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18. Kommunales Baumpflegeseminar in Waiblingen

Rückblick auf eine gelungene Veranstaltung

 

18. Kommunales Baumpflegeseminar in Waiblingen

 

(26.4.2015) Am Dienstag, den 21. April 2015 wurde unser Kommunales Baumpflegeseminar „erwachsen”: seit nun 18 Jahren informieren wir Vertreter und Vertreterinnen der Grünflächen-, Tiefbau- und Straßenämter von Kommunen, Landkreis- und Bauverwaltungen über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus zu relevanten Themen rund um die Baumpflege.Über 140 Teilnehmer/-innen folgten der Einladung von Hartmut Neidlein, Sachverständigenbüro Baum.Erfahrung und Dennis Zauser, Neidlein Baumerhaltung & Baumüberprüfung ins Bürgerzentrum Waiblingen. Wohlwissend, dass die beiden Veranstalter wie gewohnt hochkarätige Referenten mit Interessantem und Wissenwertem zu bieten hatten.


Es referierten Anna Haikali, Dipl.-Forstingenieurin (FH) zum Thema "Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB)"

Prof. Dr. Ulrich Weihs, Hochschullehrer, öbv Sachverständiger Baumpflege zum Thema "Verkehrssicherheit von Bäumen, Baumermittlung. Behandlung alter Bäume" sowie "Biomechanische Grundlagen des Astbruchs unter besonderer Berücksichtigung des Phänomens Grünastbruch"

4. Roman-Siegfried Rathai und Stefan Maiwald M.Eng, öbv Sachverständiger: "Wiederherstellung der Verkehrssicherheit einer gespaltenen Eiche"

Abschließend folgte eine Diskussion die "Alte Bäume – Zugewinn oder lästige Kostenfalle?" zum Thema hatte.

 

Den gelungenen Auftakt in den Seminartag gestaltete die Referentin Anna Haikali, Diplom Forstingenieurin (FH) aus Bayern mit umfassenden Informationen rund um den Quarantäneschädling „Asiatischer Laubholzbock­käfer” (Anoplophora glabripennis). Eingeschleppt wurde der Käfer über Holzpaletten, die mit Marmor- und Granitlieferungen aus China eingeführt wurden. An insgesamt 7 Standorten ist er bei uns inzwischen meist in Siedlungsgebieten nachgewiesen – die Dunkelziffer ist sicher höher. Da er bei uns keine natürlichen Feinde hat und auch der Specht die Larven nur selten als Futter annimmt, ist es wichtig, die Einwanderung in Waldgebiete zu verhindern. Daher ist sein Auftreten beim zuständigen Pflanzenschutzdienst meldepflichtig, befallene Bäume müssen gefällt und sofort innerhalb der Quarantänezone (mind. 100 m, bis zu 200 m Umkreis) gehäckselt und dann umgehend verbrannt werden. Seine Lieblings-Speisebäume sind neben allen Ahornarten auch Pappeln, Birken, Weiden und Roßkastanien, die bei einem Befallsfund alle aus der Quarantänezone zu entfernen sind. Die Wissensvermittlung an Baumpfleger/-innen über diesen Einwanderer ist ebenfalls ein wichtiges Bekämpfungsinstrument. Von der Herkunft über Biologie und Symptomatik des Käfers bis hin zu den Quarantänebestimmungen und der Bekämpfungsmethodik vermittelte Frau Haikali fundierte Erkenntnisse. Anhand der mitgebrachten Anschauungsobjekte konnten sich alle ein gutes Bild von Rinden-Fraßspuren, Schlupflöchern und Larvenmerkmalen machen, so dass zukünftig eine zuverlässige Befallserkennung im Baumpflege-Alltag ermöglicht wird.

 

