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Hitzesommer 2015

Grüne Infrastruktur wichtiger denn je

Baumpflege
Foto: pixabay.com / CC0 1.0

 

(1.9.2015) Der Sommer 2015 hatte einiges zu bieten: Hitze, längere Trockenzeiten, Starkregen, Gewitter mit Hagel... Anfang Juli gab es gleich in mehreren Städten Deutschlands Hitzerekorde mit Temperaturen über 40 Grad Celsius. Vor allem in Städten zeigen sich hier Vorboten eines Klimas, das wir in Zukunft regelmäßig erleben werden. Typische Phänomene des Stadtklimas sind neben der Belastung der Luft mit Schadstoffen vor allem erhöhte Luft- und Oberflächentemperaturen sowie veränderte Wind- und Niederschlagsverhältnisse. Diese Klimafaktoren stellen besonders für ältere Menschen eine Belastung dar und können die Lebensqualität wesentlich einschränken. Als Sommertage bezeichnen Meteorologen Tage mit einer Maximaltemperatur von mehr als 25 Grad. In Hamburg sollen beispielsweise bis zur Mitte dieses Jahrhunderts nach jüngsten Klimaprognosen die Zahl der Sommertage auf bis zu 29 pro Jahr ansteigen. Es wird demnach sogar bis zu zehn sogenannte Hitzetage pro Jahr geben, an denen die Tageshöchsttemperatur über 30 Grad hinaus geht. Tropennächte, in denen die Lufttemperatur nicht unter 20 Grad sinkt, soll es in Hamburg dann bis zu fünf pro Jahr geben. Dabei ist die Situation in Hamburg aufgrund der Nähe zur Nordsee und den großen innerstädtischen Wasserflächen noch relativ gut. Deutlich höher ist die Anzahl der Belastungstage in Städten wie Stuttgart oder Karlsruhe, wo die erwarteten Werte durch die Topografie und die geografische Lage, das häufige Auftreten austauscharmer Wetterlagen sowie einem insgesamt höheren Temperaturniveau deutlich höher liegen.

 

Stadtgrün
Vor allem in Innenstädten mit einem hohen Grad an Versiegelung sind Grünflächen wirksame Instrumente zur Stadtklimatologie und beeinflussen die direkte Umgebung in mikroklimatischer Sicht positiv. Foto: BdB

Instrumente der Stadtklimatologie

Grünflächen sind klimawirksame Ausgleichsräume und können als Kaltluftproduzenten über Flurwinde die Wärmebelastung in den Siedlungsflächen verringern. Vor allem in Innenstädten mit einem hohen Grad an Versiegelung sind Grünflächen wirksame Instrumente zur Stadtklimatologie und beeinflussen die direkte Umgebung in mikroklimatischer Sicht positiv. Optimal ist es, wenn Städte über Netze von miteinander verbundenen Grünarealen verfügen, die als grüne Trittsteine das Eindringen von Kaltluft in die Bebauung unterstützen. Wenngleich kleinere Grünflächen nur eine räumlich begrenzte Wirkung zeigen, können sie als Grünsystem wesentlich zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Problematisch ist die Situation vor allem in Stadtteilen mit mangelnder Durchlüftung und hoher Wärmebelastung. Mit dem Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind bundesweit Kommunen gefordert, Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu beschließen und umzusetzen. Einige übergreifende Empfehlungen verstehen sich als Rahmen für die Festlegung von Maßnahmen zur Verringerung der Wärmebelastung im öffentlichen Raum der Städte:

 

• Verbesserung der Durchlüftung und Erhöhung des Vegetationsanteils
• Verbesserung der wohnungsnahen Grünflächenversorgung
• Straßenbäume erhalten und Lücken schließen
• Erhalt von Freiflächen
• Reduzierung/Vermeidung von Emissionen
• Entsiegelung von Plätzen und Fahrbahnen
• Dach- und Fassadenbegrünung sowie Begrünung von Blockinnenhö
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Die Hinweise zielen vor allem darauf ab, das Wassermanagement zu optimieren und die natürliche Verdunstung zu fördern, durch zusätzliche Verschattung die Aufenthaltsqualität im Freien zu steigern und andererseits den Gebäudebestand hitzeangepasst zu gestalten.

 

Grün ist Leben

Nordrhein-Westfalen hat schon 2012 mit dem Leitfaden „Urbanes Grün in der integrierten Stadtentwicklung" deutlich auf die besondere Rolle von Grünflächen in Städten hingewiesen und positive Beispiele vorgestellt. Auch andere Bundesländer haben inzwischen ähnliche Leitfäden herausgegeben. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Klimafragen. Anzahl, Gestaltung und Pflegezustand von Grün- und Freiflächen beeinflussen zum Beispiel auch die Wohn- und Lebensqualität und sind wesentlicher Baustein der Attraktivität von Städten für Bevölkerung und Wirtschaft.

Mit dem im Sommer 2015 in Berlin vorgestellten „Grünbuch Stadtgrün" hat das federführende Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) nun eine umfassende Bestandsaufnahme der Leistungen von Grünflächen in Städten vorgelegt. Während der Sommertagung 2015 des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. in Garmisch-Partenkirchen wurde intensiv über die Konsequenzen des Grünbuchs diskutiert. BdB-Präsident Helmut Selders: „Wenn der Bund die Bedeutung der Pflanzen und Grünanlagen für die Menschen und die Wirtschaft in unserem Land stärken und hervorheben will, dann muss sich diese Politik auch in der Verpflichtung wiederfinden, bei sämtlichen Baumaßnahmen ‚Grün‘ mitzudenken. Dadurch kann auch der vielbeschworene Gegensatz von Flächenverdichtung und Grünflächen in urbanen Räumen aufgehoben werden. Die grüne Infrastruktur wird dadurch ein bedeutender Teil der grauen Infrastruktur aus Straßen und Gebäuden."

(BdB)

 


 

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