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Operation gelungen, Patient tot

Fatale Auswirkungen von Streusalz auf die Gesundheit von Straßenbäumen

Winterdienst

 

(10.1.2016) Jedes Jahr werden in Deutschland durchschnittlich 1,5 Millionen Tonnen – im letzten richtig harten Winter im Jahr 2010 waren es sogar über 4 Millionen Tonnen – Streusalz ausgebracht, um Straßen und Wege von Schnee und Eis zu befreien und so Verkehrsunfälle mit Personenschäden zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Streusalz kann also Leben retten; leider aber an anderer Stelle auch todbringende Folgen haben, z. B. auf die Gesundheit von Straßenbäumen. Dabei gibt es heute chloridfreie Alternativen, die auf besonders gefährlichen Strecken zur Abstumpfung bzw. zur Befreiung von Eis und Schnee eingesetzt werden können, ohne Bäume und Boden nachhaltig zu schädigen.

 

Dass man mit konzentrierten Salzlösungen Bäume umbringen kann, ist hinlänglich bekannt. In einigen Garten- und Nachbarschafts-Foren wird diese Methode sogar ausdrücklich empfohlen, um unliebsame Bäume unauffällig zu beseitigen. Was dort hinterhältig und illegal ist, wird im öffentlichen Verkehrsraum durch den Einsatz von Streusalz legal und systematisch angewendet – wobei die Folgen für die Opfer identisch sind: Die Bäume trocknen aus und sterben ab.

Dieser Prozess ist schleichend und kann je nach ausgebrachter Streusalzmenge Jahre dauern. Dabei setzt sich das Natriumchlorid zunächst im Boden fest, wo es sich immer weiter konzentriert und den Nährstoffhaushalt der

Blattrandnekrose
Streusalzschaden. Foto: Horst Jürgen Schunk

Pflanzen nachhaltig verändert. Die nehmen salzreiches Bodenwasser über die Wurzeln auf und transportieren es in ihre Gewebe. Beim Blattaustrieb im Frühjahr gelangt das Salz schließlich in die Blätter, die ihre Spaltöffnungen an den Unterseiten nicht mehr verschließen können, Wasser verdunsten und langsam austrocken. Braune, abgestorbene Blattränder, sogenannte Nekrosen sind die äußerlich sichtbaren Folgen.

Fatal dabei ist die Tatsache, dass gerade die häufig angepflanzten Arten wie Kastanien, Ahorne oder eben auch Linden besonders salzempfindlich sind. Eine im Jahr 2012 durchgeführte Analyse des Salzgehaltes im Laub und im Boden dieser Baumart zeigt enorm erhöhte Werte. Der beauftragte Gutachter Meyer-Spasche beziffert hier die für Linden als „normal“ anzusehenden Gehalte an Streusalz im Gewebe von einem Kilogramm der Blätter: Chlorid – etwa 1.000 mg; Natrium – etwa 500 mg. Im Gewebe des untersuchten Laubes fand er allerdings 19.816 mg/kg Chlorid und 14.080 mg/kg Natrium. Im Wurzelbereich des Baumes waren es trotz der seit Winterende anzunehmenden Auswaschungsvorgänge immer noch 128 mg Na pro kg Boden; akzeptabel wären hier maximal 100 mg Na pro kg.


Grundsätzlich sind die mechanische Räumung und der Einsatz von abstumpfenden Streumitteln natürlich die beste Methode, um den Salzeinsatz im Winterdienst zu vermeiden. Es wird allerdings immer auch gefährliche Bereiche wie z. B. Steigungen, Treppen usw. geben, in denen die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer ohne Taumitteleinsatz stark gefährdet wäre. Gleiches gilt bei extremen Witterungsbedingungen wie z. B. spontanem Eisregen. Eine erste Maßnahme kann hier die Umstellung auf die Solesprühung sein, bei der erhebliche Mengen Salz eingespart werden können. Doch auch bei dieser Methode gelangen immer noch Chloride in den Boden, so dass die Baumschäden wahrscheinlich nur länger herausgezögert, nicht aber vollständig ausgeschlossen werden können. Dies ist nur beim vollständigen Verzicht auf Streusalz der Fall.

Studien mit Calcium-Magnesium-Acetat und Kaliumformiat in Dänemark

Dass es auch anders geht, beweisen Studien mit Umwelt- und baumfreundlichen Streusalz-Alternativen Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) ICE & DUST-AWAYund Kaliumformiat. In der dänischen Gemeinde Furesø nur wenige Kilometer nördlich von Kopenhagen wird der Einsatz von CMA seit zwei Jahren auf einer 3 km langen Strecke getestet. Vor drei Jahren wurden hier neue Bäume mit Stauden als Unterwuchs gepflanzt und seitdem als Taumittel ausschließlich CMA verwendet. In Kopenhagen dagegen wird seit vier Wintern Kaliumformiat auf einer 1 km langen Allee mit 145 Linden getestet.


