Arboristik - Wissen

Baumpflege  |  Nachrichten  |  Produkte  |  Schadorganismen  |  Wissen  |  Recht

 

 

Außergewöhnliche Sommertrockenheit seit 2015 in Europa

Die schlimmste Sommer-Trockenperiode der letzten zwei Jahrtausende

 

Vertrocknende Buchenblätter in Schaffhausen im Juli 2018. Foto: Andreas Rigling, WSL

Vertrocknende Buchenblätter in Schaffhausen im Juli 2018. Foto: Andreas Rigling, WSL


(22.3.2021) Die Trockenheit der vergangenen Sommer war in Europa schlimmer als je zuvor in den letz-

ten 2100 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die ein internationales Forschungsteam erstellt hat. Das Team untersuchte den chemischen Fingerabdruck von europäischen Eichen, um das Sommerklima während 2110 Jahren zu rekonstruieren. Demnach bestand ein langfristiger Trend zur Trockenheit, aber seit 2015 hat sich die Dürresituation plötzlich verschärft – weit heftiger als in den 2000 Jahren zuvor. Diese Abweichung ist vermutlich das Ergebnis des vom Menschen verursachten Klima-

wandels und den damit verbundenen Veränderungen des Jetstreams in der Atmosphäre. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachjournal Nature Geoscience veröffentlicht.

 

Baumscheibe einer Eiche für die Isotopen-Probenentnahme. Foto: Ulf Büntgen
Baumscheibe einer Eiche für die Isotopen-Probenentnahme. Foto: Ulf Büntgen

Die jüngsten sommerlichen Dürreperioden und Hitzewellen hatten in Europa verheerende ökologische und ökonomische Folgen, die sich verschlimmern werden, wenn die globale Erwärmung weiter zunimmt. „Wir sind uns alle dieser Anhäufung von außergewöhnlich heißen und trockenen Sommern in den letzten Jahren bewusst, aber wir brauchen eine präzise Rekonstruktion der historischen Situation. Dann erst sehen wir, wie sich die jüngsten Extremereignisse im Vergleich zu früheren Zeiten darstellen“, sagt Erstautor Prof. Dr. Ulf Büntgen von der Universität Cambridge in England und Seniorforscher am CzechGlobe – Global Change Research Institute der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik (GCRI). „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die letzten fünf Sommer für Mitteleuropa außergewöhnlich waren im Hinblick darauf, wie stark die wiederkehrende Trockenheit gewesen ist.“

 

Rekonstruktion der Sommertrockenheit in Europa der letzten 2110 Jahre. Grafik: Ulf Büntgen
Rekonstruktion der Sommertrockenheit in Europa der letzten 2110 Jahre. Grafik: Ulf Büntgen


Resultate der Dendrochronologie bestätigt

 

In dem Zeitraum von 2110 Jahren gab es sehr feuchte Sommer wie in den Jahren 200, 720 und 1100, aber auch sehr trockene Sommer wie etwa 40, 590, 950 und 1510 n.Chr. Trotz dieser „außergewöhnlichen Jahre“ zeigen die Ergebnisse, dass Europa in den letzten zwei Jahrtausenden allmählich trockener geworden ist. Die Baumproben von 2015 bis 2018 allerdings machen klar, dass die Trockenheit in den vergangenen Sommern alle anderen Schwankungen der letzten 2000 Jahre übertrifft. „Auf Jahrhunderte mit einem langsamen, deutlichen Rückgang folgte ein steiler Abfall, was für die Land- und Forstwirtschaft besonders alarmierend ist. Das noch nie da gewesene Waldsterben in weiten Teilen Mitteleuropas unterstreicht unsere Resultate“, merkt Co-Autor Prof. Dr. Mirek Trnka vom CzechGlobe in Tschechien an.

 

Detailaufnahme einer Traubeneiche (Quercus petraea). Foto: Ulf Büntgen
Detailaufnahme einer Traubeneiche (Quercus petraea). Foto: Ulf Büntgen

 

Die Forschenden gehen davon aus, dass die jüngste Häufung von ungewöhnlich trockenen Sommern sehr wahrscheinlich ein Ergebnis der menschengemachten Klimaerwärmung ist und der damit einhergehenden Veränderungen in der Position des Jetstreams. „Klimawandel bedeutet nicht, dass es überall trockener wird. Manche Orte werden vielleicht feuchter oder kälter, aber Extremereignisse werden häufiger. Das könnte für die Landwirtschaft, für die Ökosysteme und die Gesellschaft insgesamt verheerend sein“, sagt Büntgen.
(Universität Cambridge/Universität Mainz/WSL)

 

Originalpublikation:
Ulf Büntgen et al. Recent European drought extremes beyond Common Era background variability. Nature Geoscience, 15. März 2021, DOI: 10.1038/s41561-021-00698-0




zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 



2003 - 2021 - arboristik.de - All rights reserved