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Auen speichern Wasser wie ein Schwamm

20 Jahre nach der Elbeflut besteht bei Auenrenaturierung riesiger Bedarf

Flussaue
Foto: Gernot Reipen, Pixabay

 

 

(21.8.2022) Vor 20 Jahren führte eine Flutkatastrophe in Mitteleuropa zu verheerenden Schäden. An der Elbe kamen 21 Menschen ums Leben, tausende verloren Hab und Gut. Der finanzielle Schaden ging in die Milliarden. Der WWF Deutschland nimmt dies auch vor dem Hintergrund zunehmender Extremwetter-

ereignisse zum Anlass, mehr Engagement von Bund und Ländern für die ökologische Hochwasservor-

sorge einzufordern. Notwendig sei ein vorsorgender Hochwasserschutz insbesondere auch durch die Rückgewinnung von Auen als natürliche Überschwemmungsgebiete. Ausgelöst wurde das Extremhoch-

wasser im August 2002 durch tagelange, großflächige Regenfälle.

 

„Zwar flossen seit dem `Jahrhunderthochwasser´ 2002 immense Investitionen in den Hochwasserschutz – es muss hier aber noch viel mehr passieren“, sagte Dr. Astrid Eichhorn, Leiterin des WWF-Büros Mittlere Elbe. „Auch wenn uns die Klimakrise derzeit durch Dürre und Wassermangel in Schach hält, sind vermehrte Extremniederschläge und Hochwasser die Kehrseite der Medaille, auf die wir uns besser vorbereiten müssen. Gerade beim ökologischen Hochwasserschutz durch Auenrenaturierung muss es verstärkte Anstrengungen geben.“

 

Unter Hochwasserschutz verstehen viele Menschen vor allem den Bau und Unterhalt von Deichen. Dieser „technische Hochwasserschutz“ hat in der Vergangenheit jedoch oft nicht ausgereicht, um Siedlungen vor Überflutungen zu schützen. Notwendig ist auch, den Wasserrückhalt in der Fläche zu verbessern und den Flüssen mehr Raum zu geben. Der Rückgewinnung von Auenlandschaften muss hierbei Priorität eingeräumt werden. Das in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt formulierte Ziel der Bundesregierung, die Rückhalteflächen an Flüssen bis 2020 um 10 % zu vergrößern, wurde bislang jedoch deutlich verfehlt.

 

Laut Auenzustandsberichts des Bundes von 2021 sind nur noch 9% der Flussauen in Deutschland weitgehend ökologisch funktionsfähig. Seit 2009 wurden durch Rückbau, Rückverlegung und Schlitzung von Deichen 4.183 ha überflutbare Auenflächen zurückgewonnen. Damit betrage der Zugewinn an den 79 Flüssen von 1983 bis 2020 7.100 Hektar, davon seien rund 3.000 Hektar mit einer Förderung des Bundesumweltministeriums realisiert worden. Das entspreche einer Vergrößerung der überflutbaren Flussauen um rund 1,5 %.

 

„Auenlandschaften können Wasser wie ein Schwamm speichern, halten und dadurch einer schnellen Austrocknung entgegenwirken“, sagte Astrid Eichhorn. „Über den natürlichen Hochwasserschutz hinaus erfüllen sie auch wichtige Funktionen für die Klimaanpassung und die Artenvielfalt. So sind sie z.B. auch Rückzugsräume für eine riesige Bandbreite von Tier- und Pflanzenarten.“

 

Auen ließen sich durch die Rückverlegung von Deichen ins Landesinnere, die Entfernung von Altdeichen und sog. Deichschlitzungen rückgewinnen. „Die Wiedergewinnung ist zeit- und ressourcenaufwändig, da meist Interessen von Landnutzern und Eigentümern berührt sind. Für den Erfolg solcher Projekte bedarf es eines langen Atems, politischen Willen und eine gute Kommunikation mit den betroffenen Akteuren und lokalem Behörden.“

 

Der WWF Deutschland war im Zeitraum 2001 bis 2019 verantwortlich für das Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe, einem Projekt im Rahmen der Bundesförderung chance.natur. Hauptmaßnahme dieses Auenwald-Projekts – dem bislang größten WWF-Projekt Deutschlands - war die Rückverlegung eines Deichs im Bereich des Lödderitzer Forstes und der Neubau eines Deichs auf 7,3 Kilometer Länge – bis zu 2,5 Kilometer weiter weg vom Fluss als der alte. Nach dessen Fertigstellung wurde der alte Deich 2017 an insgesamt zehn geeigneten Stellen „geschlitzt“ und damit durchlässig gemacht. Auf 600 Hektar Fläche darf sich die Elbe bei Hochwasser wieder natürlich ausbreiten, wertvoller Auenwald wurde wieder an die natürliche Überflutungsdynamik angeschlossen.

 

Hintergrund:

Laut Büro der Vereinten Nationen für Katastrophenvorsorge (UNDRR) gab es 1995 bis 2004 pro Jahr weltweit durchschnittlich 127 Überschwemmungen im Jahr. 2005 bis 2014 wuchs diese Zahl auf durchschnittlich 171 pro Jahr an. 2021 lag sie bereits bei 223. Die erfassten weltweiten wirtschaftlichen Schäden durch Überschwemmungen lagen laut UNDRR 2021 bei 74,4 Milliarden US-Dollar. Hochwasserschäden liegen damit auf Platz 2 nach Unwettern/Stürmen.
(WWF)






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