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22. Kommunales Baumpflegeseminar in Plüderhausen

Rückblick auf ein erfolgreiches Seminar

 

22. Kommunales Baumpflegeseminar
Foto: Neidlein Baumerhaltung

 

(14.6.2019) Das Kommunale Baumpflegeseminar der Veranstalterfirma „Neidlein Baumerhaltung und Baumüberprüfung” ist seit Jahren bei vielen Vertreter*innen der Grünflächen-, Tiefbau- und Straßen-

ämter von Kommunen, Landkreis- und Bauverwaltungen ein fest gesetzer Bestandteil der Weiterbildung, ein Klassiker unter den Baumpflegeseminaren.


Mit fachlich relevanten Themen rund um die Baumpflege zogen die Organisatoren Ulf Lütticke und Johannes Klein wieder Seminar-Teilnehmer*innen über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus nach Plüderhausen in die Staufenhalle.

  Der Spagat zwischen der aktuellen Marktsituation im Tiefbau und der Ökologie – Wurzelfreilegung durch Einsatz moderner Saugbaggertechnologie.
Fabian Stadelmaier, Sonderverlegetechnik Netzbau Weinstadt, Fa. Leonhard Weiss GmbH & Co. KG
  Der Astbruch infolge Querfaserakkumulation – warum auch gesunde Äste ausbrechen können.
Dr. Karlheinz Weber, Dipl. Biologe, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  Zum Zusammenhang zwischen Schlankheitsgrad und Bruchversagen bei Bäumen.
Sascha Jillich, Bachelor Of Sciene Arboristik, Lehr-und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg,
  Gehölze an Fließgewässern: Funktion, Baumarten und Gehölzpflege.
Prof. Dr. Steffen Bold, Professur für Hydrologie, Hochschule für Forstwirtschaft, Rottenburg a. Neckar


Der Spagat zwischen der aktuellen Marktsituation im Tiefbau und der Ökologie – Wurzelfreilegung durch Einsatz moderner Saugbaggertechnologie. Fabian Stadelmaier, Sonderverlegetechnik Netzbau Weinstadt, Fa. Leonhard Weiss GmbH & Co. KG

 

Fabian Stadelmaier Herr Fabian Stadelmaier von der Fa. Leonhard Weiss GmbH & Co. KG, Sonderverlegetechnik Netzbau Wein-

stadt, startete den Baumpflegetag mit einem anschau-

lichen Referat über die unterschiedlichen technischen Verlegearten des Netzbaus.

Ganz gleich ob Spülbohren, Fräsen, Pflügen, Haar-Trenching oder den traditionellen Arbeitsmethoden mit dem Bagger oder von Hand, alle Verlegearten aus dem Netzbau stehen bei der Fa. Leonhard Weiß auf dem Programm. Eine technische Errungenschaft allerdings bringt auch dem Baumschutz große Vorteile: Die noch relativ neue Saugbaggertechnik schont bei Aushubar-

beiten das Wurzelwerk eines betroffenen Baumes wie keine andere Methode. Mittels Ventilatorentechnik wird hier über einen Kraftarm und Saugschlauch eine Saugwirkung erzielt, die Grob- und Feinmaterial bis zu einem Durchmesser von 15 cm gezielt aufsaugt. Selbst gefestigtes Erdreich kann mit Luft- und Sprenglanzen aufgelo-

ckert und dann aufgenommen werden.

„Wurzelschäden können dabei nicht völlig vermieden werden, der Saugbagger ist keine Wunderwaffe“ so Fabian Stadelmaier, „aber aktuell die beste und schonenste Methode, um bei notwendigen Arbeiten wie z. B. der Behe-

bung einer Kabelnetz-Störungsstelle in Baumnähe das Wurzelwerk so gut es geht zu erhalten.“
Eine rege Diskussion mit Fragenstellungen folgte, die der Referent zur Zufriedenheit des Auditoriums beantwor-

ten konnte.

