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Auch Waldbäume nehmen Nanoplastik auf

Aufnahme von Nanoplastik in drei häufigen Waldbaumarten untersucht


Plastkteile
Das Erdöl-Produkt Plastik wird nur sehr langsam zersetzt. Foto: Dan Lewis, unsplash

 

 

(28.4.2022) Überreste von Plastik verschmutzen mittlerweile sämtliche Ökosysteme auf der Welt, auch fern von der Zivilisation. Die Auswirkungen auf die Nahrungskette sind noch unklar. Nun zeigt eine in iForest publizierte Laborstudie der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL auf, dass auch Waldbäume Plastikpartikel über die Wurzeln aufnehmen und in die oberirdischen Pflanzenteile transportieren.

 

Das Erdöl-Produkt Plastik wird nur sehr langsam zersetzt. Eine Plastiktüte braucht gemäß des deutschen Naturschutzbundes 10 bis 20 Jahre, ein Plastik-Strohhalm 200 Jahre und eine Plastikflasche 450 Jahre, bis sie in der Natur abgebaut sind. Dabei werden diese Gegenstände mit der Zeit zu immer kleineren Partikeln zerrieben, die als Mikroplastik (kleiner als 5 mm) oder Nanoplastik (kleiner als 1000 Nanometer) definiert sind. Besonders Nanoplastikpartikel stellen eine potenzielle Gefahr für Lebewesen dar, da sie in den Organismus aufgenommen werden können. Sie reichern sich im Gewebe an und es gibt Hinweise darauf, dass sie zu chronischen Entzündungen führen können.

Für Pflanzen gibt es bisher nur wenige Untersuchungen dazu, ob sie Nanoplastik über die Wurzeln aufnehmen – und bislang keine Studien zu Waldbäumen. Frühere Untersuchungen an Zwiebeln deuten darauf hin, dass Nanoplastik die Wurzelzellen schädigt und so das Wurzelwachstum hemmen kann.

Transport in der Pflanze

 

Unter Leitung von Arthur Gessler von der WSL-Gruppe Ökosystem-Ökologie hat nun ein Forschungsteam die Aufnahme von Nanoplastik in drei häufigen Waldbaumarten untersucht: der Birke, Fichte und Traubeneiche.

Umweltnaturwissenschafterin Maria Elvira Murazzi schneidet bei einer Birke die untersten Wurzeln, die sich für einige Tage in einer Nanoplastik-Lösung befunden hatten, für die Analyse ab. Foto: Paula Ballikaya
Umweltnaturwissenschafterin Maria Elvira Murazzi schneidet bei einer Birke die untersten Wurzeln, die sich für einige Tage in einer Nanoplastik-Lösung befunden hatten, für die Analyse ab.
Foto: Paula Ballikaya

Dazu haben die Forschenden Nanopartikel aus Polystyrol von 28 Nanometern Grösse mit der schweren Kohlenstoffvariante 13C markiert. Diese setzten sie dem Wasser zu, das die untersten Wurzeln der Baumsetzlinge erhielten.

Tatsächlich ließ sich nach einem bis vier Tagen 13C im Pflanzengewebe nachweisen. Am meisten reicherte es sich in jenen Wurzeln an, die direkt im mit Nanoplastik versetzten Wasser standen. Aber auch in den höher gelegenen Wurzeln und die Blätter reicherten sich geringe Mengen Nanoplastik an. Bei der Birke, deren Wasserverbrauch hoch ist, hatten sich zudem signifikante Mengen Nanoplastik im Stamm abgelagert. Im Bericht im Fachjournal iForest spekulieren die Forschenden deshalb, dass der Transport über die Wasserleitungsbahnen der Pflanzen, das Xylem, stattfindet.

 

Wie bedenklich ist dies für die Umwelt?

 

Die aufgenommenen Mengen waren sehr gering, erklärt Gessler. «Aber wenn Bäume diesen Konzentrationen über Jahre ausgesetzt sind, ist auf jeden Fall mit einem deutlichem Transport zu und folglich Anreicherungen in den Blättern, dem Stamm und den Ästen zu rechnen.» Pflanzen bilden die Basis der Nahrungskette und so könnte Plastik über sie in Waldökosysteme gelangen. Das Team macht nun weitere Experimente um festzustellen, ob das Nanoplastik die Photosynthese und hier spezifisch die photochemische Reaktion der Setzlinge stört und so die Energie- und Zuckerversorgung der Pflanzen beeinträchtigt. Als Lösung für das Plastikproblem sieht Gessler nur Verbote für Plastik-Einwegverpackungen, wo immer möglich, und möglichst vollständiges Recycling.
(Beate Kittl, WSL)

 

Publikation
Murazzi, M.E.; Cherubini, P.; Brunner, I.; Kägi, R.; Saurer, M.; Ballikaya, P.; Hagedorn, F.; Al Sid Cheikh, M.; Onandia, G.; Gessler, A., 2022: Can forest trees take up and transport nanoplastics?.
iForest, 15, 2: 128-132. doi: 10.3832/ifor4021-015



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