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Bayreuther Forscher entdecken Afrikas höchste Bäume

Am Südhang des Kilimanjaro wurden bis zu 81,5 Meter hohe Baumriesen gemessen

 

Bayreuther Forscher entdecken Afrikas höchste Bäume
Foto: Andreas Hemp

 

(20.11.2016) Wo stehen die höchsten Bäume der Welt? Aus Nordamerika und Australien sind seit dem 19. Jahrhundert immer wieder Rekordzahlen über beeindruckende Baumriesen gemeldet worden. In Afrika hingegen schienen Bäume keine außerordentlichen Höhen zu erreichen.


Entandrophragma excelsum
Eine Klasse für sich: Um mehr als 30 m überragen die Kronen von E. excelsum die normalwüchsigen Bäume am Kilimanjaro. Foto: Andreas Hemp

Eine von der DFG geförderte Forschungsgruppe um Dr. Andreas Hemp an der Universität Bayreuth hat jedoch in einem entlegenen Tal am Kilimanjaro Bäume untersucht, die – so das Ergebnis der Messungen – unbestreitbar in die Top-Liste der weltweit höchsten Bäume gehören. Es handelt sich um Bäume der Art Entandrophragma excelsum, die zu den Mahagonigewächsen zählen und weit älter als 470 Jahre werden können. Die 10 größten dieser Bäume, die von den Wissenschaftlern ausgemessen wurden, sind zwischen 59,2 und 81,5 Metern hoch und im Durchmesser zwischen 1,24 und 2,55 Metern dick.

 

Am südlichen Fuß des höchsten Bergs in Afrika wachsen diese Bäume größtenteils in einer Höhe zwischen 1.400 und 1.700 Metern. Hier, an Steilhängen in tiefen Waldtälern unterhalb des geschlossenen Bergwaldgürtels, verteilen sie sich in deutlichem Abstand voneinander – inmitten einer Vielfalt anderer Bäume. Ihre weit ausladenden Kronen überragen das dichte Blätterdach der tieferen Baumetagen. Anatomische Besonderheiten und vorteilhafte Lebensbedingungen scheinen ihr Höhenwachstum zu fördern. Im Vergleich mit benachbarten Gehölzen bieten Bäume der Art Entandrophragma excelsum erheblich mehr Lebensraum für sogenannte epiphytische Pflanzen, insbesondere Farne, die sich auf ihren Ästen und ihrer Rinde ansiedeln. So leisten sie einen wichtigen Beitrag zur pflanzlichen Artenvielfalt.


Ein „Hotspot“ der Biodiversität in Ostafrika, gefährdet durch zunehmende Landnutzung

 

Insgesamt ist der höchste Berg Afrikas aus der Sicht der Bayreuther Wissenschaftler ein „Hotspot“ der Biodiversität in Ostafrika. Angefangen von den laufabwerfenden Trockenwäldern in der Savanne unterhalb von 1.000 Metern bis hinauf zu den feuchten Nebelwäldern in einer Höhe von 4.000 Metern gibt es am Kilimanjaro eine ungewöhnliche Vielfalt von Wäldern zu erkunden – und dies auf einer vergleichsweise kleinen Fläche. Der Kilimanjaro beherbergt also nicht nur die höchsten Bäume, sondern auch die höchstgelegenen Wälder Afrikas.

Talschlucht
Die Lebensräume von Entandrophragma excelsum liegen in Waldresten, die sich in schwer zugänglichen tiefen Talschluchten am Südhang des Kilimanjaro erhalten haben. Foto: Andreas Hemp

Zugleich aber berichten die Forscher, dass die Waldgebiete am Kilimanjaro infolge von zunehmender Landnutzung und illegalen Rodungen immer mehr schrumpfen. Nach ihrer Einschätzung sind nur noch ungefähr 7 Quadratkilometer erhalten, auf denen Bäume der Art Entandrophragma excelsum am Kilimanjaro grundsätzlich heimisch werden könnten. Aufgrund von Messungen und Hochrechnungen gelangen sie zu dem Ergebnis, dass derzeit wohl nur noch 1.100 Exemplare dieser Art am Kilimanjaro existieren.

 

„Diese Täler, in denen die ostafrikanischen Baumriesen offenbar sehr gute Lebensbedingungen vorfinden, sollten möglichst bald in den unmittelbar benachbarten Kilimanjaro Nationalpark integriert werden“; erklärt Dr. Andreas Hemp. „Dies wäre eine herausragende und zugleich besonders dringliche Schutzmaßnahme. Andernfalls droht der Kilimanjaro nicht nur ein einzigartiges, auf der Vielfalt der Arten beruhendes biogeografisches Archiv zu verlieren, sondern auch seine höchsten Bäume.“

(Christian Wißler M.A.)

 


Veröffentlichung:

Andreas Hemp et al.: Africa’s highest mountain harbours Africa’s tallest trees, Biodiversity and Conservation (2016), doi: 10.1007/s10531-016-1226-3

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Förderung:

Die Forschungsarbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNFN) gefördert

 


Weiterführende Informationen
Universität Bayreuth

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Schweizerischer Nationalfond (SNFN)

 

 


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