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Reutlinger Schnurbaummisere

Statt üppig grünem Baldachin „einbetonierte Stängel“


Reutlinger Schnurbaummisere
Foto: Zollernalb / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

 

(9.1.2017) Es war so schön gedacht, ein opulentes grünes Band der Baumkronen von 69 Japanischen Schnurbäumen als Kontrast zur strengen Architektur der neuen Stadthalle, dem neuen 46­ Millionen­ Euro teuren kulturellen Mittelpunkt der Stadt. Aber bis dato bleibt es nur eine schöne grüne Vision der Planer und Architekten. Die Bäume, der Volksmund spricht von „einbetonierten Stängeln“, machen einen trostlosen Eindruck. Anstelle satten Grüns begrüßt viel Grau die Besucher.


Sollte das von der Stadt beauftragte Gutachterbüro, welches die Misere um die Bäume klären sollte, in seiner Beurteilung recht behalten, müssen die Reutlinger noch eine ganze Weile auf die Erfüllung der Planervisionen warten. Die Stadtverwaltung möchte die Schuldfrage geklärt wissen, denn die Schäden an den Bäumen sind unübersehbar.
Es reiht sich eine Panne an die andere, so das Gutachterbüro. In aller Ausführlichkeit hat es dokumentiert, was alles schiefgelaufen ist. Anders als in der Planung vorgegeben sind viel zu klein bemessene Pflanzgruben angelegt worden. Zudem sind die Bäume zu verschieden, um jemals gleiches Aussehen zu haben. Sie enstammen nicht einer Charge, sondern aus zwei Chargen.
Auch wiesen die Gehölze laut Gutachten ein unterschiedliches Alter auf. Weiter sind die einen aus Sämlingen gezogen worden, die anderen dagegen aus einer veredelten Form. Die Bäume der einen Charge entwickeln eine ausladende Krone, die der anderen Charge dagegen eine steilere Krone.

Doch damit sind der Fehler nicht genug begangen worden. Ein Teil der Bäume ist im Januar 2013, mitten im Winter, kurz vor der Eröffnung der Stadthalle gepflanzt worden. Die frostempfindlichen Pflanzen standen tagelang ohne einen Wurzelschutz auf der Baustelle, bemängelten die Gutachter.


Das Planungsbüro, welches den Bürgerpark entworfen und das Bauvorhaben überwacht hat, weist alle Schuld von sich. Die Fehler machen offenbar immer die anderen. Versäumnisse und Fehler aber haben sich wohl mehrere der Beteiligten vorzuwerfen, die Baumschule, die Planer, die Baufirma und auch diejenigen Personen der städtischen Projektgruppe, die es zuließen, dass mitten im Winter Bäume gepflanzt werden

.
Wenn auch auf das Wachsen der Bäume (bislang vergeblich) gewartet wird, zumindest die Kosten wachsen kontinuierlich. Der Schaden, den die Kommune infolge der Bau­- und Planungsfehler hat, wird auf rund 360000 Euro geschätzt. Um den finanziellen Schaden für die Stadt Reutlingen komplett zu machen, wuchs nun auch das mit dem Gutachterbüro vereinbarte Honorar von ursprünglich 25000 Euro auf mittlerweile stolze 192000 Euro an.
Laut der STUTTGARTER ZEITUNG kritisierte der von der Stadt beauftragte Anwalt die Honorarforderung des Gutachterbüros als „Wahnsinnsbetrag“, schließlich habe man keine „botanische Dissertation“ bestellt. Gezahlt wurden schließlich 75 000 Euro, ob ein Rechtsstreit folgt, ist offen.

 

 

Das Astloch des Monats Dezember 2016
an die Verantwortlichen für Planung und Ausführung der Reutlinger Schnurbaummisere.
..

 

...meint Ihr

Balduin Baumweh

 

 

 

Quelle: Stuttgarter Zeitung, Stadt Reutlingen

 

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