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Gesunde Bäume für ein gutes Stadtklima und Wohlbefinden

Welche Maßnahmen verbessern die Qualität von Baumstandorten nachhaltig?

 

Zu kleine und dazu verdichtete Baumscheibe. Foto: Horst Schunk, Coburg
Foto: Horst Schunk

 

(4.5.2020) Große Bäume in Städten fördern die Artenvielfalt und reinigen die Luft. Durch Stressfaktoren wie Trockenheit oder Schadstoffe werden sie jedoch geschwächt. Diese Bäume müssen oft viel früher durch junge Bäume ersetzt werden, die lange nicht dasselbe leisten können.

 

Ausschlaggebend für gesunde Bäume ist die Qualität des Standortes, die in Städten häufig schlecht ist. Häufig so schlecht, dass sich die Lebensspanne der Bäume deutlich verkürzt. Zwar existieren Maßnahmen, um die Standortqualität zu verbessern. Ihr wissenschaftlicher Nachweis hinsichtlich Wirksamkeit oder Nachhaltigkeit fehlt aber meistens. Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (↗HAWK) plant in Zusammenarbeit mit 15 Unternehmen, mehrere Verfahren auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (↗ DBU) fördert das Projekt fachlich und finanziell mit 355.000 Euro.

 

Vorteile der "Stadtnatur"

 

In ausreichender Menge begünstigten Bäume in Städten das Klima, die Artenvielfalt und das menschliche Wohlbefinden. Stadttypische Faktoren jedoch, wie Bodenverdichtung und Bodenversiegelung, Trockenheit, Streusalz oder Schadstoffe, beeinträchtigen und schwächen die Bäume, machen sie anfälliger für Krankheitserreger. Im Schnitt liegt die potenzielle Altersspanne von Stadtbäumen deswegen nur bei etwa der Hälfte, bei Straßenbäumen sogar nur bei 25 Prozent im Vergleich zu anderen Bäumen derselben Art

 

Austauschen ist keine Lösung

 

Wird ein Baum vorzeitig gefällt, verdunstet weniger Wasser und es verstärkt sich der sogenannte Wärmeinseleffekt, also erhöhte Temperatur in der Nähe des Bodens. Bis ein neu gepflanzter Baum diese Funktion übernehmen kann, dauert es Jahrzehnte. Zudem ist das Wachstum der Stadtbäume auf Grund der schlechten Bedingungen vor Ort verlangsamt, wodurch es noch länger dauert, den Verlust zu ersetzen. Der voranschreitende Klimawandel verschärft diese Probleme durch Wetterextreme wie Trockenheit oder heftige Stürme zusätzlich.

 

Eine Methode zum Sanieren verdichteter Böden ist es, mit Druckluftlanzen verfestigte Strukturen aufzubrechen. Foto: Katharina Weltecke
Eine Methode zum Sanieren verdichteter Böden ist es, mit Druckluftlanzen verfestigte Strukturen aufzubrechen.
Foto: Katharina Weltecke

 

Qualität der Böden verbessern

 

Um also Bäume möglichst lange gesund zu halten, ist die Qualität des Standortes wichtig. Insbesondere muss der lebensnotwendige Sauerstoff durch den Boden zu Wurzeln gelangen können. Dies ist bei verdichteten Böden nicht oder nur eingeschränkt möglich. "In der Praxis werden verschiedene Verfahren zum Verbessern der Bodenbelüftung angeboten, deren Wirksamkeit, Nachhaltigkeit und Konsequenzen für die Umwelt meistens nicht wissenschaftlich nachgewiesen sind", so Projektleiter Prof. Dr. Thorsten Gaertig. Genau das solle für ausgewählte Maßnahmen mit unterschiedlichen Standortvoraussetzungen untersucht werden.

 

Welches Verfahren unter welchen Bedingungen

 

Drei Optionen zum Sanieren von Belüftungsstörungen sollen im Projekt untersucht werden. Zunächst ein Verfahren, bei dem mit Hilfe von Belüftungslöchern der Gasaustausch zwischen Pflanze und Umwelt verbessert werden soll. Bei der zweiten Maßnahme bricht man mittels Druckluftlanzen, also Geräten, die mit hohem Druck Luft in den Boden schießen, verfestigte Strukturen auf. Es wird geprüft, ob und wo das Verfahren funktioniert. Als dritte Option wird untersucht, ob die Böden durch das Einsetzen von tief und stark wurzelnden Pflanzen saniert werden können. "Im Anschluss an die Untersuchungen werden wir Konzepte zum Sanieren von Bodenschadverdichtung erarbeiten, welche die Kriterien des jeweiligen Standortes berücksichtigen. Außerdem sollen die Ergebnisse für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", sagt Gaertig abschließend.
(DBU / kes)


 

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