VortragVerkehrssicherheit von Bäumen

Nach einer Kaffeepause berichtete Prof. Dr. Ulrich Weihs, Hochschullehrer und öbv Sachverständiger über dieBehandlung alter Bäume.Anhand des Negativbeispiels der „Alten Dorflinde Gladebeck” veranschaulichte Prof. Dr. Weihs engagiert, wie die Angst um die Verkehrssicherheit eines alten Baumes durchaus auch zu unsachgemäßen und überzogenen Kronenkappungen führen kann. Wichtig ist daher ein sorgfältiger Abwägungsprozess, bei dem vor allem Faktoren wie das biologische Lebensalter der Baumart, die Schnittverträglichkeit, der Standort sowie dieindividuelle Vitalität des Baumes und seine kulturelle Bedeutung und Funktion Einfluss auf die Entscheidung über die richtigen Pflegemaßnahmen nehmen sollten. Die Verkehrssicherheit muss gewährleistet sein, die Baumvitalität sowie das arttypisches Erscheinungsbild des Baumes allerdings so weit wie möglich erhalten bleiben.
Für die statische Verbesserung eines Baumes reicht oft bereits die Einkürzung von Grob- und Starkästen mit möglichst kleinen Schnittwunden. Es folgten noch viele wichtige Tipps und Hinweise über das Schneiden von aus der Kronenperipherie herausragenden Ästen auf Zugast, die Ausführungszeit, die negativen Folgen starker Kroneneinkürzungen auch auf die Verkehrssicherheit, das falsche Verständnis vom „Kopfbaum” sowie die Anpassungsmechanismen und Überlebenstrategien alter Bäume.

 

Phänomen „Grünastbruch”

Nach der Mittagspause referierte Prof. Dr. Ulrich Weihs über „Biomechanische Grundlagen des Astbruchs unter Berücksichtigung des Phänomens „Grünastbruch”. Als Grünastbruch bezeichnet man das Abbrechen einzelner, augenscheinlich gesunder und vollbelaubter Äste ohne Windeinwirkung. Meist erfolgt dies nach einer heißen Trockenzeit. Besonders interessant ist dieses Thema, da über die Wirkungsmechanismen relativ wenige wissenschaftlich fundierte Untersuchungen vorliegen. Die Problematik hierbei ist die Unvorhersehbarkeit, da äußerlich keine Schäden erkennbar sind und selbst die Bruchstellen in der Regel keine Anzeichen von Fäule oder anderen Defekten zeigt. Für dieses Phänomen sind eher biomechanische Eigenschaften bestimmend wie baumartenspezifische Holzeigenschaften, Durchmesserabnahmen des Astes, Formigkeit, Elastizität u. v. m. Besonders bruchgefährdet durch ihr schnelles Wachstum ist die Hybrid-Pappel, aber auch bei Weiden, Kastanien und Buchen wurde vereinzelt Grünastabbruch beobachtet. Nach eindrücklichen Berechnungen von Zug-, Druck- und Biegefestigkeit verschiedener Holzarten beendete Prof. Dr. Weihs seinen aufschlussreichen Vortrag mit dem Handlungsbedarf für Baumbesitzer.

 

Alte Bäume – Zugewinn oder lästige Kostenfalle?

Gleich im Anschluss hatten die beiden Referenten Roman-Siegfried Rathai und Stefan Maiwald, M.Eng und öbv Sachverständiger einen bemerkenswerten Fall aus der Praxis im Gepäck: Die Wiederherstellung der Verkehrssicherheit einer gespaltenen Eiche.

Abgesehen von der imposanten Erscheinung einer alten Eiche, ist der Lebensraum, den ein solcher Baum über 1.000 verschiedenen Organismen bietet, von unschätzbarem Wert für Tier und Natur. „Daher ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG 2010) die Störung, Entnahme oder Beschädigung der Ruhestätte wildlebender Tierarten „ohne vernünftigen Grund“ nicht zulässig (BARSIG 2014). Vom Schadbild über die Maßnahmen zur Stamm- und Kronensicherung bis hin zu den erfolgten, moderaten Schnittmaßnahmen im Feinastbereich ist dies ein spannendes und vorbildliches Projekt, an dem wir auf kurzweilige Art und Weise teilhaben durften.

 

Zuletzt folgte nach der zweiten Kaffeepause eine angeregte Diskussion, moderiert von Ulf Lütticke, Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung, zum Thema: Alte Bäume – Zugewinn oder lästige Kostenfalle?
So viel wichtige und spannend verpackte Information lässt einen Seminartag kurz erscheinen. Nach guten Gesprächen gingen die Teilnehmer/-innen wieder in alle Himmelsrichtungen auseinander. Schön war das gute, spontane Feedback am Ende des Tages für uns als Veranstalter: „Es hat uns wieder gut gefallen, das Kommunale Baumpflegeseminar ist ein gelunger und fester Bestandteil unserer Weiterbildung. Wir kommen gerne wieder im nächsten Jahr!”


(Text/Fotos: Neidlein Baumerhaltung)



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