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Der Esche droht weiteres Unheil

Der Asiatische Eschenprachtkäfer vor den Toren der EU


Asiatischer Eschenprachtkäfer
Foto: Sam Droege / Wikimedia Commons / CC0 1.0

 

(12.6.2017) Für Unbehagen sorgte im September 2013 der Bericht, dass der Asiatische Eschenprach-tkäfer etwa 250 km westlich von Moskau gefunden wurde. Von Wissenschaftlern wird befürchtet, dass sich die Art weiter in westlicher Richtung nach Mittel- und Westeuropa ausbreiten wird. In den dortigen Eschenbeständen wurde der Käfer bisher nicht entdeckt, jedoch ist bekannt, dass die europäische Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) durch den Käfer ernsthaft geschädigt werden kann. Diese Entwicklung ist besonders bedenklich, da die europäischen Eschenbestände schon seit Mitte der 1990er Jahre unter dem Eschentriebsterben, verursacht durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus leiden, dem nach Schätzungen bis zu 90 % der Eschenbestände zum Opfer fallen werden.


imago
Asiatischer Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis). Foto: Sam Droege / Wikimedia Commons / CC0 1.0

Der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) ist ein grün-metallisch gefärbter Käfer aus der Familie der Prachtkäfer (Buprestidae). Die Art entwickelt sich an Eschen. Der Käfer ist im Osten Asiens (Nordosten Chinas, Japan, Südkorea, Taiwan, Mongolei) und im fernöstlichen Russland heimisch. Vor Jahrzehnten wurde er auch nach Nordamerika eingeschleppt, wo er sich als invasive Spezies etabliert hat und eine große Bedrohung für die dortigen Eschenbestände darstellt. Die erwachsenen Käfer sind länglich-schmal, 7,5 bis 15 mm lang und 3,1 bis 3,4 mm breit mit smaragdgrün-metallischer Farbe, was ihnen den Namen Emerald Ash Borer („smaragd-grüner Eschenbohrer“) einbrachte. Im Aussehen ähneln die Käfer dem in Europa heimischen Zweipunktigen Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus).


Lebensweise


Agrilus planipennis besiedelt sowohl gesunde als auch vorgeschädigte Bäume. Er bevorzugt im Allgemeinen nur Eschen, man findet ihn jedoch auch auf einigen wenigen anderen Baumarten. Nachgewiesen wurde der Käfer an

Larve
Larve des Asiatischen Eschenprachtkäfers.
Foto: Pennsylvania Department of Conservation and Natural Resource / CC BY 3.0 US

Weiß-Esche, Schwarz-Esche, Rot-Esche und Chinesische Esche. Außerdem ist er auch an Mandschurische Walnuss, Japanische Flügelnuss, sowie den Ulmenarten Ulmus davidiana und Ulmus propinqua gefunden worden.
Die Käfer schlüpfen im Frühjahr aus der Rinde der befallenen Bäume und sind überwiegend an warmen und sonnigen Tagen aktiv. Sie leben nur etwa drei bis sechs Wochen. Auf der Suche nach paarungsbereiten Partnern entfernen sie sich nie mehr als maximal etwa 1,5 km von ihrem Ursprungsbaum. Nach der Paarung legt das Weibchen 60 - 90, etwa einen Millimeter große Eier in die Ritzen der Eschenrinde.
Etwa zwei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven und beginnen unmittelbar, sich in den Eschenstamm hineinzubohren. Unter der Rinde entstehen danach durch Larvenfraß ausgedehnte Gänge. Nach ein bis zwei Jahren erreichen die Larven eine Länge von 26 bis 32 Millimetern und verpuppen sich in einer kleinen Kammer. Die aus den Puppen schlüpfenden Käfer bohren sich durch die Rinde und der Lebenszyklus beginnt von Neuem.

