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Entwaldung im globalen Süden

Investitionen von Superreichen fördern die Abholzung

 

In der Provinz Salta, Argentinien, wird Wald für die Sojaproduktion abgeholzt. Foto: Rodrigo Montani
In der Provinz Salta, Argentinien, wird Wald für die Sojaproduktion abgeholzt. Foto: Rodrigo Montani


(18.3.2020) Reiche Privatpersonen investieren zunehmend in den Agrarsektor. Das heizt den Anbau von pflanzlichen Rohstoffen an, die sich für die menschliche Ernährung, für die Industrie und als Tierfutter eignen. Dieser Kapitalfluss trägt direkt zur Entwaldung im globalen Süden bei, insbesondere in den Tropen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern.

 

Eine der wichtigsten Ursachen für die Entwaldung ist die Ausdehnung der Anbauflächen – vor allem in tropischen Regionen. Abholzung setzt nicht nur Kohlenstoff frei, sondern führt auch zum Verlust von Artenvielfalt und Ökosystemen und schmälert deren lebenswichtige Funktionen.

Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei sogenannte Flex-Crops – landwirtschaftliche Produkte wie Soja, Palmöl oder Zuckerrohr, die sowohl der menschlichen Ernährung als auch der Futtermittelproduktion oder industriellen Zwecken dienen. Bisherige Untersuchungen ergaben, dass allein der Anbau von Ölpflanzen wie Palmöl oder Soja für etwa einen Viertel der Emissionen verantwortlich ist, die weltweit wegen der Abholzung von Wäldern entstehen. Der Boom von Flex-Crops geht auf verschiedene globale sozio-ökonomische Entwicklungen zurück; eine davon ist die steigende Ungleichheit. Bislang weitgehend unerforscht blieb dabei der Einfluss von Investitionen extrem reicher Privatpersonen.

 

Mehr Reichtum führt zum Anstieg von Flex-Crop-Anbauflächen

 

Prof. Dr. M. Graziano Ceddia
Prof. Dr. M. Graziano Ceddia, Centre for Development and Environment (CDE), Universität Bern. Foto: Universität Bern, Manu Friederich

Eine neue Studie, die von Graziano Ceddia am Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern durchgeführt wurde, untersuchte erstmals, wie sich die Landwirtschaftsinvestitionen von Superreichen auf die Ausdehnung von Flex-Crops im globalen Süden auswirkt. Die Studie, die sich über den Zeitraum von 1991-2014 auf 21 Länder in Lateinamerika und Südostasien konzentriert, belegt: Die Zunahme des Vermögens von reichen Privatpersonen korreliert stark mit dem Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in die Landwirtschaft in diesen beiden Weltregionen – und führt damit zur Ausdehnung der Anbauflächen von Flex-Crops.
Gleichzeitig zeigte sich, dass die globalen Investoren von der Erwartung hoher Renditen solcher Kapitalanlagen angezogen wurden. „Privatinvestoren legen ihr Kapital im Agrarsektor im globalen Süden an, weil die Erträge traditioneller Investitionen zurückgegangen sind“, so Studienautor Graziano Ceddia.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Vermögenskonzentration bei reichen Privatinvestoren eine entscheidende Rolle bei der Ausdehnung der landwirtschaftlich genutzten Fläche im globalen Süden spielt und damit direkt zur Entwaldung beiträgt. Gemäß der Studie, die nun in ↗Nature Sustainability publiziert wurde, hat während des untersuchten Zeitraums ein Anstieg des Vermögens der Superreichen um 1 Prozent zu einer Ausweitung der Flex-Crop-Anbauflächen um 2,4 bis 10 Prozent geführt.

 

Verteilung des Vermögens noch wichtiger als Verteilung von Einkommen

 

„Die Studienresultate verdeutlichen, dass es wichtig ist, die Auswirkungen von Ungleichheit auf die Umwelt zu untersuchen und sich dabei nicht nur auf die Verteilung der Einkommen zu konzentrieren, sondern auch auf die Verteilung der Vermögen“, sagt Graziano Ceddia. Denn erst große Vermögen ermöglichten private Investitionen im Landwirtschaftssektor im großen Stil. Und Reichtum sei viel ungleicher verteilt als Einkommen. „Die Studie macht augenfällig, dass die Ungleichheit dringend verringert werden muss, wenn man Umweltrisiken minimieren will.“ Außerdem müsse die Forschung zu den Zusammenhängen zwischen Vermögensverteilung, Investitionen und Umweltzerstörung intensiviert werden.

 

Centre for Development and Environment (CDE)

 

Das ↗CDE ist das Schweizerische Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung. Als eines der strategischen Zentren der Universität Bern ist es beauftragt, nachhaltige Entwicklung gesamtuniversitär in Forschung und Lehre zu verankern. In Abstimmung mit den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 erarbeitet das CDE Lösungsansätze und stößt Transformationsprozesse an, welche die Gewinne und Risiken der Globalisierung fairer verteilen, die natürlichen Ressourcen schonen und das Wohlergehen auf der Welt fördern. Das CDE beschäftigt rund 100 Mitarbeitende aus 25 Disziplinen und ist in fünf Regionen des globalen Südens sowie in der Schweiz und in Europa aktiv. Das CDE realisiert derzeit 74 Projekte. Ein wichtiger Teil der Aufgaben des CDE sind Lehre und Ausbildung. Das CDE bietet Lehrangebote im Bereich nachhaltiger Entwicklung auf Bachelor-, Master-, Doktorats- und Nachdiplomstufe mit derzeit über 500 Studierenden an.
(UniBE)


Publikation:
Ceddia M.G.: The super-rich and cropland expansion via direct investments in agriculture. Nature Sustainability, 24. Februar 2020,↗ s41893-020-0480-2



 

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