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Im Dienst der Wälder: Hornmilben

Winzig, schmackhaft und schwer bewaffnet

 

Anpassung an den Klimawandel Große Herausforderung für den Wald
Abbildung: kes

 

(10.11.2016) Eine 100-jährige Buche lässt jährlich etwa eine halbe Million Blätter fallen. Unter ihrer Krone häufen sich die fallenden Blätter zu einer Laubschicht von 5 bis 10 Zentimetern Höhe an. Hornmilben gehören zu den ersten Zersetzern vor Ort. Sie sorgen dafür, dass unsere Wälder nicht im eigenen Laub ersticken.


Hornmilben sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennende Spinnentiere, die zu Hunderttausenden auf jedem Quadratmeter unserer heimischen Waldböden leben. Sie übernehmen hier eine wichtige ökologische Funktion und sind maßgeblich am Abbau der herbstlichen Laubstreu beteiligt. Und sie haben fast keine natürlichen Fressfeinde, bis heute kennt man kaum Räuber, die sich von Hornmilben ernähren können.


Sie sind winzig und doch fast unbesiegbar


Hornmilbe
Hornmilbe (Oribatida Phthiracaridae)
Foto: S.E. Thorpe / Wikimedia Commons / CC0 1.0

Da die Spinnentiere in so hohen Dichten auftreten, sollten sie eigentlich eine lohnende Nahrungsquelle für im und auf dem Boden lebende räuberische Insekten darstellen. Hornmilben sind aber nicht nur stark gepanzert oder können sich so zusammenkugeln, dass zumindest kleinere Räuber wie Raubmilben keine Chance haben. Die meisten von ihnen tragen auf ihrem Rücken auch Drüsen, in welchen sie einen Cocktail verschiedener chemischer Substanzen produzieren. Seit etwa 100 Jahren sind diese Drüsen bekannt, ihre Funktion jedoch war bis vor wenigen Jahren unerforscht. Das konnte das Team aus deutschen, österreichischen und amerikanischen Wissenschaftlern um Michael Heethoff im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts im Jahr 2011 ändern. Die Wissenschaftler fütterten hierzu im Labor einen relativ großen räuberischen Käfer mit Hornmilben. Obwohl der Käfer etwa 35-fach schwerer ist als die Hornmilben, konnte er diese nicht überwältigen. „Das ist vergleichbar mit einem Kaninchen, welches einen ausgewachsenen Tiger in die Flucht schlägt“, erklärt Michael Heethoff. Nachdem die Biologen jedoch die Drüsen der Hornmilben künstlich entleert hatten, konnten sich die Tiere nicht länger gegen die Käfer wehren. Das Drüsensekret wird also von den Milben als hochwirksamer chemischer Abwehrstoff eingesetzt. Die hierbei abgegebene Menge an Wehrsekret ist unvorstellbar klein: ein Regentropfen ist etwa 150.000 mal größer. Diese kleine Menge reicht jedoch völlig aus, damit die Hornmilben, von Räubern weitgehend unbehelligt, in unseren Waldböden ihren wichtigen Beitrag zu einem geordneten Abbau des Herbstlaubes leisten können.
(idw/red)

 



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