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Welche Baumarten trotzen dem Klimawandel?

Klimarobuste Wälder sind das Ziel, doch mit welchen Baumarten soll dies erreicht werden?


Förster und Waldbesitzer setzen in den Thüringer Mittelgebirgslagen u. a. auf die Weißtanne (li.). Sie soll dort die Fichte nicht ersetzen, sondern klimastabile Mischbestände bilden, ergänzt um die Buche (Foto: Dr. Horst Sproßmann)
Förster und Waldbesitzer setzen in den Thüringer Mittelgebirgslagen u. a. auf die Weißtanne (li.). Sie soll dort die Fichte nicht ersetzen, sondern klimastabile Mischbestände bilden, ergänzt um die Buche. Foto: Dr. Horst Sproßmann

 

(3.4.2020) Dass der Klimawandel unaufhörlich voranschreitet, lassen eindrucksvoll auch die Trocken-

jahre 2018 und 2019 sowie der weitgehend schneefreie Winter 2020 vermuten. Für Waldbesitzer stellt sich immer dringender die Frage nach der Auswahl geeigneter Baumarten, stehen doch in den nächsten Jahren umfangreiche Wiederaufforstungen und Waldumbauten ungeeigneter Forsten an.

 

Dort sollen idealerweise Baumarten zum Zuge kommen, die die diversen Klimaszenarien im Verlauf dieses Jahrhunderts robust meistern, denn Bäume müssen für Jahrzehnte mit dem Standort auskommen. Schon heute gilt ein Anbaurisiko bei Fichtenreinbeständen auf vielen warm-trockenen Standorten. Aber auch Buchen und Eichen zeigten in solchen Gebieten Schäden, Ulmen und Eschen haben, unabhängig vom Klimawandel, seit vielen Jahren Forstschutzprobleme. Bei vielen Baumarten tragen Klimawandelphänomene zur Vorschädigung bei. ThüringenForst gibt nachfolgend einen Überblick, der auf der Annahme einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von maximal zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit basiert (Pariser Klimaabkommen).

 

Trotz aller Unsicherheit gilt: „Wer streut, rutscht nicht – zumindest weniger“

 

„Auch wenn das Ausmaß der Klimaveränderung nicht exakt vorausgesagt werden kann, ist der Trend zu trocken-warmen Bedingungen und häufigeren Wetterextremereignissen eindeutig und die Prognosen sehr ähnlich“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Für Waldbesitzer kann dies nur heißen, das Baumartenrisiko zu streuen, denn: „Wer streut, rutscht nicht – zumindest weniger!“. Naturnaher Waldbau und Waldumbau hin zu gemischten, gestuften, ungleichaltrigen und genetisch vielfältigen Wäldern sind für Gebhardt geeignete Prinzipien. Dabei sollte das Augenmerk auf die Anpassungsfähigkeit der Wälder gelegt werden. Dazu gehört nach Gebhardt ausdrücklich, dass neben einheimischen Baumarten in vielfach geringerem Umfang auch andere Herkünfte heimischer Baumarten sowie alternative Baumarten Verwendung finden können. Insbesondere Herkünfte aus Süd-Ost-Europa sowie nahe Verwandte zu einheimischen Arten und Arten aus den europäischen-asiatischen Randgebieten.

 

Nach Gebhardt sind Thüringer Waldbesitzer gut beraten, eine abgestufte Vorgehensweise zu wählen. In einem ersten Schritt sollten hauptsächlich heimische Baumarten in ihrer bisherigen Verbreitung im Freistaat künftig einer Anbauempfehlung folgend verschoben und der naturnahe Waldbau fortgesetzt werden. So wird die Fichte im Bergmischwald voraussichtlich auch zum Ende dieses Jahrhunderts in den Hoch- und Kammlagen des Thüringer Waldes gedeihen, aber definitiv nicht in Reinbeständen in den unteren und hügeligen Lagen Nord-, Ost- und Westthüringens. In einem zweiten Schritt sollten seltene heimische Baumarten gestärkt werden. Speierling, Elsbeere, Spitz- und Bergahorn oder Wildobst ertragen, wissenschaftlich gesichert, standörtlich wie klimatisch die künftigen Temperaturszenarien. In einem dritten Schritt sollten Waldbesitzer auf alternative Herkünfte heimischer Baumarten zurückgreifen. So ist bekannt, dass es von der Weißtanne trockenresistentere Herkünfte aus Südosteuropa gibt, die derzeit von ThüringenForst in Ostthüringen versuchsweise angebaut werden. Und erst in einem vierten und letzten Schritt empfiehlt Gebhardt den Waldbesitzern, auf hinreichend geprüfte alternative Baumarten wie etwa Douglasie, Schwarzkiefer, Küsten- und Edeltanne, Robinie oder Roteiche zurückzugreifen. Der Anbau von Hemlocktanne, Silberlinde, Orientbuche, Libanonzeder, Blauglockenbaum oder Sitkafichte ist derzeit hingegen mit einem großen Risiko verbunden. Hier sind die Anbauversuche der Landesforstanstalt bis Mitte dieses Jahrhunderts abzuwarten.

 

Die konkrete Baumartenwahl trifft nach Thüringer Waldgesetz der Waldbesitzer

 

„Ob heimisch, selten, mit geänderter Herkunft oder als Alternativbaumart – die konkrete Baumartenwahl trifft nach Thüringer Waldgesetz der Waldbesitzer“, so Gebhardt abschließend. Der Wissensstand zu geeignet erscheinenden Baumarten nimmt Dank Forstforschung stetig zu, wie auch die Vorbehalte gegenüber einzelnen Baumarten. Zu Aktionismus und nicht wissenschaftlich begleiteten Experimenten seitens der Thüringer Waldbesitzer besteht nach aktuellem Wissen kein Anlass. Mag der Klimawandel schwierig prognostizierbar sein, was wir an unseren heimischen Bäumen haben, ist für die Waldbesitzer eine solide Entscheidungsgrundlage. Häufig vergessen werden leider oft die ökologisch wertvollen heimischen Pionierbaumarten wie Birke, Pappel, Weide und Erle, obwohl gerade sie schwierige Freilandbedingungen gewohnt sind.

(Dr. Horst Sproßmann)

 

Weitere Informationen

ThüringenForst


 

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