 

Schadwirkung


Die betroffenen Bäume werden je nach Art in sehr unterschiedlicher Weise mit dem Befall durch den Käfer fertig. Während die meisten ostasiatischen Baumarten nur wenig geschädigt werden, hat der Befall bei den Eschenar-

ten auf dem amerikanischen Kontinent schwerwiegende Folgen. In der Regel stirbt der Baum aufgrund des Befalls nach wenigen Jahren ab. Bei den asiatischen Eschenarten hat die über Jahrtausende bestehende

Fraßgang
Larvengang.
Foto: Judy Gallagher / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Koexistenz von Käfer und Baum zu einer partiellen Resistenz der Wirtsbäume geführt, die eine übermäßige Vermehrung der Käfer verhindert, deren Hintergründe aber bisher noch nicht völlig verstanden sind. Da die amerikanischen Eschen erst vor einigen Jahrzehnten mit dem Insekt in Kontakt kamen, konnten keine Schutzmechanismen bestehen und der Käfer sich zum Schaden des Wirtsbaums ungebremst ausbreiten.
Die Schädigung des Baums wird durch die Larven verursacht, die Käfer selbst richten kaum nennenswerten Schaden durch Blattfraß an. Die Larvengänge zerstören die Bastschicht (das Phloem) und damit die Gefäßstruktur des Baumes, was zum Absterben der weiter oben liegenden Baumabschnitte führt. Dieser Prozess zieht sich typischerweise über zwei bis vier Jahre hin, wobei das früheste äußerlich sichtbare Zeichen das Absterben der Baumkrone ist.

 

Situation in Nordamerika

 

Im Jahr 2002 wurde der Asiatische Eschenprachtkäfer erstmals auf verschiedenen Eschenarten in Michigan entdeckt. Es wird vermutet, dass der Käfer schon in den 1980er oder 1990er Jahren als "Blinder Passagier" in Verpackungsholz aus Ostasien nach Nordamerika gelangte. Der Käfer breitete sich in den Eschenwäldern

massive schäden
Massive Schäden durch Agrilus planipennis im Red Hill Valley, Hamilton Ontario, Kanada.
Foto: Michael Hunter / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kanada

Michigans aus, wo er nur wenige natürliche Feinde hat. Es wird geschätzt, dass durch den Käfer im Mittleren Westen der USA bisher etwa 50 Millionen Eschen abgestorben sind. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten um die Großen Seen. Als Reaktion auf die biologische Bedrohung der Eschenbestände wurde ein umfangreiches Programm zur Eindämmung der Ausbreitung des Käfers aufgelegt und es wurden Regeln zur „Emerald Ash Borer (EAB) quarantine“ beschlossen.
Im Jahr 2009 wurde Agrilus planipennis schon in insgesamt 12 US-Bundesstaaten und zwei kanadischen Provinzen nachge-

wiesen. Es wird vermutet, dass die schnelle Ausbreitung unbe-

absichtigt über den Transport von befallenem Eschenholz, z. B. in Form von Feuerholz erfolgte. Mittlerweile ist der Transport von Holz aus Bezirken, die unter EAB-Quarantäne stehen, untersagt.

 

Bekämpfung

Gegen die Ausbreitung von Agrilus planipennis wurden verschiedene Insektizide eingesetzt. Allerdings bestehen gegen den Einsatz in großen Waldgebieten erhebliche ökologische Bedenken. Es gibt auch Konzepte zur biologischen Schädlingsbekämpfung. So ist beispielsweise Cerceris fumipennis, eine in Nordamerika natürlich vorkommende Grabwespenart aus der Familie Crabronidae, die ihre Eier in die Larven von Prachtkäfern ablegt, als möglicher Parasitoid von Agrilus planipennis im Gespräch.
(red)

 

Quellen: LWF, BFW, Wikipedia
Der Text ist unter CC BY-SA 3.0 lizensiert.


Links zu diesem Thema
Neues Ungemach für die Esche
Der Asiatische Eschenprachtkäfer
Esche in Not



 

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Agrilus planipennis Larve im Fraßgang Fraßgang Kanada