CMA ist als 25 %-ige Lösung unter dem Namen ICE & DUST-AWAY 25 und als Gemisch mit Kaliumformiat als ICE & DUST-AWAY PLUS erhältlich. ICE & DUST-AWAY 25 ist mit dem Umweltkennzeichen „Nordischer Schwan“ ausgezeichnet und erfüllt damit höchste Ansprüche an die umweltfreundlichen Eigenschaften von Winterdienstmitteln. Beide Produkte sind biologisch leicht abbaubar und enthalten keine Chloride. Ohne neue Niederschläge wirken ICE & DUST-AWAY 25 und ICE & DUST-AWAY PLUS 2-3 Tage lang und verhindern zuverlässig die Entstehung neuer Eisschichten und festgefahrener Schneedecken. ICE & DUST-AWAY 25 ist bis -13 °C einsetzbar, ICE & DUST-AWAY PLUS, durch den Zusatz von Kaliumformiat, bis zu Temperaturen von -18 °C. Die Ausbringung dieser flüssigen Taumittel erfolgt mit herkömmlichen Fahrzeugen für die Soleausbringung. Die ersten Ergebnisse mit CMA und Kaliumformiat aus Dänemark sind sehr vielversprechend.

Auf den ersten Blick sind die alternativen Winterprodukte natürlich deutlich teurer als herkömmliches Streusalz. Berücksichtigt man jedoch die Tatsache, dass der durch den Streusalzeinsatz erhöhte Pflegeaufwand von Stadtbäumen und Grünanlagen komplett entfällt bzw. zumindest deutlich reduziert werden kann, dann relativiert sich die Mehrausgabe bereits beträchtlich. Maßnahmen wie zusätzliche Düngergaben, Bewässerung im Sommer oder ein regelmäßiger Bodenaustausch sind beim Verzicht auf Streusalz nicht mehr notwendig, ganz zu schweigen von einer kostenintensiven Neupflanzung oder auch dem Verlust an Lebens- und Wohnqualität, wenn ein Stadtbaum nicht mehr gerettet werden kann. Hinzu kommen noch die Kosten für den hohen Verschleiß an Streuwagen bzw. Ausbringungsgeräten beim Einsatz von Streusalz, das stark korrosiv wirkt und binnen relativ kurzer Zeit die Geräte zerstört. Genaue Zahlen können hier allerdings erst nach einigen Jahren genannt werden, wenn die zuständigen Stellen die konkreten Einsparungen jeweils exakt beziffern können.

logoInformationen zum Unternehmen RAW
RAW ist der Spezialist für Lösungen und Produkte in den Bereichen Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Das familiengeführte und europaweit agierende Unternehmen mit Sitz in March-Hugstetten bei Freiburg im Breisgau bietet Endanwendern über ein breites Netz an autorisierten Fachhändlern ein umfangreiches Sortiment speziell für die Leckage- und Havariebewältigung an. Begleitend dazu hat sich RAW zur Aufgabe gemacht, die Nachhaltigkeit bei der Beratung und Auswahl von Produkten in den Vordergrund zu rücken. Daher umfasst das Leistungsspektrum ein immer größer werdendes Angebot an ökologischen Alternativprodukten wie z. B. im Bereich Winterdienste.
Begleitend dazu bietet RAW allen Fachhändlern ein umfangreiches Dienstleistungs- und Vermarktungspaket an. Dieses ermöglicht dem Handel, seine Kunden stets kompetent zu beraten und ihnen dadurch größtmögliche Zufriedenheit bei der Anwendung zu gewährleisten. Unterstützend können sich sowohl Fachhändler als auch Endanwender direkt bei RAW beraten lassen. Hierfür stehen neben telefonischen und digitalen Serviceangeboten auch persönliche Ansprechpartner deutschlandweit vor Ort zur Verfügung.

(RAW)

 

Weitere Informationen

RAW

Tausalz - Baumschäden durch Winterdienst

Achtsamer Winterdienst schützt Bäume

Streusalz: Sicherheit für den Verkehr – Belastung für die Umwelt

 

Fotonachweis:

Titel (pixabay.com)

Produktfoto und Logo (RAW)
Streusalzschaden (Horst Jürgen Schunk)

 


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Saltytrees

Saltytree
→ Ein "salziges" Drama...
Ein lesens- und sehenswerter Blog mit beeindruckenden Dokumenten vom gedankenlosen Umgang mit Streusalz...
(Grafik: red, unter Verwendung
eines Fotos von Cornelia Kopp CC BY 2.0 )
linie
 
Aufkleber
Diese Aufkleber, initiiert von Horst Jürgen Schunk, sollen in Coburg dafür werben, mehr Splitt statt Streusalz auf Gehwegen einzusetzen. Nachahmenswert!
Grafik: Horst Jürgen Schunk
 

Aufkleber Streusalz tötet Bäume
Aufkleber des BC Coburg

Grafik: Horst Schunk

 

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