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Die Winterlinde – Baum des Jahres 2016

Ökologisch wertvoll und von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung

 

Die Winterlinde ist Baum des Jahres 2015
Foto: N p holmes / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0


(15.10.2015) Die Winterlinde ist der Baum des Jahres 2016. Dies gab Dr. Silvius Wodarz, Präsident der Baum des Jahres Stiftung, am 15. Oktober 2015 in Berlin bekannt. Um die Winterlinde ranken sich viele Lieder, Gedichte und Geschichten. Als Hof- und Dorflinde ist sie ein beliebter Baum bei den Deutschen und die Bienen lieben sie wegen des Nektars. Lindenblüten werden als Tee und Arzneimittel verwendet. Und auch im Wald wird der neue Baum des Jahres in den letzten Jahren wieder vermehrt angebaut. Die Baum des Jahres Stiftung würdigt damit ein Gehölz mit den vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten, der höchsten Wertschätzung und der größten Bedeutung in der Mythologie.

 

 

Die Winderlinde
Baum des Jahres 2016, die Winter-Linde. Foto: Roloff

Zwei Schwestern

Die Linde - wer kennt und wer liebt sie nicht? Am bekanntesten sind sicherlich die beiden Schwestern: die starkwüchsige Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) und die etwas zierlichere Winter-Linde. Bereits im Jahr 1991 war die Sommer-Linde einer der ersten Bäume des Jahres. Der auch für Nicht-Fachleute augenfällige Unterschied zwischen den beiden Gehölzen liegt in deren Wuchshöhe und in der Form der Blätter. Die Winter-Linde wird nur etwa 15 bis 25 Meter hoch, Sommer-Linden hingegen können über 40 Meter hoch wachsen. Ihre großen Blätter und ihr hoher Wuchs geben so viel Schatten, dass diese Bäume früher häufig an Dorfplätzen oder kultischen Orten angepflanzt wurden. Die Blätter der Sommer-Linde sind herzförmig und bis zu zwölf Zentimeter lang, die der Winter-Linde im Umriss fast kreisrund. Die Krone der Winter-Linde hat die Form eines Herzens mit der Spitze nach oben und ist ein beliebter Lebensraum von Vögeln, Pilzen und der Laubholzmistel. Mit ihrer leuchtend goldgelben Herbstfärbung ist sie der Schmuck vieler Gärten und Parks.

 

die 12 apostellinde
Die Zwölf-Apostel-Linde in Gehrden, Kreis Höxter, NRW.
Foto: Rainer Lippert / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

In nahezu ganz Europa verbreitet
Das Heimatareal der Winter-Linde erstreckt sich über fast ganz Europa - im hohen Norden gibt es sie nicht. Die „Geschwister" unterscheiden sich durch ihre Ansprüche an Licht, Wasser, Wärme und Nährstoffe. Grundsätzlich ist die Sommer-Linde die anspruchsvollere. Der Stamm der Linden kann mehrere Meter dick werden. Als Beispiel sei die "Zwölf-Apostel-Linde" genannt, ein Naturdenkmal in der Ortschaft Gehrden im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen. Die Winter-Linde (Tilia cordata) steht im Garten einer ehemaligen Benediktinerinnen-Abtei. Das Alter der Linde wird mit 400 bis 800 Jahre angegeben. Der Umfang des Stammes beträgt etwa 10 Meter.

Wird eine Winter-Linde gefällt, treibt sie sehr stark aus dem Stock wieder aus. Ihre Blüten öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli und schon von weitem kann man dann ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen.

Linden haben eine hohe Schattentoleranz, die bei der Forstwirtschaft von großer Bedeutung ist, da sie auch unter älteren, großen Bäumen gedeiht. So werden beispielsweise die Stämme von Eichen "ummantelt" und

Blüten
Die Blüten der Winter-Linde öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli und schon von weitem kann man dann ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen. Foto: Roloff

dadurch astfrei gehalten. Das Holz von Winter- und Sommer-Linde ist auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. Es ist hell, weich, relativ leicht und bestens als Schnitzholz geeignet. Darum wurden früher die meisten Altar- und Wandfiguren in Kirchen daraus gefertigt.

