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Das Spätfrostrisiko nimmt in höheren Lagen zu

Paradoxe Konsequenz der Klimaerwärmung

 

Stieleichenblätter mit Frostschäden
Stieleichenblätter mit Frostschäden nach einem Frostereignis im April 2017 im Schweizer Jura.
Foto: Yann Vitasse, WSL/Universität Neuenburg

 

(3.10.2017) Bäume, die in über 800 m Höhe wachsen, sind zunehmend Frühjahrsfrösten ausgesetzt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL und SLF), die Universität Neu-enburg sowie das Agroscope Conthey decken in einer Gemeinschaftsstudie eine paradoxe Konsequenz der Klimaerwärmung auf, die Bäume verletzbarer macht. Diese Arbeiten wurden in der Zeitschrift "Agri-cultural and Forest Meteorology online" veröffentlicht.

 

Im April 2017 hat eine plötzliche Frostwelle – insbesondere im Wallis – Weinberge und Obstbaumanlagen gefrie-

ren lassen und damit bedeutende Ernteverluste verursacht. In den Wäldern entstanden an mehreren Baumarten ebenfalls erhebliche Schäden. Diese Einbrüche von Spätfrost könnten in Zukunft zunehmen, da die Vegetation im Frühjahr aufgrund der Klimaerwärmung immer früher einsetzt. In hohen Lagen ist die durch den Anstieg der Temperaturen bedingte Verschiebung des Vegetationsbeginns schneller vorangeschritten als die Verschiebung

Spätfrostschaden an Buche
Zwei Monate nach dem Frostereignis vom 28. April 2016 im Schweizer Jura auf 1100 Meter Höhe sind die Frostschäden bei der Buche noch deutlich sichtbar. Foto: M. Rebetez, WSL/Universität Neuenburg

des Datums des letzten Frosts. Dadurch steigt das Risiko, dass junge Blätter oder Blüten dem Frühjahrsfrost ausgesetzt werden - und könnte sich in Zukunft noch weiter erhöhen.

 

Unter Leitung der Klimatologin Martine Rebetez und des Biologen Yann Vitasse haben die fünf Forscher der drei Schweizer Institute mit Unterstützung durch das Bundesamt für Umwelt ununterbrochene Reihen von Tagesdaten analy-

siert, die mindestens seit 1975 erhoben wurden und aus 50 über das gesamte Land verteilten Stationen des Netzes von MeteoSchweiz stammen.

Zudem analysierten sie Tausende von Beobachtungen von Bürgern bezüglich der Blattbildung von Buche und Fichte so-

wie die Daten der Blüte von Kirsch- und Apfelbäumen. „Diese beiden in der Schweiz dominierenden Arten von Waldbäumen sowie die beiden häufig angebauten Obstbaumarten wurden herangezogen, um mehrere Modelle zu kalibrieren, mit de-

nen sich die Blüte- und Blattbildungszeiten unter verschiede-

nen klimatischen Bedingungen prognostizieren lassen“, er-

läutert Yann Vitasse.

Anschließend analysierten die Wissenschaftler den Zeitraum zwischen dem Datum des letzten Frostes und den vorherge-

sagten Zeitpunkten der Blatt- oder Blütenbildung, dies ent-

spricht dem Sicherheitspuffer der Baumart gegenüber dem Frost. „Unsere Arbeiten zeigen, dass sich der Sicherheitspuf-

fer gegenüber dem Frost mit der in den vergangenen vierzig Jahren beobachteten starken Erwärmung in Höhen über 800 Metern verkleinert hat, während er in geringeren Höhen un-.

verändert geblieben ist“, fährt der Wissenschaftler fort.
Daraus ergibt sich, dass es derzeit nicht sinnvoll ist, Obstbaumarten zu pflanzen oder Waldbäume zu bevorzu-

gen, die besser an ein immer wärmeres Sommerklima angepasst sind, weil ihre Wachstumsphase häufig zu einem früheren Zeitpunkt im Frühjahr einsetzt, sodass sie ganz besonders durch Frostschäden gefährdet sind.

(WSL)

 

Wissenschaftliche Publikation

Vitasse Y, Schneider L, Rixen C, Christen D, Rebetez M (2018) Increase in the risk of exposure of forest and fruit trees to spring frosts at higher elevations in Switzerland over the last four decades. Agricultural and Forest Meteorology 248: 60-69; doi: 10.1016/j.agrformet.2017.09.005



 

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