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500 Meter Distanz geben Sicherheit

Robinie in Nachbarschaft zu sensiblen Biotopen

 

Blühende Robinien
Blühende Robinien (Robinia pseudoacacia) am Waldrand. Foto: Botaurus, Wikimedia Commons, CC0 1.0

 

(2.5.2022) Das abgeschlossene Waldklimafonds-Projekt „InvaRo“ gibt Auskunft über das Risikopotential von Robinienflächen auf schützenswerte Trockenrasen-Biotope. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, das Risiko der Robinie auf benachbarte Trockenstandorte abzuschätzen, Maßnahmen für Risikoflächen abzuleiten und eine Datengrundlage für den Konflikt zwischen Naturschutz und forstlicher Nutzung zu liefern. Aus dem von den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) geförderten Vorhaben wurde anhand von Risikostufen eine Risikokarte mit kritischen Robinienbeständen für Brandenburg entwickelt.

 

Das Vorhaben des Forschungsinstituts für Bergbaufolgelandschaften (FIB) e.V. und der Humboldt-Universität zu Berlin unterteilte sich in drei Schwerpunkte. Zunächst wurden in Brandenburg Trockenrasenstandorte, die sich in Kontakt mit Robinienbeständen bzw. in deren Nähe befinden, hinsichtlich möglicher ökosystemarer Veränderungen untersucht. Die betrachteten Parameter waren Veränderungen in der Vegetation, der Humusauflage sowie im Oberboden. Zu den wichtigsten durch die Robinie verursachten Veränderungen zählen die mit der Zeit zunehmende Humusauflage, Lichtmangel in Bodennähe durch zunehmende Beschattung und die beginnende Anreicherung von Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N) im Oberboden.

 

Risikokarte zu Robinienflächen in Brandenburg erstellt

 

Den zweiten Schwerpunkt bildeten Untersuchungen zur Ausbreitung der Robinie und der Frage, wie die Einwanderung der Robinie in sensible Biotope verhindert werden kann. So fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich Samen der Robinie maximal in einem Umkreis von ca. 77 Metern um Robinienbestände ausbreiten. Die Vermehrung durch Wurzelbrut ist bis über 20 Meter möglich. Umweltfaktoren wie Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, Licht, konkurrierende Vegetation oder die Reliefform beeinflussen die Verbreitung.

 

Risikokarte, Ausschnitt
Beispielausschnitt aus der für ganz Brandenburg erstellten Risikokarte. Die farblich gekennzeichneten Stufen geben das Risiko des Einwanderns von Robinien auf Trockenrasen-Standorte wieder und lassen die nötigen Handlungsmaßnahmen für den Biotopschutz abschätzen. Quelle: Hildmann, Christian (FIB)

 

Aus den Ergebnissen leiteten die Wissenschaftler Risikostufen des Invasivitätspotenzials der Robinie mit entsprechenden Maßnahmenempfehlungen ab. Die Einteilung in die Risikostufen erfolgte anhand der Distanz von Robinienbeständen zu schützenswerten Trockenrasen-Standorten sowie der dazwischenliegenden Biotope, je nachdem, ob diese die Ausbreitung der Robinie hemmen oder fördern. Bei einem Abstand von 500 Metern zum Trockenrasen besteht unabhängig von der Vegetation dazwischen kein Risiko einer Einwanderung der Robinie, so dass keine Maßnahmen nötig sind. Bei bis zu 50 Metern Entfernung zwischen Robinien- und Trockenrasen-Standort ist ein sehr hohes Risiko zur Einwanderung der Robinie innerhalb der nächsten Jahre gegeben; sofortige Maßnahmen zum Schutz der Trockenrasen-Biotope sind nötig.

 

 

Hintergrund:

 

Die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) ist eine nicht-heimische Baumart, die aufgrund ihrer Hitze- bzw. Trockenheitstoleranz und guten Holzeigenschaften in Deutschland als zukunftsfähige Gastbaumart gehandelt wird. Die Laubbaumart wird hinsichtlich ihrer Standortbeeinflussung durch Stickstofffixierung, des hohen Reproduktions- und Ausbreitungspotentials und der Fähigkeit, andere Arten zu verdrängen, kontrovers diskutiert. Robinien können in wertvolle Biotope wie Trocken- und Halbtrockenrasen einwandern und den Boden, die Nährstoffzusammensetzung und die Vegetation dieser Standorte negativ beeinflussen. Keine andere Laubbaumart wird hinsichtlich ihrer künftigen forstwirtschaftlichen Bedeutung und ökologischen Risiken so kontrovers bewertet wie die Robinie.

 

In Brandenburg wächst die Robinie als Haupt-, Misch- oder Nebenbaumart auf einer Fläche von ca. 22.500 ha.

Trockenrasen-Biotope sind in Brandenburg zumeist Kulturlandschaften, die durch verschiedene Nutzungsformen in der Vergangenheit entstanden sind und durch geeignete Landschaftspflegemaßnehmen in ihrem Zustand erhalten werden. Diese Flächen dienen als Lebensraum für schützenswerte Arten.


Für die Robinienbestände in Brandenburg wurde anhand dieser Risikostufen eine Risikokarte erarbeitet, die Auskunft über gefährdete Trockenrasen-Biotope und zukünftigen Handlungsbedarf zum Schutze dieser gibt. Die Risikokarte kann kostenfrei über den Online-Speicherdienst Zenodo unter der Nummer 6460638 ↗ heruntergeladen werden.

(FNR)




 

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