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Pflanzen nicht sorglos mitnehmen!

Xylella fastidiosa birgt Gefahr


Xylella fastidiosa
Foto: Edward L. Barnard, Florida Department of Agriculture and Consumer Services, Bugwood.org / CC BY 3.0 US

 

(29.6.2017) Xylella fastidiosa, dt. auch Feuerbakterium, ist ein Bakterium aus der Familie Xanthomona-daceae. Es ist der Erreger von Krankheiten bei mehr als 300 Pflanzenarten, darunter zahlreichen Nutz-pflanzen. Die Bekämpfung des Bakteriums ist besonders schwierig, da das Bakterium durch Insekten übertragen wird, die sich von Pflanzensäften ernähren und befallene Pflanzen über Monate keine Symptome zeigen, sodass eine Ausbreitung lange unentdeckt bleibt.


„Xylella fastidiosa kann mehr als 300 Wirtspflanzenarten befallen, so z. B. Kräuter, Oleander, Olivenbäumchen, Ahorn“, sagt Joachim Vietinghoff, Leiter des Pflanzenschutzdienstes im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V in Rostock.
„Sind auch nur Einzelpflanzen nachweislich infiziert, müssen im Umkreis von 100 Metern alle bekannten und verdächtigen Wirtspflanzen ausnahmslos vernichtet werden. Es wird außerdem eine 10 km-Pufferzone eingerichtet, in der regelmäßig amtliche Überwachungsmaßnahmen durchzuführen sind. Zahlreiche Pflanzenschutzmaßnahmen folgen anschließend, um einer weiteren Verbreitung vorzubeugen“, macht Vietinghoff anschaulich.

 

Das gramnegative Bakterium Xylella besiedelt die Leitbahnen, das Xylem der Pflanzen und bildet dabei Schleimschichten (Biofilme), sodass sich die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgen können. Folgen sind das Vertrocknen und Absterben von Pflanzenteilen oder der gesamten Pflanzen. Übertragen wird der, nicht durch Pflanzenschutzmittel bekämpfbare Erreger, durch saugende Insekten, meist Zikaden.
Befallene Pflanzen zeigen ggf. über Monate keine Krankheitsanzeichen, demzufolge eine Ausbreitung oft lange unentdeckt bleibt. Das verkompliziert die Bekämpfung zusätzlich. Außerdem sind die erkennbaren Schäden an den Pflanzen sehr leicht mit bloßem Vertrocknen von Pflanzenteilen zu verwechseln.

 

Was kann der Verbraucher tun, dass sich Xylella fastidiosa in der EU nicht weiter ausbreitet?

 

Fälle der Krankheit gab es seit dem Jahr 2013 besonders in Italien und Frankreich, einen im Jahr 2016 auch in Sachsen. „Wenn Sie aus dem Urlaub Pflanzen aus anderen europäischen Ländern mit-bringen wollen, können wir Sie nur sehr bitten, dass Sie diese in zugelassenen Baumschulen kaufen und darauf achten, dass ein Pflanzenpass vorliegt“, mahnt Vietinghoff.
Jeder Betrieb, der bekannte Wirtspflanzenarten produziert und/oder mit ihnen handelt, muss sich in einer EU-Datei registrieren lassen. „Bringen Sie aus Drittländern bitte nur Pflanzen mit in die EU, denen ein Pflanzengesundheitszeugnis beigefügt ist“, ergänzt er.
Xylella fastidiosa stellt aufgrund der benannten Umstände eine Gefahr für den heimischen Obst-, Zierpflanzen- und Weinanbau dar. Für gewerbliche Betriebe liegt der Schwerpunkt der Vorsorge in der Überwachung und Minimierung der übertragenden Insekten. Das ist z. B. die regelmäßige Entfernung der Gräser in den Kulturen, dem Lebensraum der Zikaden.

 

Hintergrund

Das Hauptverbreitungsgebiet des Bakteriums ist Nord- und Südamerika. Der Erreger wurde erstmalig 1880 in Kalifornien als Ursache einer Krankheit an Weinpflanzen nachgewiesen.
Alle Wirtspflanzen, an denen in der EU bisher Xylella fastidiosa nachgewiesen werden konnte, sind auf einer von der EU online geführten Datenbank aufgeführt. Die Europäische Union erließ im Zusammenhang mit dem Befall in Italien und Frankreich den Durchführungsbeschluss 2015/789/EU, in dem zusätzliche Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Verschleppung des Erregers innerhalb der EU und der Einschleppung in die EU festgelegt worden sind.

(LALLF)

 

Weitere Informationen zu diesem Thema:
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen Julius Kühn

 


 

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