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Fichte - Baum des Jahres 2017

Brotbaum der Forstwirtschaft

 

Fichte - Baum des Jahres 2017
Foto: Lothar Gössinger


(13.10.2016) Die Fichte ist der Baum des Jahres 2017. Dies gab Dr. Silvius Wodarz, Präsident der Baum des Jahres Stiftung am heutigen Donnerstag bekannt. Über keinen anderen heimischen Baum wird so viel gestritten wie über die Fichte. Geschätzt als wichtigste Einkommensquelle wird die Fichte von Befürwortern der Artenvielfalt geschmäht. Ihre Wahl zum Baum des Jahres 2017 gibt Gelegenheit, mehr Klarheit in die Diskussion und die künftige Entwicklung dieses Baumes zu bringen.


Die Fichte polarisiert: Für die einen ist sie der Brotbaum der Forstwirtschaft, für die anderen der Inbegriff naturferner Monokulturen. In Niedersachsen z. B. ist sie nach der Kiefer die zweithäufigste Baumart. In Harz und Solling ist sie Zeuge der gelungenen Wiederbewaldung: Holznot im 18. und 19. Jahrhundert, Reparationshiebe und Wiederaufbau nach dem Krieg machten diese Baumart durch gute Holzerträge viele Jahre unersetzlich. Fichten gedeihen auch auf ärmeren Böden, vertragen aber keine Trockenheit. Reine Fichtenbestände sind besonders anfällig für Sturmwurf und Borkenkäferbefall. Sie gilt als die heimische Baumart mit dem ungünstigsten Anpassungspotenzial an Klimaveränderungen.

 

„Heute geht durch den Umbau in stabile Mischwälder der Anteil der Fichte zurück - in den letzten zehn Jahren um 2,5 Prozent und zwar um 242.00 Hektar, das ist in etwa die Fläche des Saarlandes. Auch der Klimawandel und die anhaltenden Stickstoffbelastungen, die die Ernährung der Fichte zusätzlich ins Ungleichgewicht bringen, setzen dieser Baumart zu. Ihre Schwächung zeigt sich in dem häufigen Auftreten des Borkenkäfers und dem flächenhaften Windwurf bei Stürmen“, erläutert Staatssekretär a.D. Wolfgang von Geldern, Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), den aktuellen Zustand der Fichte.

 

Die Fichte ist mit 26 Prozent die häufigste Baumart Deutschlands. Aufgrund der vielseitigen Verwendbarkeit des Holzes (Papier, Bauholz) ist die Fichte weiterhin der Brotbaum der Forstwirtschaft. Etwa 90 % der Erträge aus der Holzernte kommen aus dem Verkauf der Fichte.

 

Fichte - Baum des Jahres 2017
Fichten im südlichen Oberbayern. Der Wechsel zum Misch-
wald ist eingeleitet, Stürme haben den Startschuss gegeben. Foto: Lothar Gössinger

Wiedereinwanderung nach der letzten Eiszeit


Nach der letzten Eiszeit wanderte die Fichte (Picea abies) rasch nach Mitteleuropa zurück. Der Mensch drängte sie früh zurück und förderte Mittel- und Niederwaldwirtschaft. Ende des 18. Jahrhunderts war ein großer Teil der Wälder heruntergewirtschaftet, der Bedarf an Bauholz, Brennmaterial und Weidefläche groß. Die Fichte eignete sich als anspruchslose Baumart hervorragend zur Wiederaufforstung devastierter Standorte. Wo ursprünglich Laubwälder stockten, wuchsen bald reine Wälder aus gleichaltrigen Fichten heran, die große Mengen Holz lieferten. Seit knapp zwei Jahrhunderten prägt die Fichte den deutschen Wald.

Anfällig für Sturmwurf

Typisch sind ihr gerader Stamm und der etagenweise Aufbau der Äste. Die länglichen, braunen Zapfen hängen von den Zweigen herab und fallen im September zu Boden. Bei den gemeinhin bekannten „Tannenzapfen“, die am Waldboden zu finden sind, handelt es sich um Fichtenzapfen, denn Tannen werfen ihre Zapfen nicht als Ganzes ab. Fichtennadeln sind spitz und stechen bei Berührung. Der Nähstoffanspruch der Baumart ist gering, die Fichte mag es kühl und feucht. Steht sie auf den falschen Standorten, ist sie anfällig für Sturmwurf, Holzfäule und Borkenkäferschäden.

Zahlreiche Insektenarten, wie Käfer, Schmetterlinge und Waldameisen sind von der Fichte als Nahrungsquelle abhängig. Viele Vögel, wie beispielsweise Fichtenkreuzschnabel und Sperlingskauz, sind zur Nahrungssuche, zum Brutgeschäft oder zur Jungenaufzucht auf die immergrüne und gute Deckung von Fichten angewiesen.

 

Kulturgeschichtlich ist die Fichte eng mit uns verbunden. Das Holz ist relativ leicht, fest und elastisch. Es eignet sich als Bauholz, für Möbel und als Rohstoff in der Papierindustrie. Die einfachsten und gröbsten Gegenstände vom Kochlöffel bis zum Dachstuhl sind aus Fichte, aber auch die wertvollsten: Das Deckenholz der berühmten Stradivari-Geigen (1648-1737) ist aus Fichtenholz mit besonders engen Jahrringen gefertigt. Für Cellos und Gitarren wird heute noch Fichte verwendet. Auch war sie eine Zeit lang der beliebteste Weihnachtsbaum; als Maibaum wird sie weiterhin verwendet.

(SDW/NLF/Red)


Weitere Informationen:

Baum des Jahres Stiftung

 

 

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Weitere Berichte "rund um den Baum" finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

 

 

Baum des Jahres
bisherige Jahresbäume
Deutschland

1989 Stiel-Eiche
1990 Rotbuche
1991 Sommer-Linde
1992 Berg-Ulme
1993 Speierling
1994 Europäische Eibe
1995 Spitzahorn
1996 Hainbuche
1997 Eberesche
1998 Wild-Birne
1999 Silber-Weide
2000 Sand-Birke
2001 Esche
2002 Gemeiner Wacholder
2003 Schwarz-Erle
2004 Weiß-Tanne
2005 Rosskastanie
2006 Schwarzpappel
2007 Wald-Kiefer
2008 Echte Walnuss
2009 Berg-Ahorn
2010 Vogel-Kirsche
2011 Elsbeere
2012 Europäische Lärche
2013 Holzapfel
2014 Traubeneiche
2015 Feld-Ahorn
2016 Winterlinde
2017 Fichte
2018 Esskastanie

2019 Flatterulme


Österreich
In Österreich wird seit 1994 ein Baum des Jahres ausgewählt. Im Gegensatz zur deutschen Auswahl können in Österreich ganze Gattungen ebenso wie einzelne Arten ausgewählt werden. Sogar Gruppen, die biologisch nichts miteinander zu tun haben, wie die Wildobstbäume wurden ausgewählt.

1994 Tannen
1995 Buchen
1996 Linden
1997 Fichten
1998 Schwarzerle
1999 Zirbe
2000 Schwarzkiefer
2001 Eschen
2002 Lärchen
2003 Weiden
2004 Eberesche
2005 Ahorne
2006 Ulmen
2007 Hainbuche
2008 Speierling
2009 Birken
2010 Wildobstbäume
2011 Zirbe
2012 Elsbeere
2013 Eibe
2014 Rotbuche
2015 Weißtanne
2016 Eiche

2017 Wacholder

2018 Pappeln

2019 Hopfenbuche

 

 


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