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Auch Wildtiere helfen unserem Wald

Im Mastjahr 2022 werden Eichelhäher und Eichhörnchen zu Waldbauern

Eichelhäher

Eichelhäher. Foto: Lillybeth auf Pixabay

 


(6.10.2022) Sie fallen auf Straßen und Bürgersteige, liegen unter Bäumen und hinterlassen manchmal sogar eine Delle auf dem Autodach: Der Herbst ist die Zeit der Baumfrüchte - und in diesem Jahr gibt es besonders viele Eicheln und Bucheckern. 2022 ist ein sogenanntes Mastjahr. Der Begriff kommt aus der Landwirtschaft; denn lagen früher besonders viele Baumfrüchte in den Wäldern, trieben die Bauern ihre Schweine dorthin, damit sie sich an den fett- und proteinhaltigen Samen dick und rund futtern konnten - sie wurden gemästet.

 

Etwa alle drei bis zwölf Jahre kommt ein Mastjahr vor. Das sind sehr gute Jahre für Wildtiere, die sich dann vor dem Winter noch einmal ordentlich Speck anfressen oder mit Vorräten eindecken können - und dabei ganz nebenbei zu Waldbauern werden. "Vor allem Eichelhäher und Eichhörnchen legen jede Menge Nahrungsdepots an, um diese über den Winter hinweg zu nutzen", erklärt Petra Riemann, Flächenmanagerin der Deutschen Wildtier Stiftung. "Vergessen die Vögel den einen oder anderen Samen im Waldboden, wächst aus ihm ein junger Baum - Forstwirte nennen das Hähersaat." Einzelne Eichen oder Buchen in ansonsten eintönigen Nadelwäldern sind typisch für die Arbeit des Eichelhähers. In den Alpen ist es der Tannenhäher, der die Zirbensamen im Boden versteckt. Daher haben diese tierischen Hilfsförster sogar ihre Namen: Häher ist ein altes Wort für Heger, also einer, der Lebensräume erhält und pflegt.

 

Eichhörnchen
Eichhörnchen. Foto: Ralph auf Pixabay

 

Ein Eichelhäher kann in seinem Kehlsack bis zu zehn Eicheln transportieren und in einem Mastjahr bis zu 5000 Baumsamen verstecken. Ein Eichhörnchen schafft vielleicht sogar noch mehr. Und so tragen die vergessenen Vorräte dieser Wildtiere zur natürlichen Ausbreitung von Laubbäumen bei. "Gerade Eichen und Buchen spielen bei einem Umbau naturferner Nadelbaumforste zu naturnahen Laubmischwäldern eine wichtige Rolle", sagt Petra Riemann. Mischwälder sind widerstandsfähiger zum Beispiel gegen Trockenstress, der unter anderem durch den Klimawandel hervorgerufen wird oder auch gegen Forstschädlinge wie den Borkenkäfer. Außerdem finden viele unserer heimischen Amphibien- oder Fledermausarten sowie Käfer, Wildbienen oder Tag- und Nachtfalterraupen nur in naturnahen Laubmischwäldern einen geeigneten Lebensraum.

 

Auch auf den Flächen der Deutschen Wildtier Stiftung ↗tragen Eichelhäher und Eichhörnchen zum Waldumbau und damit zur natürlichen Verjüngung des Waldes bei. Beispielsweise auf der Stiftungsfläche Alte Fahrt, die in Mecklenburg-Vorpommern südlich des Müritz-Nationalparks liegt. "Die Hähersaat ist neben der Pflanzung von heimischen Laubbäumen unsere wichtigste Strategie zum Umbau der einst monotonen Kieferforsten", so Riemann. "Mithilfe der Faktoren Licht und Zeit können so in wenigen Jahrzehnten struktur- und artenreiche Mischwälder entstehen."
(ots)


 

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