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Globaler Samenhandel verbreitet Schadorganismen

Hohe Befallsraten durch Pilze und Insekten


Eichel der im Westen Nordamerikas beheimateten Oregon-Eiche (Quercus garryana) mit Pilzbefall und Frassschäden durch Rüsselkäferlarven. Bild: Iva Franić, CABI
Eichel der im Westen Nordamerikas beheimateten Oregon-Eiche (Quercus garryana) mit Pilzbefall und Fraßschäden durch Rüsselkäferlarven. Bild: Iva Franić, CABI

 

(11.9.2019) Der weltweite Handel mit Baumsamen ist nicht so sicher wie bisher angenommen. Forschen-

de des CABI, der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und weiterer Institutionen zeigen, dass mit dem Saatgut auch zahlreiche schädliche Insekten und Pilze verbreitet werden. Diese stellen ein großes Risiko für Bäume und Waldökosysteme dar.

 

Nicht einheimische Insektenschädlinge und krankheitserregende Pilze stellen weltweit eine der größten Bedro-

hungen für Bäume und Waldökosysteme dar. Solche Schadorganismen können die Ökologie der Wälder erheb-

lich stören und wirtschaftliche Verluste verursachen. So tötete zum Beispiel der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) in Nordamerika großflächig die dort vorkommenden Eschen. Das Insekt hat unterdessen bereits Eschen in Westrussland befallen und gilt damit als Bedrohung für europäische Eschenarten. In ähnlicher Weise hat der Pilzerreger Cryphonectria parasitica Anfang des 20. Jahrhunderts in Nordamerika die dort ein-

heimische amerikanische Kastanie fast ausgerottet, was die Baumartenzusammensetzung ursprünglich kastani-

enreicher Wälder deutlich veränderte.

 

Iva Franić, René Eschen und Marc Kenis vom CABI sowie Forschende der Eidgenössischen Forschungsan-

stalt WSL und weiterer Institutionen haben in den vergangenen Jahren erstmals die Insekten und Pilze an Samen von Waldbaumarten untersucht. In der Zeitschrift Ecological Applications weisen die Forschenden darauf hin, dass die Befallsraten bei den Samen einiger Baumarten "alarmierend" hoch sind. Sie betonen, dass überprüft werden müsse, ob die Schutzmaßnahmen im internationalen Samenhandel genügend wirksam sind.

Mittels Röntgen- und DNA-Analyse untersuchten die Forschenden den Insekten- und Pilzbefall an 58 im Handel erhältlichen Saatgutpartien von 11 Nadel- und Laubbaumarten aus Nordamerika, Europa und Asien. Aufgrund der Ergebnisse geben sie Empfehlungen ab, wie sich die Risiken durch mit Saatgut übertragene Schadorganis-

men verringern ließen. Als wichtige Maßnahme müssen die Nachweismethoden der Pflanzenschutzinspektoren an den Landesgrenzen verbessert werden.

 

Iva Franić, Hauptautorin der Studie ‘Are traded forest seeds a potential source of non-native pests?’ sagt: „Die Anzahl der aus China importierten und für den Anbau in Europa vorgesehenen Pflanzen hat sich zwischen 2000 und 2018 versechsfacht; die Importe aus China sind nun gleich hoch wie die Importe aus Nordamerika“. Diese Zunahme führt an den Außengrenzen der EU zu einer großen Herausforderung für die Kontrollorgane. Diese sollen verhindern, dass neue Schadorganismen eingeführt werden. Denn nicht bekannte Krankheitserreger kön-

nen sich erheblich auf den Gesundheitszustand einheimischer Bäume und ganzer Waldökosysteme auswirken.

 

Hohe Befallsraten durch Pilze und Insekten

 

Die DNA-Analysen zeigten, dass in allen Saatgutpartien Pilze vorkamen. Auf nicht-selektivem Agar ließen sich in 96 Prozent der Saatgutpartien Pilzenachweisen. Rund 30 Prozent der Samenpartien enthielten Insektenlarven. Die Forschenden fanden weiterhin heraus, dass die Pilzhäufigkeit und -vielfalt viel größer ist als die Insektenviel-

falt, insbesondere bei Saatgut von Laubbaumarten.

René Eschen vom CABI sagt: „Der Handel mit Saatgut der meisten Arten ist nicht geregelt, da Saatgut als weniger gefährlich eingestuft wird als anderes Pflanzenmaterial. Fest steht auf jeden Fall, dass Samen viele Insekten und Pilze enthalten.“

Simone Prospero von der WSL ergänzt: „Der hohe Befall kommerziell angebotener Saatgutpartien ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie oft potenzielle Schadorganismen über gehandeltes Saatgut verbreitet werden können. Die Tatsache, dass in den Samen Organismen mitreisen, die bereits als Schädlinge bekannt sind, ist ein starkes Indiz dafür, dass unbedingt Maßnahmen ergriffen werden sollten, um das Verschleppungsrisiko zu verringern“.

Da Pilze bei Grenzkontrollen nur sehr schwer zu erkennen sind, braucht es dringend wirksame Behandlungsme-

thoden, um ihre Lebensdauer im Saatgut zu verkürzen oder um den Handel mit besonders anfälligen Samenar-

ten oder -herkünften zu regeln.
Um die Risikobeurteilung zu verbessern, sind insbesondere detailliertere Kenntnisse nötig über diejenigen Baumarten, die von den Pilzen befallen werden können, aber auch darüber, wie Pilze auf Keimlinge übertragen werden und wie sich der Pilzbefall auf die Samen und jungen Bäumchen auswirken kann.
(Reinhard Lässig)


Originalpublikation:
Are traded forest tree seeds a potential source of nonnative pests? Ecological Applications; Iva Franić, Simone Prospero, Martin Hartmann, Eric Allan, Marie‐Anne Auger‐Rozenberg, Niklaus J. Grünwald, Marc Kenis, Alain Roques, Salome Schneider, Richard Sniezko, Wyatt Williams, René Eschen. doi.org/10.1002/eap.1971

 

Weitere Informationen:
Invasive Arten (externer Link)
CABI (externer Link)




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