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Europa auf dem Holzweg

EU-Bericht zu illegalem Holzhandel in Europa

 

Ahornallee auf Rügen
Symbolfoto: 111 Emergency / Wikimedia Commons / CC BY 2.0



(23.2.2016) Der WWF kritisiert, dass die europäische Holzhandelsverordnung auch drei Jahre nach Inkrafttreten ein weitgehend zahnloser Papiertiger geblieben ist. Dies gehe, laut WWF aus einem am 18. Februar 2016 in Brüssel präsentierten Bericht hervor.

Der EU-Report zeige, dass die EU-Verordnung meist zu spät und noch immer nicht in das Recht aller Nationalstaaten implementiert und entsprechend umgesetzt wurde. Zudem würden viele Holzproduktgruppen nicht von Verordnung erfasst, darunter etwa Druckprodukte, Sitzmöbel, Holzkohle oder Musikinstrumente. „Nichts hören, nichts sehen, nichts bestrafen, scheint das Motto der Behörden beim illegalen Holzhandel in Deutschland zu sein“, so die Kritik von Johannes Zahnen, WWF-Referent Forstpolitik. „Die Verordnung muss künftig alle Holzprodukte erfassen und alle 28 EU-Staaten müssen die Vorgaben effektiv umsetzen, sonst bleibt das Risiko für Konsumenten bestehen, dass sie Produkte aus illegalen Quellen kaufen. Der Import und Handel von illegal eingeschlagenem Holz muss aufhören.“

 

Der Fall des österreichischen Unternehmens Holzindustrie Schweighofer, einem der Großen im Europäischen Holzgeschäft, zeigt in bester Weise den Reformbedarf der Richtlinie. Schweighofer steht unter massivem Verdacht illegales Holz gekauft zu haben und in illegalen Holzhandel verwickelt zu sein.
Die US-amerikanische Environmental Investigation Agency (EIA) hatten im Oktober 2015 einen Bericht präsentiert, nach dem Holzindustrie Schweighofer verdächtigt wird, einer der größten Treiber für illegalen Holzeinschlag in Rumänien zu sein. Der Bericht weist darauf hin, dass 50 Prozent des Holzeinschlags in Rumänien aus illegalen Quellen stammen. Illegal geschlagenes Holz im Wert von fünf Milliarden Euro stammt allein aus rumänischen Wäldern. Schweighofer besitzt drei Sägewerke und zwei Fabriken in Rumänien und setzt dabei 465 Millionen Euro jährlich um.

Auf Basis des Berichts erstattete der WWF im November 2015 Anzeige bei der zuständigen Behörde in Österreich. Diese lehnte die Bearbeitung aber, nach Ansicht des WWF zu Unrecht, aus formellen Gründen ab. Aber auch andere NGOs, wie Global Witness und Greenpeace, haben Berichte zu illegalem Holz in der EU vorgelegt, die bis heute noch zu keiner Verurteilung geführt haben. „Trotz vielfältiger Recherchen, Berichte und Anzeigen verschiedener NGOs zu illegalem Holz in der EU, waren die Mitgliedsstaaten offensichtlich bisher weder in der Lage illegales Holz innerhalb der EU abzustellen, noch den Fall Schweighofer auf Basis der Holzhandelsverordnung zu untersuchen. Diese Situation kann weder die Urwälder außerhalb der EU schützen und offensichtlich auch nicht einmal die Naturwälder innerhalb der EU bewahren”, so WWF-Waldexperte Zahnen.

 

Aktuell dazu: Holzschwindel bei „Dänisches Bettenlager“

 

Holzprobe
Materialanalyse bei Holzmöbeln
Foto: Robert Günther / WWF

Wie heute bekannt wurde, muss der Möbelhersteller „Dänisches Bettenlager“ nach einer Anzeige des WWF eine Wettbewerbsstrafe in Höhe von 10.000 Euro zahlen. Hintergrund ist die wiederholt falsche Etikettierung von Holzprodukten. Im konkreten Fall wurde ein Stuhl wiederholt mit Nussbaum und Birke ausgezeichnet, wobei sich Birke gar nicht findet, hingegen aber zusätzlich Eukalyptus, Gummibaum und Pappel. Der Fall wurde vom zuständigen Verband Sozialer Wettbewerb e.V. als eklatanter Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geahndet. Der WWF hatte die Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einer seiner Marktanalyse herausgefunden. Bereits seit einigen Jahren untersuchen die Umweltschützer vom WWF mit forensischen Methoden Holz- und Papierprodukte in Deutschland. Ziel ist es, Gesetzesverstöße zu Lasten von Verbrauchern und Umwelt aufzudecken.
„Das Dänische Bettenlager fällt inzwischen als chronischer Wiederholungstäter auf. Das Unternehmen täuscht mit seinem Holzschwindel nicht nur die Verbraucher, sondern schädigt auch die Umwelt“, fasst Johannes Zahnen vom WWF zusammen.

 

Statt Fichte wurde zum Teil Tropenholz verarbeitet

So hätten die WWF-Analysen nicht nur den aktuell geahndeten Fall offenbart. Immer wieder seinen in den Produkten des Möbelherstellers auch nicht gekennzeichnete Tropenhölzer entdeckt worden. Besonders übel stieß dem WWF dabei der Fall eines falsch deklarierten Beistelltisches auf. Anstatt der ausgewiesenen Fichte fanden sich in dem Möbelstück Holzgattungen wie Merbatu, chinesische Spießtanne, Kedongdong, Pappel und Pehapan. Innerhalb dieser identifizierten – zum Teil tropischen – Holzgattungen gibt es mehrere Arten, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Der Fall war vom WWF bereits 2014 als Verstoß gegen die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) bei der zuständigen Bundesanstalt Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zur Anzeige gebracht worden. Dort wird der Fall seitdem bearbeitet.

 

(WWF/red)


 

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