18. VTA-Spezialseminar
Bericht zum 18. VTA-Spezialseminar Messen und Beurteilen am Baum
am 8. und 9. Mai 2012
im Fortbildungszentrum für Technik und Umwelt, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Campus Nord 
(ehem. Forschungszentrum Karlsruhe)

Gleichwohl anderen Orts zeitgleich die „Deutschen Baumpflegetage“ stattfanden, war der hiesige Vortragssaal nicht weniger gut besetzt, als die Jahre zuvor. Scheinbar sprechen die eine Messe mit Fachreferaten und eine auf neueste wissenschaftliche Ergebnisse zur Baumbeurteilung ausgerichtete Tagung doch ein überwiegend anderes Publikum an.
Unter den Teilnehmern fiel eine freundliche entspannte Stimmung auf. Die Pausen wurden auch zum vielfältigen interessierten und kollegialen Fachaustausch untereinander genutzt.

Gleichwohl anderen Orts zeitgleich die „Deutschen Baumpflegetage“ stattfanden, war der hiesige Vortragssaal nicht weniger gut besetzt, als die Jahre zuvor. Scheinbar sprechen die eine Messe mit Fachreferaten und eine auf neueste wissenschaftliche Ergebnisse zur Baumbeurteilung ausgerichtete Tagung doch ein überwiegend anderes Publikum an.
Saal voller interessierter Teilnehmer

Im ersten Teil berichtete Prof. Dr. Claus Mattheck über den aktuellen Stand von VTA, wobei für Erstbesucher das Thema "Denkwerkzeuge" – Zugdreiecke, Schubvierecke und Kraftkegel - kurz wiederholt wurde. Hierbei wurde auch eine Vielzahl neuer scheinbar verblüffender Beispiele vorgestellt. So konnte mit der Kraftkegel- Methode und den Zugdreiecken als "Denkwerkzeuge" verstanden werden, wie die Form-Optimierung von tropischen Schirmbäumen oder mediterranen Pinien funktioniert .
Ferner wurde auch darauf hingewiesen, dass es (bisher leider nur) für das iPad ein App, genannt : "Mattheck" gibt, mit dem man die Bücher Matthecks zu einem vergünstigten Preis online erwerben kann, wobei Neuerungen und Ergänzungen hierfür kostenfrei als "Update" zur Verfügung gestellt werden.

App Mattheck App Store

Anschließend wurde auch eine neue "Schablone", gewissermaßen ein Multifunktionsgerät für die Baumbeurteilung vorgestellt. Dieses Tool ermöglicht eine Schlankheitsmessung, beinhaltet einen Winkelmesser für VTA möglicherweise kritische Zwiesel, zeigt die optimierten Konturen der Kronenform der meisten mitteleuropäischen Laubbaumarten als nicht dogmatischen Vorschlag für Schnittmaßnahmen und den nach der Kraftkegelmethode hochbelasteten Wurzelbereich von Bäumen!

Als Hauptthema der Tagung wurde anschließend von Mattheck und dem Doktorand Sascha Haller das Modell der nach der Kraftkegelmethode als hochbelastet zu definierende Wurzelbereich von Bäumen, gewissermaßen die „mechanische Raumanforderung“, ausführlich vorgestellt und erklärt. Tatsächlich erlaubt dieses Modell ein deutlich vertieftes mechanisches Verständnis der Funktion des Wurzelbereiches von Bäumen, das bei vielen Teilnehmer Begeisterung, bei einigen gar Ergriffenheit ob der neuen Erkenntnistiefe hervorrief. Das Modell wurde überzeugend mit vielen berechneten Beispielen und Beispielen aus der Praxis belegt und mit anderen Ansätzen verglichen.

Am zweiten Tag erklärte Dr. Karl-Heinz Weber die Funktion der Wurzel als Antiplastifizierungsmaßnahme, d.h. die Bäume trachten den Boden u.a. durch „Verriegelung der Scherfläche“ zu verfestigen, und wie Auswirkungen von Wurzelfäulen nach dem neuen Wurzelmodell zu betrachten sind, wenn Fäule den nutzbaren Ankerbereich reduzieren.

