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Was treibt Waldbäume in den Trockenstress?

Mehrere Faktoren setzen den heimischen Waldbäumen zu


Trockenheit im Wald ist nicht so offensichtlich erkennbar wie auf dem Acker – sie wirkt aber gleichermaßen verheerend. Foto: Dr. Horst Sproßmann
Trockenheit im Wald ist nicht so offensichtlich erkennbar wie auf dem Acker, sie wirkt aber gleichermaßen verheerend. Foto: Dr. Horst Sproßmann


(29.5.2020) Viele Wälder in Thü̈ringen leiden unter Trockenstress. Dieser Belastungszustand für das heimische Waldgrün wird in erster Linie durch Wassermangel verursacht. Dies haben die Witterungs-

verläufe der Jahre 2018 und 2019, wie auch des Frühjahrs 2020 eindrucksvoll bewiesen.

 

Aber auch andere Faktoren wirken zusätzlich belastend auf das Phänomen „Trockenstress der Bäume“ ein und zeigen, wie Komplex das Ursache-Wirkung-Prinzip im Ökosystem Wald ist. So spielen Jahreszeit, Durchschnitts-

temperaturen und Trockenheitsdauer, Vorschädigung und Alter der Wälder, selbst das Pflanzungsverfahren und natürlich die Genetik des Einzelbaumes selbst eine Rolle. Für Waldbesitzer und Förster keine leichte Aufgabe, hieraus sichere Schlussfolgerungen für die Wälder der Zukunft zu ziehen. „Deshalb ist das Prinzip des Dauer-

mischwaldes, einem aus mehreren verschiedenen, klimastabilen Baumarten verschiedenen Alters bestehender Wald, so wichtig“, sagt Volker Gebhardt, ↗ThüringenForst-Vorstand.

 

Nicht nur fehlendes Bodenwasser macht dem Baum Stress

 

Trockenheit ist insbesondere im Frühjahr, wenn die Vegetation startet und besonders dringlich auf eine ausrei-

chende Wasserversorgung angewiesen ist, kritisch. Ebenso im Sommer, wenn im Jahresverlauf maximale Tages-

temperaturen über einen längeren Zeitraum erreicht werden. Dabei können viele Baumarten durchaus vier bis sechs Wochen „Trockenheit“ ertragen. Ist die Trockenheit dagegen über mehrere Monate ausgeprägt, wird es kritisch. Dies umso mehr, wenn der Einzelbaum ggf. unter einer Vorschädigung litt, etwa einem trockenen Vor-

jahr. Auch können Hitze, hohe UV-Strahlung, Südhangexposition und zusätzlich austrocknende Winde, aber auch Fröste die negative Wirkung von Trockenphasen deutlich verstärken. Der Baumstandort prägt ganz beson-

ders das Wachstum des Einzelbaums. So beeinflusst die Bodenart das Wurzelwachstum des Baumes positiv wie negativ, aber auch die Verfügbarkeit des Bodenwassers – eindrucksvoll auf waldbestockten Kalkböden zu sehen. Grundsätzlich wirkt Trockenheit besonders kritisch auf junge Bäume, was derzeit an vielen Forstkulturen abzulesen ist. Insbesondere Frühjahrskulturen leiden unter Ausfällen von bis zu 90 %. Förster wechseln deshalb oft auf die Herbstaufforstung, oder nutzen, wo örtlich sinnvoll, die Naturverjüngung oder die Saat. Derart aufge-

wachsene Bäumchen bilden eine vitalere Bewurzelung aus und die Chance, Bodenwasser zu finden, steigt. Alle drei Verjüngungsverfahren werden in Thüringen, ausgerichtet am Einzelfall, angewendet.

 

Baumart und Herkunft beeinflussen ebenfalls den Trockenstress

 

Mit trockenheitsstabileren Baumarten, wie etwa Stiel- und Traubeneiche, Feldahorn, Hainbuche, Winterlinde, Wildobstarten, Nussbaumarten oder auch Weißtanne, Douglasie oder Lärche stehen einige langjährig angebau-

te Holzgewächse zur Verfügung. Aber nicht nur die Art, auch die Herkunft spielt eine Rolle: So unterhält Thürin-

genForst einen Anbauversuch mit rumänischen Weißtannen, unserer heimischen Weißtanne sehr ähnlich, aber noch trockenheitsrobuster. Gleichzeitig wird damit auch deutlich, dass für den flächigen Anbau trockenheitser-

tragender Exoten im Freistaat, wie etwa Libanon-Zeder, Orientbuche oder Hemlocktanne, derzeit keine Voraus-

setzungen bestehen. Diese Baumarten befinden sich in Thüringen in Versuchserprobung, die über die nächsten Jahrzehnte einzig der wissenschaftlichen Sammlung von Anbauerfahrungen gilt. „Damit wird deutlich, dass das Phänomen „Trockenstress“ -als eine Folge des Klimawandels- nicht nur unter komplexen Bedingungen auf den einzelnen Baum wirkt, sondern auch wohl abgewogene waldbauliche Entscheidungen in der Praxis erfordert“, so Gebhardt abschließend.
(Dr. Horst Sproßmann, ThüringenForst)





 

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