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Der Borkenkäfer schläft nicht

Österreichische Bundesforste gehen auf Borkenkäfer-Fang

 

Fraßbild Borkenkäfer
Foto: ÖBf-Archiv/J. Markovsky

 

 

Buchdrucker
Der Buchdrucker (Ips typographus) aus der Familie der Borkenkäfer.
ÖBf-Archiv/J. Markovsky
Fraßspuren
Fraßspuren von Borkenkäfern.
ÖBf-Archiv
Befallene Bäume
Befallene Bäume sind an ihren rötlich gefärbten Nadeln rasch zu erkennen.
ÖBf-Archiv/J. Markovsky
Schlitzfallen
Förster kontrolliert Borkenkäferfalle.
ÖBf-Archiv/J. Haijes
gefangene käfer
Borkenkäfer in Schlitzfalle.
ÖBf-Archiv/W. Simlinger
Netzfalle
Netzfalle zur Borkenkäferprävention.
ÖBf-Archiv
Drohne
Drohnen-Technologie zur Früherkennung von Borkenkäferbefall.
ÖBf-Archiv/T. Weissnar
Fangbäume
Fangbäume zur Borkenkäferprävention.
ÖBf-Archiv

(21.5.2016) Warme Witterungsverhältnisse und milde Winter in Kombination mit Schadereignissen wie Windwurf oder Schneebrüche lassen den Wald zum Borkenkäfer-Paradies werden. Mit Beginn der warmen Jahreszeit startet auch die Borkenkäfer-Saison, da die Insekten nun zu schwärmen beginnen.

Der Buchdrucker aus der Familie der Borkenkäfer gilt als wichtigster Waldschädling in Österreich, da er Österreichs Hauptbaumart, die Fichte, befällt. „Bei guten Bedingungen breiten sich die nur wenige Millimeter großen Tiere in Windeseile aus und bringen Bäume in kürzester Zeit zum Absterben“, erklärt Rudolf Freidhager, Vorstand der →Österreichischen Bundesforste (ÖBf). „Die warme Witterung der letzten Monate und der milde Winter begünstigen die Verbreitung des Borkenkäfers“, zeigt sich Freidhager kritisch, „wir müssen heuer besonders auf der Hut sein und eine Ausbreitung des Käfers mit allen Mitteln verhindern.“ Dazu haben die Bundesforste ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Früherkennung entwickelt. „Drei Millionen investieren wir heuer allein in den Käferschutz“, rechnet Freidhager vor. „Auch insgesamt werden die Aufwendungen für Waldpflege mit rund 10,5 Millionen Euro im heurigen Jahr hoch bleiben.“

 

 

Frühwarnaktion: 12.000 Fangbäume ausgelegt

Umfassende Vorsorge und rasches Handeln sind ein Gebot der Stunde. Hat sich der Käfer einmal in die Rinde eingebohrt und seine Larven dort abgelegt, hilft nur mehr ein rascher Abtransport der befallenen Bäume aus dem Wald. „Derzeit kontrollieren wir unsere Wälder besonders genau auf Käferbefall“, erklärt der Bundesforste-Vorstand. Für ganz Österreich haben wir ein Monitoring-Netz entwickelt, das hilft, den Zeitpunkt des Schwärmfluges der Käfer zu erkennen.“ Dazu werden in über 100 Forstrevieren mit Lockstoffen bestückte Fallen, so genannte Schlitzfallen, aufgestellt, mit denen Schwärmflug und Populationsentwicklung beobachtet werden können. „Zusätzlich wurden heuer rund 12.000 Fangbäume in ganz Österreich ausgelegt, um die ersten schwärmenden Käfer zu fangen“, verweist Freidhager auf die umfangreichen Maßnahmen. Erste untrügliche Anzeichen für Borkenkäferbefall – auch an stehenden Bäumen - sind frisches Bohrmehl und Bohrlöcher. In fortgeschrittenem Stadium sind befallene Bäume an ihrer abfallenden Rinde, braunen Kronen und Nadelfall zu erkennen. Neben Fangbäumen kommen weitere Methoden wie so genannte Netzfallen oder Nasslager zum Einsatz. Dabei wird geerntetes Holz unter ständiger Beregnung gelagert und so vor Borkenkäferbefall geschützt. Auch modernste Drohnen-Technologie wird erstmals zur Käferbekämpfung herangezogen.

 

Mit Drohnen im Wald zur Früherkennung

In einem Pilotprojekt testen die Bundesforste erstmals den Einsatz von Drohnen zur Borkenkäferprävention. Dabei überfliegen Drohnen, so genannte Copter mit eingebauter Kamera, potentiell gefährdete Gebiete und helfen mittels Luftaufnahmen, befallene Flächen und Bäume zu identifizieren. „In steilen, schwer zugänglichen Gebieten bietet diese Form von Früherkennung unschätzbare Vorteile“, sieht Freidhager Chancen in der neuen Technologie. „Vor allem relativ große Flächen könnten damit in kurzer Zeit erforscht werden“, so der Vorstand. Durch das Verfahren können Bäume vorzeitig erkannt und bei Bedarf aus dem Wald entfernt werden. „Bei der Borkenkäferbekämpfung bleibt nie viel Zeit, da sie sich sehr schnell ausbreiten. Da gilt es, schnell zu reagieren und mitunter große Flächen im Auge zu behalten“, erläutert Freidhager. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Pilotphase und wird in ausgewählten Revieren getestet.

 

Schadgebiete besonders gefährdet

„Im Moment beobachten wir vor allem jene Waldgebiete, die von Schadereignissen wie Windwürfen, Schneebruch oder Eisanhang betroffen waren. Die Schäden sorgen für viel Brutmaterial und bereits geschädigte Bäume sind besonders anfällig für den Borkenkäfer“, erklärt Rudolf Freidhager. Gesunde Bäume schützen sich mit baumeigenem Harz gegen das Eindringen der Borkenkäfer. „Ein feuchtes Frühjahr und ein nasser, verregneter Sommer wären aus Sicht der Forstwirtschaft ideal, um das Borkenkäferaufkommen möglichst gering zu halten“, sagt der Bundesforste-Vorstand. „Mit Hitzewellen und extremen Trockenperioden wie im Vorjahr könnte es schwierig werden.“ Diese setzen insbesondere die Fichte unter Stress und reduzieren ihre natürlichen Abwehrkräfte. „Wir haben die Situation erkannt und bereits umfangreiche Maßnahmen gesetzt. Aufgrund der bisherigen Entwicklung und Witterungsverhältnisse sind wir zuversichtlich, die Situation gut in den Griff zu bekommen“, zeigt sich Rudolf Freidhager abschließend zuversichtlich.

(öbf)

 

Weiterführende Informationen

Dossier Borkenkäfer auf waldwissen.net (externe Verlinkung)
Borkenkäfermonitoring auf waldwissen.net (externe Verlinkung)


 

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