Jüngst ist bevorzugt in Südwestdeutschland der „Spindelige Rübling“ (Gymnopus fusipes (Bull.) Gray (1821), Syn.: Collybia fusipes (Bull.: Fr.) Quel.) im Zusammenhang mit massenhaften Auftreten der Fruchtkörper und Baumwürfen durch Wurzelfäule auffällig geworden. Weber stellte die assoziierten Symptome (u.a. Kronenverlichtung, Totholzbildung, angeschwollene Wurzelanläufe) und die Charakteristik der Holzfäule vor, eine zunehmende „selektive“ Delignifizierung (Holzerweichung).

Das Thema der Baumveredelung wurde durch Erklärungen von Wolfgang Leder zu verschiedenen Methoden der Veredelung zur Kreierung von Bäumen mit definierten Anforderungsprofilen eröffnet.
Prof. Dr. Claus Mattheck stellte dann Möglichkeiten eines neuen „Stichprobentestes“ an Veredelungen und deren Aussagefähigkeit vor. Die Problematik von „liegenden“ Holzstrahlen, die in Veredelungen als „potenzielle Querrisse“ auftreten können, wurde ein weiteres mal bestätigend vorgetragen und ergänzt. Zusätzlich wurde verdeutlicht, dass Rindeneinschlüsse oder Einschlüsse von Korkgewebe in der „Verwachsungszone“ diese Problematik verschärfen können.

18. VTA-Spezialseminar
Von allen Plätzen kann den Ausführungen der Referenten ohne Einschränkungen gefolgt werden.

Dieter Keck von der BASF berichtete über Methoden und Kosten von Sanierungen von problematischen Wurzelbereichen von Bäumen unter Parkplätzen und Betriebsflächen. Besonders interessant erscheint seine betriebswirtschaftliche Begründung und Herleitung für die Projektierung von Maßnahmen, die anderswo durchaus schon einmal als teurer Luxus für die Bäume betrachtet werden könnten.

Ass. Jur. Oliver Wittek trug, in der bewährten kompetenten verständlichen Weise der letzten Jahre die Essenz beachtenswerter Urteile zum „Themenbereich Bäume“ vor. Wirklich überraschendes war nicht dabei; dass Naturschutzbelange beachtet werden und geschützte Bäume ohne Vorliegen substanzieller Begründungen nicht gefällt (aber ggf. beschnitten) werden können, entspricht einer Verfestigung der bekannten Tendenzen.
Beachtenswert ist ein noch nicht abgeschlossener Rechtsstreit, in dem es u.a. um Verkehrssicherung im Wald geht. Während das LG Saarbrücken eine solche weitgehend verneinte, urteilte das OLG Saarbrücken, dass die VSP im Wald differenzierter zu betrachten wäre und in diesem besonderen Fall doch eine Pflichtverletzung vorgelegen hätte (u.a. stark begangener Hauptweg, wohl eher sehr offensichtlicher Gefahrenbaum). Das Urteil befindet sich derzeit in der Revision beim BGH.

Weiter führte Wittek aus, dass VTA über die Anerkennung in Praxis und vor Gericht hinaus auch Eingang in zahlreiche nationale und internationale Regelwerke gefunden hat. Durch die internationale Verbreitung und Anwendung spielt VTA auch bei ausländischen Gerichten eine Rolle. Beispielhaft wurde ein Urteil aus Großbritannien, beim High Court of Justice (dem höchsten britischen Zivilgericht) erläutert, bei dem dezidiert Grundsätze der VTA-Methode bei der Entscheidungsfindung beachtet wurden.

Nach dem langen gehaltreichen Vortragsteil nutzten viele Gäste die Gelegenheit für ausführliche Nachfragen, sodass sich eine lange und interessante Abschlussdiskussion ergab.

 
Referenten und Organisation
Das VTA-Team 2012
v.l.n.r.: Wolfgang Leder, Oliver Wittek, Erich Hunger, Erika Koch, Claus Mattheck,
Dieter Keck und Sascha Haller
 
Das 19. VTA-SpezialseminarMESSEN UND BEURTEILEN AM BAUM
findet am 7. und 8. Mai 2013, im FTU- Fortbildungszentrum für Technik und Umwelt
des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Campus Nord (ehemals Forschungszentrum) statt.
 
Text/Fotos:
NICOLAS A. KLÖHN

Sachverständigenbüro für Bäume
Von der IHK Berlin öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bruchverhalten, Verkehrssicherheit und Vitalität von Bäumen sowie für holzzersetzende Pilze in Bäumen
Dahlmannstraße 2
10629 Berlin
Mobil: 0177 - 230 10 51
www.baumdiagnostik.de
 
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