zahlreiche Ackerflächen verzeichneten die niedrigsten Erträge seit Jahrzehnten. Die Wälder schützten sich, indem sie ihre Verdunstung für mehrere Wochen stark reduzierten,

Prof. Dr. Alexander Knohl. Foto: Christoph Mischke/Universität Göttingen
Prof. Dr. Alexander Knohl.
Foto: Christoph Mischke/Universität Göttingen

was aber gleichzeitig zu einer starken Abnahme der Kohlendioxid-Aufnahme führte. Solche Auswirkungen wurden gleichzeitig von der Schweiz bis in die Beneluxländer und Deutschland sowie von der Tschechischen Republik bis nach Schweden und Finnland beobachtet.

 

Die Abteilung Bioklimatologie der Fakultät für Forstwissen-

schaften und Waldökologie der Universität Göttingen ist mit einem meteorologischen Messsturm im Nationalpark Hainich an ICOS beteiligt. An dem Turm wird seit 20 Jahren kontinuierlich mit einer Auflösung von 30 Minuten der Kohlendioxid (CO2)- und Wasserdampf-Austausch zwischen Wald und Atmosphäre gemessen. Die Daten aus dem Europäischen Vergleich zeigen, dass die untersuchte Fläche eine derjenigen ist, die am stärksten von der Trockenheit 2018 betroffen war. „Im Jahr 2018 war die CO2--Aufnahme über das ganze Jahr gerechnet etwa 30 Prozent niedriger als im Mittel der vergangenen 20 Jahre“, sagt Abteilungsleiter Prof. Dr. Alexander Knohl. „An einigen Tagen im Sommer 2018 hat der Wald statt Kohlendioxid aufzunehmen, Kohlendioxid abgeben“, ergänzt Dr. Lukas Siebicke. „Das hat es in den vergangenen 20 Jahren noch nie gegeben.“

 

Den Messungen am meteorologischen Turm im Nationalpark Hainich kommt international eine große wissenschaftliche Bedeutung zu, da es sich um eine der weltweit längsten Messzeitreihen sowie um einen der ältesten nicht-bewirtschaften Waldbestände handelt, in dem solche kontinuierlichen Messungen des Kohlendioxid- und Wasserdampf-Austausches stattfinden.

 

Am Messturm wird seit 20 Jahren kontinuierlich mit einer Auflösung von 30 Minuten der Kohlendioxid- und Wasserdampf-Austausch zwischen Wald und Atmosphäre gemessen. Foto: Alexander Knohl
Am Messturm wird seit 20 Jahren kontinuierlich mit einer Auflösung von 30 Minuten der Kohlendioxid- und Wasserdampf-Austausch zwischen Wald und Atmosphäre gemessen. Foto: Alexander Knohl

 

ICOS ist eine Europäische Forschungsinfrastruktur für die Erfassung der Kohlendioxid-Flüsse zwischen Land, Ozean und Atmosphäre. Europaweit sind 140 Messstationen in zwölf Ländern beteiligt. ICOS-Stationen durchlaufen ein rigoroses Qualitätssicherungsverfahren und liefern standardisierte Daten, die für Forschung, Lehre und Anwendung frei verfügbar sind. ICOS liefert essentielle Daten für die Weltklimaberichte sowie für Entscheidungsträgerinnen und -träger im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention.
(pug)

 

Originalveröffentlichung:
Wouter Peters et al. Impacts of the 2018 severe drought and heatwave in Europe: from site to continental scale Philosophical Transcations (2020). Doi: org/toc/rstb/375/1810

 

Link
Universität Göttingen

Integrated Carbon Observation System (ICOS)





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