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Kastanienrindenkrebs in Georgien

Schweizer Wissenschaftler konnten neue genetische Typen nachweisen

 


Vom Kastanienrindenkrebs befallene Edelkastanien in Georgien. Oberhalb der befallenen Stelle ist der Baum abgestorben Kastanienrindenkrebs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(27.1.2014) Forschende der Eidg. Forschungsanstalt WSL haben in den Wäldern Georgiens erstmals den Kastanienrindenkrebs untersucht. Sie konnten neue genetische Typen nachweisen, die in Europa bisher nicht auftreten. Sollten diese nach Europa einwandern oder verschleppt werden, würden sie eine zusätzliche Bedroh-
ung für die einheimischen Kastanienwälder darstellen. Verhindern liesse sich das durch eine rigorose Durch-
setzung der bestehenden Quarantänebestimmungen.
Der Kastanienrindenkrebs ist eine durch einen Pilz verursachte Baumkrankheit, die in den 1940er Jahren aus Asien über Italien in die Schweiz eingeschleppt wurde. In der Regel sterben die Kastanienbäume oberhalb der befallenen Stelle ab. In der Schweiz verläuft die Krankheit bisher weniger schwer, da ein natürlich vorkommendes Virus den Pilz schwächt. Dieses sogenannte Hypovirulenz Virus wird auch zur Bekämpfung des Kastanienrinden-
krebses eingesetzt. Es breitet sich besonders schnell aus, wenn die genetische Diversität des Kastanienrinden-krebs-Pilzes möglichst gering ist. Um die Schweizer Kastanienwälder weiterhin möglichst gut vor dem Krebs schützen zu können, untersuchten Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Zusammenarbeit mit dem Forstinstitut in Georgien (Kaukasus) die genetische Vielfalt des Pilzes in Georgien – dem Ursprungsgebiet der europäischen Kastanie. Finanziell unterstützt wurde das Projekt durch das SCOPES Programm des Schweizerischen Nationalfonds SNF.


Empfehlung der Forscher: rigorose Durchsetzung der bestehenden Quarantänebestimmung


Genetische Analysen von C. parasitica Das Forscherteam sammelte in den georgischen Kastanienwäldern über 400 Isolate des Kastanienrind-enkrebs-Pilzes und analysierte sie genetisch. Die Resultate zeigen eine überraschend hohe genetische Diversität des Pilzes in Georgien. Von grossem Inter-
esse ist dabei, dass die meisten der gefundenen genetischen Typen (Genotypen) inklusive der soge-
nannten vegetativen Kompatibilitäts-Typen (vc-Typen) sich von denjenigen in Europa unterscheiden. Sollten diese nach Europa einwandern oder verschleppt werden, würde dies die heimische Diversität deutlich erhöhen. Die bisher erfolgreiche biologische Bekäm-
pfung des Kastanienrindenkrebses mit dem Hypoviru-
lenz Virus wäre dadurch gefährdet. Die Forschenden empfehlen daher eine rigorose Durchsetzung der bestehenden Quarantänebestimmung. Das heisst, nur kontrolliertes Holz und keine lebenden Pflanzen dürften nach Europa importiert werden.
Die Forschenden konnten zudem aufzeigen, dass wahrscheinlich zwei genetische Typen des Pilzes in den 1930er Jahren durch den Import befallener Pflanzen in Georgien eingeschleppt wurden und ein weiterer Typ in den 1980er Jahren auf natürlichem Weg aus der Türkei einwanderte. In den darauffolgenden Jahrzehnten haben sich durch sexuelle Rekombination zwischen den drei Grundtypen neue Typen entwickelt, was die gefundene hohe genetische Diversität des Pilzes erklärt. Die Ergebnisse zeigen ferner, dass in Georgien eine von Europa unabhängige Einschleppung, vermutlich direkt aus Asien stattgefunden hat, in etwa zeitgleich mit der ersten Einschleppung in Europa in Italien.


Originalpublikation

Prospero S, Lutz A, Tavadze B, Supatashvili A, Rigling D.. Infect Genet Evol. 2013 Dec;20:131-9. doi: 10.1016/j.meegid.2013.08.009. Epub 2013 Aug 28. Discovery of a new gene pool and a high genetic diversity of the chestnut blight fungus Cryphonectria parasitica in Caucasian Georgia

 

 


Hintergrundinformationen

Der Kastanienrindenkrebs ist eine in den 1940er Jahren aus Asien über Italien in die Schweiz eingeschleppte Baumkrankheit, die durch den Pilz Cryphonectria parasitica verursacht wird. Er befällt die Rinde der Bäume und unterbricht den Transport von Wasser und Nährstoffen. In der Regel stirbt die Pflanze oberhalb der befallenen Stelle ab. In der Schweiz, insbesondere auf der Alpensüdseite verläuft die Krankheit bisher weniger schwer, da ein natürlich vorkommendes Virus den Pilz schwächt. Dieses sogenannte Hypovirulenz Virus verändert den Pilz derart, dass er für die Kastanienbäume nicht mehr tödlich ist. Auf der Alpennordseite, wo das Virus nicht vorkommt, wird es von der WSL in Zusammenarbeit mit den lokalen Forstdiensten in den betroffenen Kastanienbestände ausgebracht. Diese biologische Bekämpfungsmethode ist bisher recht erfolgreich.
Für einen befallenen Kastanienbestand ist es sehr wichtig, dass sich das Virus möglichst schnell ausbreitet. Am besten funktioniert das, wenn die genetische Diversität, insbesondere die Anzahl der sogenannten vegetativen Kompatibilitäts-Typen (vc-Typen) des Kastanienrindenkrebses möglichst gering ist. Denn wenn zwei Pilze des gleichen vc-Typs in Kontakt kommen, bilden sich Brücken aus, über die das Virus von einem Pilz zum nächsten wandern kann. Bei unterschiedlichen vc-Typen bilden sich hingegen nur wenige und instabile Brücken, sodass eine schnelle Ausbreitung unterbunden ist. Je höher also die Diversität dieser vc-Typen, umso schlechter breitet sich das Virus aus.


(WSL/CH)


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