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Das überraschende Siechtum eines vitalen Baumes

Fällung einer mächtigen Roteiche gibt Rätsel auf

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Symbolfoto: kes


(27.6.2017) Der Verlust eines mehr als 100 Jahre alten Baumes erschütterte die Anwohner rund um die Brucknerallee, der grünen Lunge Rheydts, einem Stadtteil von Mönchengladbach. Einer der schönsten, und prächtigsten der dort stehenden Bäume, eine Roteiche, 30 Meter hoch und über hundert Jahre alt, ist seit Februar dieses Jahres nicht mehr. Dabei war der Baum im Juni 2014 noch als „uneingeschränkt standsicher und gesund“ eingestuft worden.


Laut dem Bauherrn, der auf dem Areal mehrerer Neubauten errichten will, lag eine offizielle Fällgenehmigung vor. Demnach befand sich die Roteiche auf einem Privatgrundstück. Der Käufer des Grundstücks habe aus Sicherheitsgründen ein Gutachten für den Baum in Auftrag gegeben. Laut Gutachten war die Roteiche an einem Pilz erkrankt, woraufhin die „Mags“ (Mönchengladbacher Abfall-, Grün- und Straßenbetriebe AöR) die Fällung genehmigt habe. Laut der Behörde hatte der Baum eine schlechte Vitalität, bedingt durch Erkrankungen wie den Eichenfeuerschwamm und den sparriger Schüppling. Dadurch war die Standsicherheit des Baums stark gefährdet. Doch eine spätere Akteneinsicht ergab: Von einem Gutachten keine Spur! Die Stadt berief sich allerdings auf mehrfache Prüfungen ihrerseits, die nur den Schluss einer Fällung zugelassen hat.

 

Von einem Gutachten keine Spur!

 

Die Baumschutzverordnung der Stadt besagt, dass alle ein- und mehrstämmigen Bäume, die einen Stammumfang von mindestens 80 Zentimetern haben, gemessen in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden geschützt, sind. Die Roteiche hatte einen Stammumfang von 4,75 Metern. Gefällt werden dürfen diese Bäume laut Baumschutzverordnung nur in wenigen Ausnahmefällen. „Einen solchen Baum fällt doch niemand freiwillig“, so der Bauherr. Bei den Anwohner überwog die Skepsis und sie starteten eine Unterschriftenaktion, um Akteneinsicht einzufordern.

 

Chronologie rund um die Roteiche


Nachdem im späten Frühjahr dieses Jahres Akteneinsicht genommen werden konnte, erstellte Dr. Ulrich P. als Anwohner der Brucknerallee eine Chronologie rund um die Roteiche.
Demnach wurde im Dezember 2013 das Grundstück vom Bauträger erworben. Im Zusammenhang mit dem Bau von vier Einfamilienhäusern auf dem Areal wurde am 12. Juni 2014 ein Baumgutachten abgegeben. Drei Laubbäume wurden untersucht [...] die besagte Roteiche wird als sehr vital, Belaubung arttypisch vollständig und augenscheinlich gesund, zum Zeitpunkt der Überprüfung als uneingeschränkt standsicher und gesund beurteilt.
Im November 2015 beantragt der Bauträger einen Rückschnitt, damit es mit dem Baukran keine Probleme gibt und der Baum nicht beschädigt wird. Die Stadt stimmt dem Rückschnitt zu.
Für eine Wurzelbrücke der Roteiche will der Bauträger im April 2016 30.000 Euro aufwenden.
Am 1. Dezember 2016 stellt die zukünftige Eigentümergemeinschaft der Neubauten überraschend einen Fällantrag für die Roteiche.


Am 16. Januar 2017 heißt es im Prüfungsbericht der „Mags“: Die Roteiche weist eine Vitalität von 3 auf. Der Grad der Schädigung ist als stark geschädigt einzustufen. Im Kronenbereich gibt es einen Eichenfeuerschwammbefall, im Stammfußbereich ist rundherum der Sparrige Schüppling. Eine spätere handschriftlche Ergänzung lautet: Die Stand- und Bruchsicherheit ist nicht mehr gewährleistet.
Am 17. Februar 2017 wird die Fällgenehmigung erteilt.

 

Wann, wie und durch wen dieser Zustand herbeigeführt wurde ist (noch) nicht bekannt,
gleichwohl ist das allzu überraschende Siechtum des Baumes ein Astloch des Monats wert...


...meint Ihr

 

Balduin Baumweh

 

 

 

Quellen:
RP Online
Extra-Tipp am Sonntag


 

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Das Astloch des Monats

ist unter
CC BY-NC-SA 4.0 lizenziert
Namensnennung: kes/arboristik.de

 

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