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Die Wurzeln der Apfelbäume

Das Obst entwickelte bereits vor der Zucht durch Menschen große Früchte

Apfel
Foto: pixabay / Pixabay License

 

(31.5.2019) Eine Studie aus dem Max-Planck-Institut wirft ein neues Licht auf die Evolution und Kulturge-

schichte des Apfels. Ursprünglich hatten sich die Früchte entwickelt, um vor der letzten Eiszeit große Säugetiere anzulocken und darüber ihren Samen zu verbreiten. Später brachten Händler die Bäume zusammen mit anderen Nutzpflanzen über die Seidenstraße in viele Gegenden Eurasiens.

 

Obst in Urform
Obst in Urform: Die wilden Äpfel im zentralasiatischen Tienschan-Gebirge gehören zu den wichtigsten Vorfahren unserer heutigen Äpfel. Foto: Prof. Dr. Martin R. Stuchtey

Die Geschichte des Apfels ist eng mit der des Men-

schen verbunden. Darstellungen von großen roten Früchten in der klassischen Kunst zeigen, dass do-

mestizierte Äpfel bereits vor mehr als zwei Jahrtausen-

den in Südeuropa vorkamen, und Überreste von Ap-

felkernen aus archäologischen Stätten zeugen davon, dass Menschen seit mehr als zehntausend Jahren Wildäpfel in ganz Europa und Westasien sammelten. Doch vermutlich hat nicht erst der Mensch den Apfel groß gemacht.

 

Wie Robert Spengler vom Jenaer → Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in einer neuen Studie darlegt, zeigen fossile und genetische Belege, dass Apfelbäume bereits Millionen Jahre vor ihrer Kul-

tivierung recht große fleischige und süße Früchte ent-

wickelten. Diese waren wohl eine attraktive Nahrung für große Säugetiere wie Wildpferde und große Hirsche, die zur sogenannten Megafauna gehörten. Sie sorgten für die Verbreitung der Äpfel. Zum Ende der letzten Eiszeit starben jedoch die meisten Arten der Megafauna aus.

 

Die Seidenstraße war auch eine Apfelstraße

 

Es gibt Hinweise darauf, dass danach die Samenausbreitung der Wildäpfel gering war. In der Folge wurden die Bestände voneinander isoliert, bis der Mensch begann, die Früchte zu transportieren, insbesondere entlang der

Seidenstraße. Überreste von Apfelkernen wurden in archäologischen Stätten in ganz Eurasien gefunden, was die Annahme stützt, dass Obst- und Nussbäume auf den frühen Handelsrouten transportiert wurden.

Asiatischer Wildapfel
Asiatischer Wildapfel (Malus sieversii), Botanischer Garten Berlin-Dahlem im Herbst 2014.
Foto: A.Savin, Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace, CC BY-SA 3.0

Ein Großteil des genetischen Materials für den moder-

nen Apfel stammt aus dem Herzen der alten Handels-

routen im Tienschan-Gebirge Kasachstans. Mehrere neuere genetische Studien haben gezeigt, dass der moderne Apfel eine Mischung aus mindes-

tens vier Wildapfelarten ist. Vermutlich kamen die Sorten durch den Transport auf der Seidenstraße miteinander in Kontakt und vermischten sich. Die da-

raus entstandenen Sorten, sogenannte Hybride, hat-

ten größere Früchte – ein häufiges Ergebnis der Hy-

bridisierung. Die Menschen verstärkten diese Eigen-

schaft durch Veredelung und durch das Pflanzen von Stecklingen der beliebtesten Bäume.

 

Bäume wurden anders domestiziert als Gräser

 

So entstanden die heute bekannten Äpfel in erster Linie nicht durch einen langen Prozess der Selektion und Verbreitung von Samen, sondern durch Vermi-

schung und Veredelung. Der Prozess kann relativ schnell abgelaufen sein und war wahrscheinlich zum Teil gar nicht beabsichtigt. Die Tatsache, dass Apfelbäume Hybride sind und nicht „richtig“ gezüchtet wurden, wie Hülsenfrüchte oder Getreide, ist der Grund, warum dort, wo wir einen Apfelkern pflanzen oft ein Wildapfel-

baum wächst.

Der Domestizierungsprozess war nicht bei allen Pflanzen gleich. Bei Bäumen, bei denen die Generationen im Abstand vieler Jahre aufeinander folgen, wissen wir immer noch wenig darüber“, sagt Studienautor Robert Spengler. „Es ist wichtig, dass wir bei der Erforschung der Domestizierung von Pflanzen nicht nur einjährige Gräser, wie Weizen oder Reis, betrachten. Es gibt Hunderte andere Nutzpflanzen auf der Welt, die auf vielen verschiedenen Wegen domestiziert wurden.“

(mpg)

 

Originalpublikation
Robert N. Spengler III. Origins of the Apple: The Role of Megafaunal Mutualism in the Domestication of Malus and Rosaceous Trees, Frontiers in Plant Science (2019). doi.org/10.3389/fpls.2019.00617



 

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