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Himmelgeister Kastanie: Abschied und Neubeginn

Aus dem Stamm des Baumes wurde ein "Baumgeist" gestaltet.


Skulptur des Baumgeistes "Jüchtwind" in Düsseldorf-Himmelgeist, aus dem Stumpf der Himmelgeister Kastanie gestaltet durch den Kettensägenschnitzer Jörg Bäßler
Foto: Wikimedia Commons / CC0 1.0

 

(27.1.2016) Wie wir schon im vergangenen Jahr berichteten, stand es um das Naturdenkmal "Himmelgeister Kastanie" sehr schlecht. Im Spätsommer 2015 war klar, dass die Bemühungen um den Erhalt der mächtigen, 200 Jahre alten Rosskastanie im Himmelgeister Rheinbogen nicht erfolgreich waren und der Baum abgestorben ist. Es wurde daraufhin nach einem Vorgehen gesucht, um der besonderen Bedeutung des Baumes gerecht zu werden, aber auch die Sicherheit unter der abgestorbenen Baumkrone zu gewährleisten. Das Ergebnis der Suche: Aus dem Stamm des Baumes wurde durch den Holzbildhauer Jörg Bäßler ein "Baumgeist" gestaltet.

 

Die Lösung, den unteren Stamm des abgestorbenen Baumes zu einem Holzgeist umzugestalten, fand sich in einem gemeinsamen Gespräch mit Vertretern des Freundeskreises Himmelgeister Kastanie, dem Eigentümer und der Stadt Düsseldorf. Als Vorlage diente Jörg Bäßler die Figur des Baumgeistes "Jüchtwind". Gartenamtsleiterin Doris Törkel: „Das so entstehende Baumdenkmal wird die Besucher des Himmelgeister Rheinbogens noch viele Jahre an ihren alten Baum erinnern, während in der Nähe die junge Kastanie heranwachsen kann.“

 

Benachbart gedeiht die neue Kastanie

Bevor der Holzbildhauer Jörg Bäßler die verbleibende Stammfigur künstlerisch gestalten konnte, mussten die bruchgefährdeten Äste komplett abgetragen werden. Dass dies sehr wichtig ist, um die Sicherheit von Passanten

Baumgeist Himmelsgeister Kastanie
Skulptur des Baumgeistes "Jüchtwind" in Düsseldorf-Himmelgeist, gestaltet durch den Holzbildhauer Jörg Bäßler. (Foto: Wikimedia Commons /CC0 1.0)

an der Kastanie zu gewährleisten, hat sich zuletzt in der Woche vom 16. bis 22. November 2015 gezeigt, als ein acht Meter langer Ast aus der Krone brach und herunterfiel. Die Arbeiten zum Abtragen der bruchgefährdeten Äste begannen am 14. Dezember, am Tag darauf begann der Künstler seine Arbeit. Am 18. Dezember war der Baumgeist fertig.

 

Hintergrund: Himmelgeister Kastanie

Mitten im Himmelgeister Rheinbogen steht am Kölner Weg eine mächtige, fast 200 Jahre alte Roßkastanie, die wegen Ihrer Einzigartigkeit und Schönheit als Naturdenkmal ausgewiesen worden ist und vielen Düsseldorfer Bürgern am Herzen liegt. Eigentümer des Baumes ist die Arenberg-Schleiden GmbH; die Verkehrssicherung und Pflege trägt als Naturdenkmal die Stadt Düsseldorf. Im Jahr 2006 wurde erstmalig die zerstörerische Pilzkrankheit Phytophtora an der Kastanie diagnostiziert, deren Vitalitätszustand sich in den Folgejahren kontinuierlich verschlechtert hat.

2006 gründete sich der Freundeskreis Himmelgeister Kastanie, der sich seitdem als Interessenvertretung zum Schutz des Baumes versteht und dem Baum über die Jahre hinweg zu überregionaler Bekanntheit verholfen hat.
Mit Blick auf die Zukunft wurde 2007 in Zusammenarbeit zwischen dem Freundeskreis, der Stadt Düsseldorf und dem Eigentümer Arenberg bereits eine junge Kastanie in unmittelbarer Nähe der vorhandenen Kastanie nachgepflanzt.

Aufgrund des fortschreitenden Krankheitsbildes wurde die alte Kastanie 2013 im Auftrag der Stadt durch einen Baumsachverständigen begutachtet und anschließend umfangreich behandelt. Neben einer Vitalitätskur des Wurzelbereiches mit Mykorrhiza-Pilzkulturen wurden auch Sicherheitsvorkehrungen in der Baumkrone (Kronenverseilung und Totholzentnahme) getroffen, damit es nicht zu Unfällen kommen kann.

 

Eigene offizielle Postanschrift

Am Tag des Baumes im April 2007 erhielt die Kastanie nach der Bräutigamseiche bei Eutin als zweiter Baum in Deutschland eine eigene offizielle Postanschrift von der Deutschen Post AG mit eigenem Briefkasten und täglicher Zustellung durch den Briefträger. Die Deutsche Post AG hat im Dezember 2015 die offizielle "Anschrift" des Baumes nach seiner Fällung gestrichen.

 

Holzbildhauer Jörg Bäßler

Mit einer Kettensäge kann man nicht nur Bäume fällen, sondern auch künstlerisch tätig sein. Richtige Kunstwerke mit der Motorsäge gestalten erfordern aber neben Augenmaß, Genauigkeit und viel Geschick auch spezielle Schnitzschienen für die Sägen. Ursprünglich kommt die Kettensägekunst aus Amerika, sie wird aber auch in Deutschland immer bekannter und beliebter.
Es ist erstaunlich wie filigran und detailgetreu die Skulpturen werden. Man kann es sich eigentlich kaum vorstellen, dass solche Schnitzarbeit mit einer Motorsäge möglich ist. Die Beschaffenheit des Holzes wird für die Verwirklichung der Motive geschickt ausgenutzt. Nur für den allerletzten Schliff verwenden die Künstler Schnitzwerkzeug.

Der Holzbildhauer Jörg Bäßler aus dem Erzgebirge zeichnet bereits für mehrere Holzskulpturen im Düsseldorfer Stadtwald verantwortlich. Auf "Wanderer", und "historische Waldarbeiter" trifft man im Hasseler Forst, am Waldweg in der Verlängerung der Neuenkampstraße hinter der Autobahn, auch den "Lehrer Lämpel" aus der Geschichte "Max und Moritz" von Wilhelm Busch findet man dort. Im Kalkumer Forst finden Spaziergänger einen modernen Forstarbeiter und als Gegenstück einen Waldarbeiter aus früheren Tagen, ausgerüstet mit einer Axt. Einen "Waldgeist" hat der Kettensägenschnitzer für den Wildpark geschaffen. Außerdem gibt es im Forstrevier Nord auch lustige Zwerge, die in der Schutzhütte anzutreffen sind. Für den beliebten Waldspielplatz Müller´s Wiese schnitzte er die sieben Zwerge.

Weiterführende Links:

Internetseite der Himmelgeister Kastanie
Youtube-Kanal Himmelgeister Kastanie

Holzbildhauer Jörg Bäßler


(pau/pld/kes/wikipedia)



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