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Projekt „Neue Chancen für alte Bäume“

Das Bewusstsein für die Bedeutung von Stadtbäumen schärfen


Neue Chancen für alte Bäume
Foto: pixabay / CC0 1.0

 

(1.2.2018) Der Bayerische Naturschutzfonds fördert das Projekt „Neue Chancen für alte Bäume“ als Teil der gemeinsamen Aktion „Natur in der Stadt“ vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, LBV, Stiftung Mensch & Umwelt und BUND Naturschutz. Ein Schwerpunkt des Projekts ist eine Untersuchung zur Wirksamkeit von Baumschutzverordnungen.


„In Zeiten des Klimawandels mit steigender Hitzebelastung in den Stadtzentren sind Stadtbäume und innerstädtische Grünflächen als natürliche Klimaanlagen überlebensnotwenig für die Bevölkerung. Dennoch haben wir jedes Jahr dramatische Verlustzahlen bei Bäumen in Bayerns Städten“, äußert sich Prof. Dr. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz.

 

Die Sommermonate waren in den letzten Jahren gekennzeichnet von immer neuen Hitzerekorden. Prof. Dr. Paeth von der Universität Würzburg kommt in einer Studie hinsichtlich der Zunahme der Hitzetage für die Klimaregion im Maintal zwischen Schweinfurt und Aschaffenburg zu besorgniserregenden Ergebnissen: die Temperatur steigt bis 2100 um vier bis fünf Grad und die sommerlichen Trockenperioden weiten sich aus. Die bisher im Schnitt zwei Hitzetage (> 30°C) im Sommer werden bis 2100 auf 52 Hitzetage ansteigen.

 

Die Wichtigkeit von Stadtbäumen betont auch das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: „Sie werden künftig eine noch größere Bedeutung erlangen - für die Verbesserung des Stadtklimas, die Lebensqualität der Menschen und die Artenvielfalt“.

 

Bewusstsein für die positiven Effekte der Bäume im Siedlungsbereich schärfen


In Städten sorgt die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Beton und Asphalt durch den hohen Versiegelungsgrad zur Stauung der Hitze. Grünflächen spielen daher für die Klimatisierung einer Stadt eine sehr wichtige Rolle. Und vor allem Stadtbäume haben einen enormen positiven Effekt, ein ausgewachsener Laubbaum verdunstet an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser und entzieht dabei der umgebenden Luft Wärme. Außerdem

Dorflinde in Haselbach
Dorflinde in Haselbach. Foto: Rainer Lippert / CC0 1.0

sind sie effektive Schattenspender: Mit gerade einmal 15 m Kronendurchmesser schafft es ein einziger Laubbaum, eine Fläche von 160 m2 mit seinem Schatten zu kühlen. Vor diesem Hintergrund ist es umso dramatischer, dass in den meisten Städten Bayerns jedes Jahr eine große Zahl an Bäumen unwiederbringlich verloren geht.

Das Projekt „Neue Chancen für alte Bäume“ soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Situation und die positiven Effekte der Bäume im Siedlungsbereich zu schärfen und nachhaltig ihren Schutz zu gewährleisten. Neben der Erstellung einer Argumentationshilfe zu gesundheitlichen Wirkungen von Stadtnatur und der Konzeption einer Wanderausstellung zur Bedeutung und Funktion von innerstädtischem Grün, liegt der Schwerpunkt des Projekts darauf, die Effektivität von Baumschutzverordnungen zu untersuchen.

Eine häufige Sorge von Baumeigentümern, sie könnten für durch ihre Bäume verursachte Schäden haftbar gemacht werden, ist indes mit Blick auf die allgemeine Rechtslage unbegründet. Die Verkehrssicherungspflicht erfasst diejenigen Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger und in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig und ausreichend hält, um andere vor Schaden zu bewahren. Stürzt ein Baum bei einem Unwetter auf das Grundstück eines Nachbarn, muss der Besitzer nicht für Schäden bezahlen, wenn es sich um einen gesunden Baum gehandelt und der Besitzer ihn regelmäßig auf Schäden kontrolliert hat.

 

Für höhere Gewalt wird man nicht haftbar gemacht

 

Ein Fall des Oberlandesgerichts Düsseldorf (Urteil vom 23. Juli 2013 → Az. I-9 U 38/13) verdeutlicht die Frage der Verkehrssicherungspflicht in Bezug auf eine ca. 200 Jahre alte Eiche. Diese stand auf einem Privatgrundstück und stürzte während eines starken Sturms um und verursachte dadurch Schäden am Gebäude eines Nachbarn. Der Gebäudeversicherer des Nachbarn übernahm die Kosten für die Schadensbeseitigung und wollte vom Eigentümer des Baums das Geld zurückholen. Das Gericht entschied jedoch, es bestünde im konkreten Fall keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht, da die tatsächlich vorhandene Erkrankung der alten Eiche für einen Laien äußerlich nicht erkennbar gewesen war. Der Eigentümer musste nicht zahlen.

Auch wenn der Baum einer Bebauung im Weg ist, die nicht anders geplant werden kann, kann sich der Eigentümer eine Genehmigung bei der Stadt einholen. Diese ist erfahrungsgemäß auch nicht allzu schwer zu bekommen. Hier gilt nach der Rechtsprechung der Grundsatz, dass ein bebaubares Grundstück wegen Art. 14 GG nicht wegen einer Baumschutzverordnung zum „unbebaubaren“ Grundstück gemacht werden kann.

Da Baumschutzverordnungen erst ab einem bestimmten Stammumfang greifen, ist ein gängiges Vorurteil, dass die Bäume dann eben gefällt würden bevor sie „in die Verordnung hineinwachsen“. Dieses Vorurteil wird allerdings von einer Befragung widerlegt, die unter den 332 Mitgliedern der Gartenamtsleiterkonferenz beim Deutschen Städtetag durchgeführt wurde. Die dort befragten Experten wiesen diese Einschätzung mehrheitlich zurück.

 

Ein alter, klimabedeutsamer und stadtbildprägender Baum ist keine Privatangelegenheit

 

Viele Sorgen der Baumeigentümer sind völlig unbegründet und von einer Gängelung der Bürger, wie sie häufig von Gegnern der Baumschutzverordnung ins Feld geführt wird, kann keine Rede sein. Fällgenehmigungen können eingeholt werden, wenn ein Baum z.B. die Gefahr birgt, beim nächsten Sturm umzuknicken oder aufgrund seiner Beschaffenheit, seines Alters oder einer Krankheit eine Gefahr darstellt. Auch bei geplanter Bebauung oder einer erheblichen Beeinträchtigung der Nutzung des Eigentums ist eine Fällung auch mit Verordnung möglich. Indes, ein alter, klimabedeutsamer und stadtbildprägender Baum ist keine Privatangelegenheit. Neben den vielfältigen gesundheitlichen Wirkungen von Stadtbäumen (positive Effekte sind u.a. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, ADHS, Stress und sogar beim Body-Mass-Index wissenschaftlich nachgewiesen), haben Bäume einen enormen - und ganz nebenbei: kostengünstigen - Effekt auf das Stadtklima.
(BUND / red)

 

Links zu diesem Thema
Bayerischer Naturschutzfonds
BUND Bayern


 

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