Alle Dämme brechen

Der Anschein erhärtet sich täglich, dass jetzt alle Dämme brechen und das gnadelose Baumabsägen rasant in die Zielgerade einläuft. Uberall, wohin das Auge blickt, wird gesägt oder verstümmelt. Allen voran die Pappeln, die man vorsorglich" beseitigt, dann die Weiden, Birken und Erlen. Das alles sind die Verliererbäume und sie werden auch kaum noch neu angepflanzt. Dabei gibt es nie und nimmer gute und schlechte Bäume, alle sind es wert erhalten zu werden. Es bewahrheitet sich die Befürchtung, dass in wenigen Jahrzehnten wohl einige Baumarten völlig verschwunden sein werden, abgesehen von ein paar Restbeständen. Kahlschläge überall, auf öffentlichem und privaten Grund, an den Bundes- Staats- und Kreisstraßen. An den Waldrändern, an Feldwegen.
Zuweilen wird das Baumtöten in mehrjährigen Phasen durchgeführt, damit es wohl nicht so auffällt. Aber das Interesse ist ohnehin auf Null. Weil Kommunen, Verwaltungen und die Politik kein Interesse am Schutz der Bäume haben und selbst mit schlechten Beispiel vorangehen, folgen so viele Menschen diesen Beispiel.
Baumabsägen und Baumverstümmeln mutet wie ein ansteckende Krankheit an. Wird dennoch nachgefragt, dann folgt der grimmige Satz: "die sind gefährlich, überaltert, krank." Was kann derartigen Totschlagargumenten entgegen gesetzt werden? Und wenn offiziell aufgefordet wird, Bäume und Hecken zurückzuschneiden, damit diese an den großen Müllfahrzeugen keine Schäden verursachen, klingt dies genauso, wie die Schuldzuweisung, dass die Alleebäume schreckliche Unfälle verursachen. Übersehen wird gerne, dass es nicht die Bäume sind, die an die Fahrzeuge fahren. Es gibt Kindergärten, da werden Bäume gefällt mit der Begründung: "damit die Kinder nicht von den Bäumen fallen". So gelingt es nie, den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu vermitteln. Konsequenterweise müsste man dann auch Autos verbannen, denn Kinder können in diese rennen. Friedhöfe werden kahl geschlagen, "damit das Laub die Gräber nicht verschmutzt". Wie weit ist das Verständnis fur die Natur und die Notwendigkeit ihres Schutzes abhanden gekommen?!
Unerträglich, wie vielerorts, bis weit in die Brutzeit hinein, abgeholzt und zerstört wird. Wenn all die Menschen, die seit Jahren nur fällen, für jeden gefällten Baum wenigstens einen neuen Landschaftsbaum pflanzen und erhalten würden, könnte noch ein wenig Hoffnung bleiben.
Aber dem ist nicht so, es wird noch ein paar Jahre so weiter gewütet, bis alles zerstört ist. Vielleicht fragt dann irgendwer, wie konnte es so weit kommen? Heute bleibt festzustellen: Die ganze jahrzehntelange Arbeit für den Schutz der Bäume war tatsächlich für die Katz, wie man so sagt. Eine schmerzhafte Erkenntnis, geht es doch um unsere Lebensgrundlagen und somit um die unserer Nachkommen. Schließlich sind wir es, die Bäume, Wald, Wasser, Luft und Boden zum Leben benötigen und nicht umgekehrt. Aber was soll man tun, wenn gesagt wird, "...Natur interessiert mich nicht, ich freu mich auf die nächste Formel 1, das ist wichtiger für mich..." ?!
Es fehlt eben auch an der nötigen Umweltbildung und Aufklärung. In den Kindergärten und Schulen muss damit begonnen werden. Doch der Zeitgeist spricht dagegen, es fehlt an positiven Signalen.

Horst Schunk, Coburg

Foto: kes

zurück zur Übersicht