 

In Dörfern und Städten

Als Stadtbaum ist die Linde sehr beliebt und geeignet für Alleen, Parkplätze, Parks, Promenaden, Entrees großer Gärten, Fußgängerzonen oder als Hausbaum. Sie ist sehr anspruchslos und tolerant, was den Standort angeht. Linden haben kaum Krankheiten oder Schäden und erreichen ein hohes Lebensalter (bis zu 1.000 Jahre). Ärgerlich kann allerdings der aus Lindenkronen tropfende Honigtau werden. Diese Zuckerwasser-Tröpfchen sind zwar vollkommen unschädlich, machen aber Fahrräder, Autos und Bänke für kurze Zeit klebrig. Der Belag ist jedoch mit Wasser leicht abzuwaschen.

 

Symbol ehelicher Liebe, der Güte, der Gastfreundschaft und Bescheidenheit

Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden und Hoflinden - aber auch Sagen und Gebräuche zeugen

von einer jahrhundertelangen vielseitigen Bedeutung der Bäume in Deutschland. Der häufigste Gasthausname in Deutschland ist heute mit über 1.000 Nennungen immer noch „Zur Linde" und auch zahlreiche Orts- und Personennamen gehen auf die Gehölze zurück. Tanzlinden sind etwas besonders Schönes: In die Krone eines Baumes wurde früher häufig ein Tanzboden eingebaut, den man über Treppen oder Leitern erreichte. Besonders schöne Exemplare, in denen auch heute noch gefeiert wird, stehen in Effelder (Thüringen) und Effeltrich (Bayern). In Limmersdorf (Oberfranken) gibt es sogar ein →Tanzlindenmuseum.

Die Linde ist auch das Symbol ehelicher Liebe, der Güte, der Gastfreundschaft und Bescheidenheit. Diese Bedeutungen sollen u.a. auf die Erzählung von Philemon und Baucis, Gestalten der griechischen Mythologie, zurückgehen. Das alte Ehepaar wünschte sich nichts mehr, als gemeinsam zu sterben, damit keiner von ihnen den Tod des anderen erleben müsse. Zeus erfüllte ihnen diesen Wunsch; als der Tod zu ihnen kam, verwandelte er die beiden in Bäume: Philemon in eine Eiche und Baucis in eine Linde.

(DGS/BdJ/Red)

 

Baum des Jahres

 

 

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Weitere Berichte "rund um den Baum" finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

 

 

Baum des Jahres
bisherige Jahresbäume
Deutschland

1989 Stiel-Eiche
1990 Rotbuche
1991 Sommer-Linde
1992 Berg-Ulme
1993 Speierling
1994 Europäische Eibe
1995 Spitzahorn
1996 Hainbuche
1997 Eberesche
1998 Wild-Birne
1999 Silber-Weide
2000 Sand-Birke
2001 Esche
2002 Gemeiner Wacholder
2003 Schwarz-Erle
2004 Weiß-Tanne
2005 Rosskastanie
2006 Schwarzpappel
2007 Wald-Kiefer
2008 Echte Walnuss
2009 Berg-Ahorn
2010 Vogel-Kirsche
2011 Elsbeere
2012 Europäische Lärche
2013 Holzapfel
2014 Traubeneiche
2015 Feld-Ahorn
2016 Winterlinde
2017 Fichte

2018 Esskastanie

2019 Flatterulme

2020 Robinie

Österreich
In Österreich wird seit 1994 ein Baum des Jahres ausgewählt. Im Gegensatz zur deutschen Auswahl können in Österreich ganze Gattungen ebenso wie einzelne Arten ausgewählt werden. Sogar Gruppen, die biologisch nichts miteinander zu tun haben, wie die Wildobstbäume wurden ausgewählt.

1994 Tannen
1995 Buchen
1996 Linden
1997 Fichten
1998 Schwarzerle
1999 Zirbe
2000 Schwarzkiefer
2001 Eschen
2002 Lärchen
2003 Weiden
2004 Eberesche
2005 Ahorne
2006 Ulmen
2007 Hainbuche
2008 Speierling
2009 Birken
2010 Wildobstbäume
2011 Zirbe
2012 Elsbeere
2013 Eibe
2014 Rotbuche
2015 Weißtanne
2016 Eiche

2017 Wacholder

2018 Pappeln

2019 Hopfenbuche

 

 


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