Baum&Natur - Baumschutz

Baumschutz  |  Bäume  |  Wald  |  Natur  |  Fundsachen

 

 

Vollendete Tatsachen

BUND empört über Fällung von 30 Platanen einer innerstädtischer Allee

Astloch des Monats-Halle (Saale). Nicole Hermes

Foto: Nicole Hermes, BUND Halle/Saale / kes

 

(14.1.2019) Für eine neue Stadtbahn-Trasse und der Neuanlage des Kreisverkehrs an einem Verkehrs-

knotenpunkt in Halle (Saale) sind am 19. Dezember des vergangenen Jahres 30 Platanen des Altbaum-

bestandes gefällt worden.

 

Heideallee, Halle (Saale)
Blick von Norden auf die Heideallee in Heide-Süd in Halle (Saale) im April 2017.
Foto: Pomfuttge / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte im Vorfeld die geplanten Fällungen, bemängelt die veralteten artenschutzrechtlichen Unter-

suchungen und forderte eine Überarbeitung der Pla-

nungen. So wurde fristgerecht eine ausführliche Stel-

lungnahme eingereicht: „Die betroffenen Platanen ha-

ben stadtprägenden Charakter, sind Teil des Natur-

denkmals „Ahornblättrige Platanen (Heide-Allee)“ und die einzige vierreihige Platanenallee in den neuen Bundesländern. Die Alle und 23 weitere Bäume sind zudem durch die Baumschutzsatzung der Stadt Halle geschützt und dürfen nur bei Erteilung einer Ausnah-

megenehmigung gefällt werden.
Die Durchführung des Bauvorhabens würde das Flächennaturdenkmal nicht nur unwiederbringlich zerstören, unter den zu fällenden Bäumen sind auch mindestens 14 Bäume mit hohen ökologischen Qualitäten, die für geschützte Tierarten nutzbare Strukturen aufweisen. Auf zahlreichen Platanen leben mindestens zwei holzbewohnende Käferarten, im Zuge der Fällungen käme es zum Verlust von 12 Brutbäumen dieser Arten...“


Von hoher ökologischer Qualität


Daraufhin wurde dem BUND von Seiten der Genehmigungsbehörde zugesichert, rechtzeitig vor Erteilung der Ausnahmegenehmigung zur Fällung informiert zu werden. Vom Beginn der Fällarbeiten hat der BUND letztendlich aber erst zufällig am Vorabend – wenige Stunden bevor der erste Baum gekappt wurde – aus der Presse erfahren. Dabei ist die den Artikeln zugrunde liegende Pressemitteilung der HAVAG (Hallesche Verkehrs-AG) – welche sich in erster Linie und vor allem auf die Verkehrsumleitung während der Fällarbeiten bezog – teilweise falsch: So ist zu lesen, dass „im Rahmen der öffentlichen Beteiligung aller anerkannten Naturschutzverbände […] alle Einwendungen hinreichend erörtert werden“ konnten. Dies ist nicht der Fall. Die vorgebrachten Einwendungen zu Konflikten mit dem Artenschutz konnten durch die Vorhabenträgerin HAVAG nicht ausgeräumt werden, ebenso wurden auch die Einwendungen weiterer Teilnehmer*innen nicht entkräftet. Dies ist im Protokoll zum Erörterungstermin nachzulesen.

 

Fällungen mit geltendem Artenschutzrecht nicht vereinbar


Dass die Fällungen genau vor Weihnachten stattfinden, wo ein Großteil der Bürger*innen mit Planungen für die Feiertage beschäftigt und viele gar nicht in Halle sind, hat dabei ein besonderes Geschmäckle. Auch dass bereits zwei Tage nach Eingang der Ausnahmegenehmigung sämtliche Bäume gefällt sind, lässt vermuten, dass die HAVAG – anders als die anerkannten Naturschutzverbände und weitere Einwender*innen – bereits vorab von der Erteilung der Genehmigung wusste. Und dies, obwohl für die Ausstellung der Genehmigung notwendige, aber fehlende Unterlagen erst zwei Wochen vor Fälltermin durch die HAVAG nachgereicht worden sind – ohne dass diese noch einmal zur öffentlichen Ansicht ausgelegt worden sind. „Es wird unweigerlich der Eindruck erweckt, dass hier aus Angst vor einer Bürger*innenmobilisierung zwischen der Stadt, der Vorhabenträgerin HAVAG und der Genehmigungsbehörde Stillschweigen vereinbart und die Fällungen in einer Art Nacht- und Nebelaktion durchgeführt wurden“, so Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt.


Der BUND bleibt bei seiner Position, dass die Fällungen mit geltendem Artenschutzrecht nicht vereinbar sind und die geplanten Ersatzmaßnahmen nicht ausreichen, um einen äquivalenten Ersatz in räumlichem Zusammenhang zur Eingriffsfläche zu schaffen. Die jungen Bäume der Ersatzpflanzungen können die Ökosystemdienstleistungen der Altbäume hinsichtlich Stadtklima und Habitatangebot über mehrere Jahrzehnte nicht ersetzen. Zudem sind sie deutlich anfälliger für Trockenstress, ein Überleben in Zeiten von Klimawandel und Dürre ist selbst bei aufwändigen und kostspieligen Gieß- und Pflegemaßnahmen über Jahre hinweg ungewiss.


 

Das letzte Astloch des Monats für das Jahr 2018 gebührt den Verantwortlichen
dieser, dem geltenden Artenschutzrecht widersprechenden,
Abholzaktion...

...meint Ihr

 

Balduin Baumweh

 

 

 

Quelle:
BUND Sachsen-Anhalt

 

 

zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 

Weitere Berichte zum Thema Baumschutz finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

 

Über den Tag hinaus - Leben mit Bäumen. Ehrenamtliche Arbeit für unsere Bäume
Das Astloch des Monats

Horst Schunk, Über den Tag hinaus Horst Schunk, ein engagierter Baumschützer berichtet über praktizierten Baumschutz...über Erfolge, aber auch über Niederlagen.
Über den Tag hinaus - Leben mit Bäumen. Ehrenamtliche Arbeit für unsere Bäume

 

facebook
Horst Schunk bei Facebook
 
Creative Commons Lizenzvertrag
Das Astloch des Monats

ist unter
CC BY-NC-SA 4.0 lizenziert
Namensnennung: kes/arboristik.de 

 

 


2003 - 2019 - arboristik.de - All rights reserved

Ahornblättrige Platanenallee