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Wald im Wandel

Neue Studie zeichnet düsteres Bild für die Zukunft des Waldes


Große Bäume sind besonders vom Baumsterben betroffen. Das fand ein internationales Forschungsteam unter TUM-Beteiligung in einer Studie heraus. Foto: Prof. Rupert Seidl / TUM
Große Bäume sind besonders vom Baumsterben betroffen. Das fand ein internationales Forschungsteam unter TUM-Beteiligung in einer Studie heraus. Foto: Prof. Rupert Seidl / TUM


(5.6.2020) Der Wald ist weltweit großen Belastungen ausgesetzt. Klimatische Extreme wie Hitze und Dürre setzen ihm zu. Eine im Fachmagazin Science erschienene Studie mit Beteiligung der Technischen Uni-

versität München (TUM) ist der Frage nachgegangen, wie der globale Wandel Wälder in Zukunft verän-

dern könnte. Die Forscherinnen und Forscher zeigen die mögliche Entwicklung des Waldes auf und liefern damit eine wichtige Grundlage für Waldpolitik und Waldbewirtschaftung.

 

Die beiden Hitzesommer 2018 und 2019 haben Mitteleuropas Wäldern massiv zugesetzt. Alleine in Deutschland kam es in diesen beiden Jahren zum Absterben von mehr als 200.000 Hektar Wald, was annähernd der Fläche des Saarlandes entspricht. In Australien gab es in den vergangenen Monaten Waldbrände ungeahnten Ausmaßes und auch im Amazonas standen große Waldflächen in Flammen.

 

Baumwipfel
Wie werden unsere Wälder künftig aussehen? Einer Studie mit Beteiligung der TUM zufolge gibt es künftig kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse. Foto: Prof. Rupert Seidl / TUM

 

Und doch zeugen manche Satellitendaten und Modellrechnungen von einem Ergrünen des Planeten, dem „global greening“. Gleichzeitig zeigen Langzeitbeobachtungen, dass Bäume – nicht zuletzt aufgrund des steigenden CO2-Gehaltes in der Atmosphäre und kürzerer Winter – vor allem auch in Mitteleuropa heute besser wachsen als noch vor einigen Jahrzehnten. Wie wird also der Wald der Zukunft aussehen?

 

Effekte des globalen Wandels

 

Der globale Wandel wirkt sich sowohl auf das Wachsen als auch auf das Sterben von Bäumen aus. Die Studie mit Beteiligung von Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, untersucht acht zentrale Faktoren, die die Demographie der Wälder beeinflussen.

Dabei finden Änderungen in Temperatur und CO2 ebenso Berücksichtigung wie Luftfeuchtigkeit, Dürre, Waldbrand, Windwurf, Insekten und Landnutzung. „Unsere Analysen zeigen, dass wir gerade einen Wechsel von überwiegend positiven Effekten des globalen Wandels hin zu einer Periode der wachsenden Limitierungen für Bäume erleben“, sagt Rupert Seidl.

 

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Baumsterben ist ein zunehmend globales Phänomen. Eine im Fachmagazin Science erschienene Studie mit Beteiligung der TUM beschäftigt sich mit der Frage, wie der globale Wandel Wälder in Zukunft verändern könnte.
Foto: Prof. Rupert Seidl / TUM


Das Baumsterben geht weiter

 

Während positive Effekte auf das Wachsen von Bäumen in Zukunft stark variabel und lokal unterschiedlich ausfallen werden, zeigt sich ein über alle Faktoren hinweg einheitlich negatives Bild in Hinblick auf Mortalität. Störungen wie Waldbrände, Insektenschäden, Windwurfereignisse und Dürren nehmen im Klimawandel an Häufigkeit und Stärke zu.

„Das Baumsterben wird weitergehen“, so Seidl, „wobei große Bäume besonders betroffen sind, da sie beispielsweise dem Wind stärker ausgesetzt sind und es für sie schwerer ist, ihre Blätter kontinuierlich mit Wasser aus dem Boden zu versorgen.“

 

Der Wald verändert sich

 

Die Zukunft des Waldes geht also in Richtung kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse. Das könnte bedeutende Auswirkungen auf die Klimaschutzwirkung von Wäldern haben: Weniger Biomasse heißt nämlich auch, dass geringere Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Wald gespeichert werden, was den Klimawandel weiter anheizt.

Auch andere für den Menschen wichtige Leistungen des Waldes, wie die Filterung von Trinkwasser und der Schutz vor Naturgefahren wie Muren und Hochwasser, welche gerade im dicht besiedelten Mitteleuropa von besonderer Bedeutung sind, könnten unter diesen Entwicklungen leiden. Und auch auf die Biodiversität wird der zunehmende Verlust von alten Wäldern und großen Bäumen sich auswirken.

Der globale Wandel und seine Auswirkungen stellen die Waldbewirtschafterinnen und Waldbewirtschafter daher vor die große Herausforderung, die vielfältigen Leistungen des Waldes auch in Zukunft nachhaltig für die Gesellschaft sicherzustellen.
(Dr. Ulrich Marsch, TUM)

 

Publikation
Nate G. McDowell, Craig D. Allen, Kristina Anderson-Teixeira, Brian H. Aukema, Ben Bond-Lamberty, Louise Chini, James S. Clark, Michael Dietze, Charlotte Grossiord, Adam Hanbury-Brown, George C. Hurtt, Robert B. Jackson, Daniel J. Johnson, Lara Kueppers, Jeremy W. Lichstein, Kiona Ogle, Ben Poulter, Thomas A.M. Pugh, Rupert Seidl, Monica G. Turner, Maria Uriarte, Anthony P. Walker, Chonggang Xu (2020): Pervasive shifts in forest dynamics in a changing world. In: Science 368.↗DOI: 10.1126/science.aaz9463



 

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