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Marmorierte Baumwanze

Bekämpfung der Wanze durch „exotischen“ Gegenspieler


Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys). Foto: Susan Ellis, Bugwood.org, CC BY 3.0 US
Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys). Foto: Susan Ellis, Bugwood.org, CC BY 3.0 US


(7.5.2020) Seit 2016 ist die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) in Südtirol zu beobachten und ist heute in vielen Gegenden Europas verbreitet. Dieses aus Asien stammende invasive Insekt kann im Obstbau große Schäden verursachen.

 

In ihrem Ursprungsgebiet in Asien wird die Marmorierte Baumwanze von natürlichen Gegenspielern in Schach gehalten. Mittels eines gezielten Monitorings sucht man darum auch in Südtirol nach natürlichen Gegenspielern der Baumwanze. Im Zuge dieses Monitorings haben die Experten des Versuchszentrums Laimburg (Südtirol) in einem Gebiet in dem die Mamorierte Baumwanze besonders häufig zu beobachten ist, die sogenannte Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus) aufgefunden. Im vergangenen Jahr ist im selben Gebiet das Auftreten eines anderen natürlichen Gegenspielers gemeldet worden, Trissolcus mitsukurii, der aus eben jener Gegend kommt, aus der auch die Marmorierte Baumwanze stammt. In der letzten Saison ist diese Wespenart in mehreren Gemeinden im Unterland und im Burggrafenamt aufgetreten. Es handelt sich bei beiden Arten um kleine (ca. 2 mm große) eierfressende Parassitoide, die die Populationen der Marmorierten Baumwanze im Ursprungsgebiet regulieren. Sehr wahrscheinlich sind diese exotischen Gegenspieler über die selben Wege wie die Marmorierte Baumwanze nach Europa gelangt.

 

Maßnahmen zur Regulierung der Marmorierten Baumwanze


Am Versuchszentrum Laimburg wird der Schädling seit 2016 untersucht. Um eine wirksame Bekämpfungsstrate-

gie entwickeln zu können, müssen zuerst Verhalten und Biologie der Wanze studiert werden. Bislang stützen sich die Maßnahmen zur Regulierung von H. halys auf den Einsatz chemischer Insektizide und die Verwendung von Insektenschutznetzen. Langfristig sind jedoch nachhaltigere Strategien, wie die biologische Bekämpfung mittels eines natürlichen Gegenspielers, notwendig. In Asien wird die Marmorierte Baumwanze durch bestimmte Parasi-

toide in Schach gehalten. Durch die Einführung dieser Parasitoide aus dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Schädlings in Asien könnte die Populationsdichte von H. halys verringert werden. Erste Laborversuche haben gezeigt, dass etwa die sog. Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus), eine sehr kleine Wespenart, 90 % bis 100 % der Eier von H. halys parasitiert.

 

Freisetzung und Nachzucht der Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus)

 

Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus). Foto: Versuchszentrum Laimburg
Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus).
Foto: Versuchszentrum Laimburg

Im Sommer 2020 soll dieser natürliche Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze in Südtirol freigesetzt werden, um die Ansiedlung des Parasitoiden im Land zu fördern.
Ab Mai 2020 ist nun in Italien die Nachzucht jenes T. japonicus-Stamms erlaubt, der vom nationalen Forschungsinstitut CREA an die dazu ermächtigten „Züchtungsinstitutionen“ weitergegeben wird. In Südtirol ist das Versuchszentrum Laimburg mit der Nachzucht der Samurai-Wespe beauftragt worden.

 

Sammlung Marmorierter Baumwanzen für die Trissolcus-Zucht

 

Für die Vermehrung der Samurai-Wespe benötigt das Versuchszentrum Laimburg dringend Marmorierte Baumwanzen. In diesen Wochen kommen die Baum-

wanzen aus der Überwinterung und werden aktiv.
Darum wird die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen: Wer Gegenden kennt, in denen besonders viele Individuen der Marmorierten Baumwanze vorkommen (> 30 lebendige Individuen), ist gebeten, dies dem ↗Versuchszentrum Laimburg zu melden. Die Mitarbeiter des Versuchszentrums kümmern sich um die Abholung der Wanzen.
Diese Wanzen werden am Versuchszentrum Laimburg weiter gezüchtet, damit sie Eigelege produzieren, die wiederum für die Vermehrung des T. japonicus nötig sind. Je mehr Eier der Marmorierten Baumwanze zur Verfügung stehen, umso größer wird die Anzahl vermehrter Parasitoide, die zur Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze im Feld freigesetzt werden können.
(jr / red)

 

Link zu diesem Thema:
Versuchszentrum Laimburg



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