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Laubbäume und Klimawandel

Bäume treiben trotz Klimawandel nicht früher aus

Laubbäume reagierten in den letzten 15 Jahren weniger auf die Klimaerwärmung als in der Zeit davor

 

(29.9.2015) Eine internationale Studie belegt, dass Laubbäume im Frühling ihre Blätter nicht in dem Maß früher austreiben, wie die steigenden Temperaturen aufgrund des Klimawandels vermuten ließen. Die Resultate aus Beobachtungsreihen aus verschiedenen europäischen Ländern, die in einem Zeitraum von 30 Jahren gesammelt wurden, sind kürzlich in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht worden.


Es ist eine bekannte Tatsache, dass sich der Zeitpunkt des Entfaltens der ersten Blätter von Laubbäumen nach dem Winter mit der Durchschnittstemperatur im Frühling zusammenhängt. Nach Aussage des Wissenschaftlers Yann Vitasse von der → Université de Neuchâtel hat in der Regel eine 1 Grad höhere Durchschnittstemeratur zwischen Februar und April, je nach Baumart, ein um 2 bis 6 Tage verfrühtes Blattaustreiben zur Folge.


Daten von 1200 Standorten in Europa ausgewertet
Ein internationales Forschungsteam wollte wissen, wie sich diese Beziehung zwischen Temperatur und Blattaustreiben in den letzten drei ßig Jahren entwickelte, während sich das Klima stetig erwärmte. Dazu untersuchten sie Daten von Buchen, Eschen, Birken, Rosskastanien, Schwarzerlen, Winterlinden und Stieleichen von über 1200 Standorten in Europa. Ihre Analysen zeigten, dass die Blätter zwischen 1980 und 1994 im Schnitt pro Grad steigender Durchschnittstemperatur 4 Tage früher austrieben. Zwischen 1999 und 2013 hingegen nur noch 2 bis 3 Tage, was einer Abnahme von über 40% entspricht.

 

Temperatur und Licht steuern die Blattentfaltung
Die Deutung eines Teils der Resultate, so die Wissenschaftler, lässt sich mit dem Zeitraum im Jahresverlauf begründen, in der sich die Blattknospen in einem Ruhezustand befinden. Diese sogenannte Winterruhe wird im Herbst durch eine Kälteperiode ausgelöst. Ist diese nicht kalt genug oder steigen die Temperaturen während des Winters stark an, ruhen die Knospen nur teilweise. Dies hat zur Folge, dass der Baum in der Summe mehr Wärme benötigt und entsprechend länger warten muss, bis er seine Blätter entfalten kann.
Aber nicht nur die Temperatur steuert, wann sich die Blätter von Bäumen entfalten, sondern auch, wie lange es hell ist am Tag, die sogenannte Fotoperiode. Wenn also die steigenden Temperaturen die Bäume einladen, ihre Blätter immer früher zu entfalten, könnte ein zu kurzer Tag sie entsprechend daran hindern. Dieser Mechanismus schützt die Pflanzen im Frühling auch vor Spätfrösten.


Kohlenstoffaufnahme-Aufnahme könnte sich verlangsamen
Der Zeitpunkt, wann die Blätter im Frühling austreiben, prägt das Ökosystem Wald demnach in verschiedener Weise. Er beeinflusst die Konkurrenzverhältnisse unter den Bäumen und damit die Zusammensetzung des Baumbestandes. Ein früherer Blattaustrieb im Frühling bewirkt, dass der Wald mehr Photosynthese betreiben und somit mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen kann. Die Resultate der Studie scheinen jedoch darauf hinzudeuten, dass sich die erhöhte Kohlenstoffaufnahme in den Wäldern Europas in Zukunft verlangsamen könnte.
(unine/red)

 

Originalartikel in der Zeitschrift "Nature"
Declining global warming effects on the phenology of spring leaf unfolding, doi:10.1038/nature15402


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