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Der Zweifarbige Lacktrichterling (Laccaria bicolor)

Speisepilz mit wichtigen Funktionen für das Ökosystem Wald

 

Laccaria bicolor. Foto: Jerzy Opioła / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Laccaria bicolor. Foto: Jerzy Opioła / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

 

(7.12.2018) Der Zweifarbige Lacktrichterling (Laccaria bicolor) ist eine Pilzart aus der Familie der Heide-

trüffelverwandten (Hydnangiaceae). Der Blätterpilz ist weltweit in den Nadel- und Laubwäldern der gemä-

ßigten Klimazone verbreitet.


Laccaria bicolor ist essbar, besitzt aber keinen hohen Speisewert, sondern hat vor allem Bedeutung als Mykor-

rhizapilz. Ein solcher Pilz geht unterirdisch mit Baumwurzeln eine enge Partnerschaft ein und versorgt auf diese Weise Bäume mit mineralischen Nährstoffen aus dem Boden. Damit besitzt Laccaria bicolor eine wichtige Funkti-

Laccaria bicolor
Der Zweifarbige Lacktrichterling (Laccaria bicolor).
Foto: Darius Baužys / Wikimedia Commons / CC BY 3.0

on im Ökosystem, denn in geschädigten Lebensräu-

men nimmt die Besiedlung der Wurzeln mit Mykorrhi-

zapilzen ab, und der Baumbestand ist anfälliger für Krankheiten. Laccaria ist dabei in der Lage, im Erd-

reich viele Kilometer lange, fast unsichtbare, feine miteinander vernetzte Fäden zu spinnen. Um heraus-

zufinden, wie es dem Pilz gelingt, Baumwurzeln zu erkennen, sie zu umwickeln und mit den Wurzelzellen in Kontakt zu treten ohne sie zu zerstören, hat ein internationales Forscherkonsortium in 2008 - unter maßgeblicher Mitwirkung von Wissenschaftler*innen der Georg-August-Universität Göttingen - seine DNA sequenziert. Dabei hat sich herausgestellt, dass Laccaria ungefähr 20.000 Gene besitzt, während ein gut bekannter Pilz, die Bäckerhefe, sein Leben mit einer DNA aus nur 6.200 Abschnitten bestreiten kann. Zum Vergleich: Der Mensch besitzt rund 20.000 bis 25.000 Gene.

 

Die Göttinger Forscher haben den Stoffwechsel von Laccaria untersucht und festgestellt, dass der Pilz sehr hohe Mengen an ungesättigten Fettsäuren enthält. Für die Fettproduktion verfügt der Pilz über eine molekulare Ausstattung, die denen von Tieren stark ähnelt. Für Prof. Polle und Prof. Feußner ein überraschendes Forschungsergebnis, denn die „Maschinerie“ für Fettbiosynthese in den näheren Verwandten, der Bäckerhefe, ist anders aufgebaut. Laccaria bicolor erhält die Vorstufen für das Fett in Form von Zucker aus der Pflanzenwurzel; dieser wird umgewandelt und als Fett-Tröpfchen in den Zellen angehäuft. Ist der Pilz nicht an die Wurzeln einer Pflanze angeschlossen, überlebt er als sogenannter Saprophyt von abgestorbenen Pflanzenteilen. Wie Prof. Kües gezeigt hat, verfügt Laccaria über ein reichhaltiges Arsenal an „Verdauungsenzymen“, die nach außen abgegeben werden und dort für die Freisetzung von Nährstoffen sorgen. Sehr viel komplizierter ist dagegen die Fortpflanzung: Viele Pilze, darunter auch Laccaria, haben multiple Geschlechter - vielleicht bis zu 1.000 verschiedene.
(red)

 

Publikation:
The genome of Laccaria bicolor provides insights into mycorrhizal symbiosis:
Nature 452, 88 - 92 (06 Mar 2008), doi:10.1038/nature06556, Letter



 

 

 

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