 

Der Astbruch infolge Querfaserakkumulation – warum auch gesunde Äste ausbrechen können.
Dr. Karlheinz Weber, Dipl. Biologe, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

 

Dr. Karlheinz WeberHerr Dr. Karlheinz Weber, Dipl.-Biologe, am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) tätig, erläuterte im zweiten Referatsblock, warum auch gesunde Äste ausbrechen können.

Für die Seminarteilnehmer*innen hatte der Referent viel anschauliches Bildmaterial im Gepäck und konnte so anhand der Fallbeispiele und dem modifizierten Shi-

go‘schen Astanbindungsmodell die gute Astintegration im Stamm erläutern. Alternierend wachsende Stammfa-

sern führen zu einer Zug-Druck-Konvertierung und so-

mit zur stabilen Verankerung des Astes im Stamm. Gro-

ße Jahreszuwächse am Ast und nur geringe Zuwächse am Stamm führen zu einem hohen Querfaseranteil und stören die Integration des Astausläufers im Stamm. Dies führt zum Querfaserbruch bei hoher Belastung. Interessant dabei: Die Ausführungen von Dr. Weber über verschiedene Diagnosemethoden, wie z. B. die Chinesenbart-Bewertung oder Stanzproben-Entnahme mit dem Locheisen. So können durch die Körpersprache des Baumes Sollbruchstellen von noch grünen, vitalen Ästen rechtzeitig erkannt werden. Ein wertvoller Baumpflege-Beitrag mit Buchtipp:„Die Körpersprache der Bäume“ von C. Mattheck, K. Bethge, K. Weber

 

Nach der Mittagspause mit gemeinschaftlichem Essen und fachlichem Austausch referierte Sascha Jillich, Bachelor Of Sciene Arboristik von der Lehr-und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg: Zum Zusammen-

hang zwischen Schlankheitsgrad und Bruchversagen bei Bäumen.

Folgende Aussage stand auf dem Prüfstand: „Die Versagensrate von nicht fäulegeschädigten Bäumen in der Stadt soll rapide mit ihrem Schlankheitsgrad steigen. Daher wurde vor einigen Jahren vorgeschlagen, einen Schlankheitsgrad von 50 als Versagenskriterium für defektfreie, solitäre Bäume einzuführen.” Diese Behauptung räumte der Referent eindrücklich aus der Welt. Umfangreiche Belastungsproben und Messungen von Widerstand- und Biegemomente in Bezug auf den Schlankeitsgrad ergaben keinen Beweis für die aufgestellte These. „Die Aussagen in der maßgeblichen und oft zitierten Arbeit von Petty und Swain (1985) wurden unter zwei offensichtlich unrealistischen Annahmen erzielt: Die Holzeigenschaften schlanker und gedrungener Bäume seien identisch und ihre Kronen seien gleich groß.” Die Kronen von schlanken Bäumen mit vermutlich festerem Holz sind jedoch deutlich kleiner als die von gedrungenen Bäumen, so dass beide etwa bei gleich kritischen Windgeschwindigkeiten brechen.


Nach der zweiten Kaffeepause sprach Professor Dr. Steffen Bold, Professur für Hydrologie an der Hochschule für Forstwirtschaft, Rottenburg am Neckar, über Gehölze an Fließgewässern: Funktion, Baumarten und Gehölzpflege.

Das Ufergehölz leistet nicht nur zur Landschaftsgestaltung einen wichtigen Beitrag. Als natürlicher Lebenraum für viele Tierarten, zur Gewässerbeschattung und zum Schutz vor Winderosion, als Schad- und Nährstoffpuffer und zur Ufersicherung ist es unverzichtbar. Dr. Bold stellte wichtige Ufergehölzarten vor und hatte tolle Anregungen zur Gehölz- und Gewässerpflege.

 

Teilnehmer-Stimmen: „Von den Vorträgen nehmen wir viele nützliche Informationen mit in unseren Berufsall-

tag. Der fachliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in den Pausen gibt neue Impulse. Das Seminar ist mit dem ausführlichen Seminarband zum Nachlesen toll aufbereitet.“

Bleibt uns nur noch ein großes Dankeschön an alle Referenten und Teilnehmer*innen und wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!

(Text/Fotos: Neidlein Baumerhaltung)

 



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