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Alleen in Europa, gestern, heute, morgen...

...in Deutschland ohne Zukunft

Ahornallee auf Rügen
Ahornallee auf Rügen, Foto: BUND


(4.1.2016) Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die Landesregierung auf, die Federführung zur Anpassung der „Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeugrückhaltesysteme“ (RPS 2009) an den in 11 Bundesländern geltenden gesetzlichen Schutz für Alleebäume zu übernehmen. Die vom BUND gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern veranstaltete Alleentagung am 4.11.2015 zeigte starkes internationales Interesse am gesetzlichen Alleenschutz in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern.


Gemeinsam mit 10 Autoren aus 10 europäischen Ländern hat der BUND ein Buch zum Kulturerbe Europäischer Alleen herausgebracht. Aus Polen, Tschechien, Frankreich, Spanien, Belgien, Schweden, England, den Niederlanden und Russland schildern ausgewiesene Experten die Situation und Schönheit der straßenbegleitenden Alleebäume. Den Bildern von mystischen Baumriesen und hoffnungsvollen Pflanzaktionen wird sich kaum jemand entziehen können.

 

Gleichzeitig würde auf Bundesebene die Zukunft der Alleen in Deutschland abgeschafft.

Ahornallee Westmecklenburg
Ahornallee Westmecklenburg, Foto: BUND

„Bei Umsetzung der ´Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeugrückhaltesysteme´ in der jetzigen Form haben Alleen in Deutschland keine Zukunft“, sagt Katharina Brückmann, Expertin Alleenschutz BUND Mecklenburg-Vorpommern

Durch Straßenbaumaßnahmen und aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses kommt es zu Fällungen von Straßenbäumen. Um die Alleenlandschaft zu erhalten, müssen deshalb nicht nur Lücken geschlossen, sondern auch kontinuierlich neue Alleen angepflanzt werden. Derzeit sollen jedoch gemäß RPS 2009 an Bundes- und Landesstraßen bei Neuanpflanzungen Pflanzabstände zum Straßenrand von mehr als 7,50 Meter eingehalten werden, wenn auf Fahrzeug-Rückhaltesysteme, also auf den Bau von Leitplanken, verzichtet wird. „Dabei ist laut RPS nur die zulässige Höchstgeschwindigkeit, nicht jedoch die Verkehrsbelastung entscheidend. Deshalb würde diese Regelung auch auf untergeordneten Straßen umgesetzt werden müssen. Tatsächlich gibt es Bestrebungen der Straßenbehörden in Mecklenburg-Vorpommern selbst an ländlichen Wegen Leitplanken zu bauen, wenn Alleen gepflanzt werden. In Niedersachsen werden Fördermittel für den Straßenbau verweigert, wenn die ‚Hindernisse‘ nicht vorher beseitigt werden. In Sachsen und Bayern sind sogar Alleebäume mit Hinweis auf die RPS 2009 gefällt worden.“ so Brückmann.

 

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) lehnt Anpassung der RPS ab

Bäume beziehungsweise Alleen werden in der RPS 2009 gar nicht erwähnt. Das war auch das entscheidende Kriterium, warum Umweltbehörden, Umwelt- und Landschaftsverbände nicht an der Erarbeitung der RPS 2009 beteiligt wurden. Trotzdem haben das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutschen Versicherungsrat (DVR) angefangen, diese Richtlinien für Straßenbäume anzuwenden. Hier liegt das Problem. Wenn der Umgang mit Bäumen im Straßenraum über die RPS geregelt werden soll, muss die RPS 2009 überarbeitet werden unter Beteiligung der für Straßenbäume zuständigen Behörden, Verbände und Organisationen.

Katharina Brückmann vom BUND: „Mit der Anwendung dieser Richtlinien setzen sich Straßenbaubehörden über gültige Umweltgesetze hinweg. In 11 Bundesländern stehen Alleen unter gesetzlichem Schutz. Nicht nur der kulturhistorische Wert und der hohe Wert der Alleebäume für Natur und Umwelt, auch die positiven Wirkungen der Alleebäume auf die Verkehrssicherheit werden durch die RPS 2009 völlig außer Acht gelassen.“

„Da Mecklenburg-Vorpommern den umfassendsten gesetzlichen Alleenschutz hat und sich der Minister Dr. Till Backhaus öffentlich mehrfach zum administrativen Alleenschutz bekannt hat, fordert der BUND die Landesregierung auf, hier eine Koordinierung der obersten Umweltbehörden der Bundesländer zu übernehmen und gemeinsam eine Änderung, beziehungsweise Ergänzung der RPS 2009 in Bezug auf Neuanpflanzungen von Alleebäumen zu erwirken. Daran sollten dann auch die Umweltverbände beteiligt werden.“ sagt Corinna Cwielag BUND-Landesgeschäftsführerin in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Als Gegner einer Anpassung der RPS 2009 sieht der BUND vor allem den DVR. Beim Versuch, das Problem bei der Anwendung der RPS 2009 auf zwei parlamentarischen Abenden, einer Podiumsdiskussion beim DVR und einem Runden Tisch beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zu klären, beharrte der DVR darauf, dass Neuanpflanzungen an Straßen nicht erwünscht sind.

Katharina Brückmann: „Der DVR hält bislang an der sogenannten ´Vision Zero´ fest. Die `Vision Zero´ des DVR verfolgt das radikale Ziel, die Verkehrsumgebung so zu gestalten, dass sie menschliche Fehler ´verzeiht´, so dass es keinerlei Verkehrstote mehr geben kann. Jeder Autofahrer hat natürlich ein großes Interesse an größtmöglicher Verkehrssicherheit. Aber wir alle wissen: Freiheit und Individualismus haben ihren Preis, absolute Sicherheit gibt es im Leben nicht. ´Vision Zero´ wird diese Freiheit entweder total einschränken oder verlangt perfekte Menschen. Die ´Idee einer fehlerverzeihenden Straße´ scheint von einem abstrakten Perfektionswillen geprägt, die das Gegenteil von Lebensqualität zur Folge haben könnte. Deshalb gilt, dass trotz notwendiger Sicherheitsvorkehrungen bei der Anwendung des geltenden bundesweiten Regelwerkes RPS in Bezug auf Alleen und Baumreihen dringend Änderungen notwendig sind. Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt und die Vernunft darf nicht ausgeschaltet werden.“

 

Die Änderung der RPS 2009 fordern eine Reihe von Umwelt- und Landschaftsverbänden. Gemeinsam mit dem BUND haben Alleenschutzgemeinschaft e.V. (ASG), Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V., Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, Deutscher Imkerbund e.V., Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL), Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), Landesbund für Vogelschutz (LBV), Schutzgemeinschaft Deutscher Wald einen Zehnpunkteplan zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und gleichzeitig zum Erhalt der Alleenlandschaft verabschiedet.
(BUND)


 

Weitere Informationen

Hintergrund RPS (pdf, ca. 103 kb)

 

 

 

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