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Kirchengemeinde lässt 100 Linden fällen

Ersatzpflanzung von 58 Säuleneichen noch in diesem Jahr geplant


Kirchengemeinde lässt 100 Linden ohne Genehmigung fällen
Illustration: kes

 

 

(4.4.2016) „Traurig“, „Schande“, „Frevel“, der Kahlschlag auf einem stillgelegten Friedhof in Mennighüffen, einem Stadteil der ostwestfälischen Stadt Löhne, lässt niemanden so richtig kalt. Vor rund 25 Jahren wurden im Zuge der Neugestaltung eines ausrangierten Gottesacker dieser mit Winterlinden bepflanzt. Im laufe der Jahre entwickelt sich so eine, von den Bürgern gern genutzte Grünanlage.
Am 18. Februar dieses Jahres jedoch hatte es ein Ende mit der Idylle, denn die Kirchengemeinde ließ 100 gesunde Bäume ohne Vorankündigung fällen. Sogar der Herr Pfarrer bestätigte, dass die Bäume kerngesund gewesen seien, aber seinerzeit falsch gepflanzt wurden
.


Ein Baumsachverständiger habe festgestellt, dass die Bäume in zu kleinen Abständen und zu dicht an den Wegen gepflanzt wurden. Als Ergebnis konnten sich Wurzeln und Kronen nicht ausreichend Platz verschaffen. Dies habe zu vereinzelten Schiefständen geführt.
screenshotDer Kirchengemeinde blieben nur drei Alternativen um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Komplette Sperrung des Areals, radikaler Kronenrückschnitt mit regelmäßigen baumpflegerischen Nacharbeiten oder aber die kostengünstige Alternative: Eine Fällung der Bäume, was dann auch geschah.
Bei der Stadtverwaltung Löhne, stieß diese Fällorgie auf wenig Verständnis, denn die Kirchengemeinde versäumte es, eine Fällgenehmigung einzuholen. Die Stadt eröffnete somit ein Anhörungsverfahren, da man sich bei einer solch radikalen Maßnahme die betroffenen Bäume in der Regel gerne vorher anschaut, ob denn eine Fällung tatsächlich vonnöten ist und ob gar die Löhner Baumschutzsatzung zur Anwendung kommt.
Warum die Kirchengemeinde einen Gutachter beauftragt, die Stadt bei der ganzen Angelegenheit aber außen vorlässt, bleibt ein Rätsel. Immerhin, im österlichen Gemeindebrief gestand die Kirchengemeinde ihren Fehler ein und bat Bürger und Rat um Vergebung.


Auch wenn es in dem im Gemeindebrief veröffentlichten Gutachterzitat heißt: „Es ist auch damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren an weiteren Linden Wurzelschäden auftauchen, weil alle Linden zu dicht am Weg stehen,“ bedeutet dies nicht zwangsläufig die radikalste aller möglichen Alternativen, offenbar aus rein finanziellen Gründen zu wählen, denn mit ein wenig Geduld und Kreativität wäre auch eine andere Lösung möglich gewesen.

 

Das Astloch des Monats Februar 2016 gebührt der Kirchengemeinde Mennighüffen, weil die Kirche zwar stets die Bewahrung der Schöpfung beschwört, mit der radikalen Abholzung der Linden aber hat sie zweifellos einer Vielzahl von Arten und Individuen die Lebensgrundlage zerstört!



...meint Ihr

Balduin Baumweh

 

 

 

Quellen:
Neue Westfälische
Gemeindebrief: „Zum Hintergrund der Baumfällungen auf dem Kreuzfriedhof“

Screenshot: kes


 

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